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Füchse ohne Nerven

Weißwasser sichert sich mit einem Auswärtssieg in Garmisch Rang elf. Im Penaltyschießen bleibt einer besonders cool.

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© Titus Fischer

Von Titus Fischer und Marcel Pochanke

Garmisch/Weißwasser. Die Lausitzer Füchse haben die bittere Pille, sicher in die Abstiegsrunde zu müssen, gut verdaut und sich für diese Schicksalsspiele die bestmögliche Ausgangsposition gesichert. Die zwei Punkte, die sie am Sonntagabend in Garmisch holten, bedeuten, dass ihnen Platz elf und damit das erste Heimrecht in den Playdowns keiner mehr nehmen kann – denn alle anderen Mannschaften im Tabellenkeller verloren teils deutlich.

Dabei hatte es zunächst nicht nach einem angenehmen Abend aus Füchsesicht ausgesehen. Der SC Riessersee war im ersten Drittel klar überlegen, einzig Torwart Johannes Wiedemann stand einer höheren Führung zur ersten Pause entgegen. Der hatte den Vorzug vor Joe Fallon erhalten und damit auch einen Ausländerplatz freigemacht, sodass Milan Kostourek wieder in die Mannschaft rutschte.

Eine gute Gelegenheit hatte Thomas Götz, dann flogen die Scheiben meist in Richtung Füchsetor. Wiedemann war bei Becks super Gelegenheit auf dem Posten. Machtlos war er aber gegen Sean Fischer, der nach fünf Minuten humorlos unter die Latte traf. Gleich darauf musste Swinnen auf die Strafbank, aber Riessersee zielte dreimal aus guter Position drüber. Die Füchse blieben im Spiel, Florian Lüsch schloss zu eigensinnig ab, als er einmal über links durch war. Unglücklich fiel das 2:0 für Garmisch, Wiedemann hatte den Schuss von Jesse Schultz mit dem Schoner pariert, konnte aber nicht verhindern, dass der Kanadier den Puck im Nachsetzen ins Tor drückte. Als wieder Swinnen auf der Strafbank saß, standen die Füchse gut, wirkten aber insgesamt nicht so, als könnten sie in Bayern was mitnehmen.

Das Momentum wechselt

Doch weit gefehlt. Das zweite Drittel stellte das erste auf den Kopf. Dieses Mal hatte Heatley für Garmisch die erste Chance, dann war Magowan an einer Keilerei beteiligt und wurde zum Abkühlen geschickt. Es wirkte wie ein Weckruf, der sich nach 30 Minuten auf der Anzeigetafel auswirkte. Lüsch hob einen Nachschuss über Vollmer ins Tor. Der Jubel schien noch verhalten. Zwei Minuten später fiel der Ausgleich in Überzahl. Haydar bediente Ostwald, der wuchtig abzog. Vor dem Tor nahm Magowan Vollmer die Sicht, sprang hoch und die Scheibe war drin. Das Momentum war nun klar auf Weißwasseraner Seite, Magowan und Haydar (Pfostentreffer) verpassten beste Möglichkeiten. Allerdings hätten die Füchse in Überzahl fast einen Konter gefangen, hier war wieder Wiedemann zur Stelle.

Im Schlussdrittel hatten ebenfalls die Gäste die besseren Chancen, die ganz großen Aufreger waren aber nicht darunter. Auch in der Verlängerung riskierten die Mannschaften nicht viel, Chancen blieben Mangelware. Offenbar rechneten sich die Trainer im Penaltyschießen jeweils die besseren Chancen aus. Aber nur Füchse-Coach Paul Gardner hatte einen Darren Haydar in seinen Reihen. Doch der Reihe nach. Zunächst durften je drei Schützen ran, Haydar und Kevin Lavallee trafen für die Füchse, Matthias Beck und Jesse Schultz für Riessersee. Damit ging es in direkten Duellen weiter. Zunächst trafen sowohl Haydar als auch Beck. Die zwei liefen erneut an, diesmal scheiterten beide. Im folgenden Durchgang trat Mark Heatley anstelle von Beck an, Haydar blieb der Lausitzer Schütze – und traf. Heatley aber konnte Wiedemann nicht überwinden. Damit waren die zwei Punkte für Weißwasser in Sack und Tüten. Dass ein Schütze mehrfach antreten durfte, verwunderte Paul Gardner zwar, der das aus der NHL nicht kannte. Aber er nahm es gern hin. „Wir brauchen diese positiven Erlebnisse“, sagte er nach dem Spiel. Ausdrücklich lobte er Johannes Wiedemann, der die Füchse im ersten Drittel im Spiel gehalten habe. Und Darren Haydar. Vier Versuche, drei Treffer, das ist eine tolle Quote. Der Nachweis von Qualität und Nervenstärke macht zuversichtlich für die schweren Spiele, die vor den Füchsen liegen.