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Führt die neue DNA-Spur zu Barschels Mörder?

Im Polit-Krimi um den Tod des CDU-Politikers gibt es jetzt einen Unbekannten. Doch ob der die Ermittler weiterbringt, ist umstritten.

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Von Markus Klemm, Kiel

Auf den ersten Blick hört es sich vielversprechend an. Knapp 25 Jahre nach dem mysteriösen Tod von Uwe Barschel in einem Genfer Hotelzimmer haben Spezialisten des Landeskriminalamts in Kiel DNA-Spuren eines Unbekannten an der Kleidung des CDU-Politikers gefunden. Könnte damit nun doch noch Licht in den bislang ungelösten Polit-Krimi um den früheren schleswig-holsteinischen Regierungschef kommen? Klären die Spuren, ob sich Barschel nach der Waterkant-Affäre 1987 umgebracht hat oder ob er womöglich doch ermordet wurde, weil er angeblich über illegale, internationale Waffenschiebereien auspacken wollte?

Für den früheren schleswig-holsteinischen CDU-Landtagsabgeordneten Werner Kalinka, der bereits Bücher über den Fall verfasst hat, steht schon lange fest, dass Barschel ermordet wurde. Er sieht sich durch die Ergebnisse der von ihm selbst 2010 angeregten DNA-Analyse von Asservaten in seiner Vermutung bestätigt. Stehe doch nun fest, dass es eine zweite Spur gebe, die nicht von Barschel selbst stamme, und dass dieser damals in seinem Hotelzimmer eigentlich nicht allein gewesen sein könne.

In der Tat haben die Spezialisten Rückstände von DNS (engl.: DNA) einer fremden Person auf der Strickjacke, den Socken und der Krawatte sichergestellt, die der CDU-Politiker in der Nacht seines Todes am 11. Oktober 1987 im Genfer Hotel „Beau Rivage“ trug. Auch auf einem Hotel-Handtuch im Zimmer 317, in dem Barschel tot in der Badewanne lag, seien Spuren entdeckt worden, berichtet die „Welt am Sonntag“.

Doch helfen sie bei der Lösung des Falls? Sicher ist bislang nur, dass Barschel 1987 in einen der größten deutschen Politskandale verwickelt war, bei dem SPD-Spitzenkandidat Björn Engholm illegal ausgespäht und denunziert wurde. Als Ministerpräsident gab Barschel damals sein „Ehrenwort“, dass die Vorwürfe haltlos seien. Rund eine Woche später trat er zurück, drei Wochen später war er tot.

Während etliche danach auf einen Selbstmord aus Verzweiflung schlossen, mehrten sich später Stimmen, die von einem Mord ausgingen. Zeugenaussagen ließen vermuten, dass Barschel wegen Waffendeals von Leuten im Umfeld internationaler Geheimdienste zum Schweigen gebracht wurde.

Selbst die Staatsanwaltschaft Lübeck wollte die Mordtheorie nicht ausschließen, stellte 1989 dennoch die Ermittlungen ein. Auch jetzt sieht sie keinen Grund für weitere Ermittlungen. Die Spuren seien so schwach, dass sie nicht für ein recherchefähiges DNA-Profil genutzt oder mit der Datenbank des Bundeskriminalamts (BKA) abgeglichen werden könnten.

Der frühere Chef-Ermittler im Fall Barschel, Heinrich Wille, sagt: Selbst wenn die Spuren aussagekräftig wären, brächte das kaum etwas. Denn auch dann wäre nichts in den Datenbanken zu finden. „Wenn ich recht habe, dann war es ein professioneller Mord“, sagt Wille. Und Geheimagenten aus Iran, Israel oder Südafrika seien nun mal nicht registriert. (dpa)