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Fünf Ideen, um die A 4 zu entlasten

Die Autobahn in Ostsachsen ist zumeist rappelvoll, ihr Ausbau aber ungewiss. Die SZ erklärt, was stattdessen helfen soll.

© Uwe Soeder

Von Sebastian Kositz

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Bautzen. Eher schlecht als recht rollt tagtäglich der Verkehr auf der A 4 in der Oberlausitz. Autofahrer, Verkehrsexperten und Politiker sind sich einig, fordern den Ausbau. Ob und wann der kommt, ist allerdings ungewiss. Handlungsbedarf besteht unterdessen längst. Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn (Grüne) haben in Bautzen Experten und Politiker jetzt über Lösungen für eine raschere Entlastung der Autobahn diskutiert – die teils bereits sehr konkret sind. Die Sächsische Zeitung stellt fünf Maßnahmen vor.

Tempolimits
Tempolimits © dpa
Die Bahn nutzen.
Die Bahn nutzen. © Uwe Soeder
© Thorsten Eckert
© Robert Michael

Idee 1: Schon im Herbst hatte der Freistaat reagiert, das Überholverbot für Lastwagen auf der A 4 ausgeweitet. Bis dahin galt lediglich auf dem Abschnitt zwischen dem Dreieck Dresden-Nord und der Anschlussstelle Hermsdorf ein Überholverbot – in beide Richtungen. Im Oktober war das Verbot zumindest in Fahrtrichtung Dresden bis Pulsnitz ausgeweitet worden. Nun wird geprüft, das Überholverbot noch weiter auszudehnen, wie Stefan Brangs (SPD), Staatssekretär im sächsischen Verkehrsministerium erklärt. Denkbar ist, dass sich Laster bereits ab Ohorn nicht mehr überholen dürfen. Eine Ausdehnung der Regel sei bereits in den kommenden Wochen möglich.

Idee 2: Unter dem Stau leiden vor allem Pendler, die über die A4 aus Ostsachsen nach Dresden oder umgekehrt zur Arbeit fahren. Für viele könnte die Bahn eine Alternative sein. Tatsächlich nehmen die Fahrgastzahlen stetig zu. Die Strecke von Dresden nach Görlitz gehört laut Christoph Mehnert vom Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) bei der Nachfrage zu den Top 5 in Sachsen. „Ich habe jedoch Zweifel, ob die Schiene alles aufnehmen kann“, erklärt Christoph Mehnert. In Stoßzeiten werden bis zu drei Triebwagen aneinandergekoppelt – mehr geht nicht. Deshalb soll der Takt enger werden. Ab 2020 könnten zwischen Dresden und Görlitz statt alle zwei Stunden im Stundentakt Expresszüge rollen. Offen ist, wie das finanziert wird. Zvon und Freistaat sind bereits in Gesprächen.

Idee 3: Neben dem Überholverbot für Brummis hat der Freistaat noch eine andere Idee: Tempolimits. In wenigen Tagen startet auf der A 4 bei Dresden ein Modellversuch, zwischen den Dreiecken Nord und West gilt ab März nur noch Tempo 100. Der Verkehr soll gleichmäßiger fließen, die Sicherheit erhöht werden. „In anderen Ländern hat das zu einer spürbaren Verminderung der Unfälle geführt“, so Stefan Brangs.

Idee 4: Bei jedem fünften Fahrzeug auf der A4 handelt es sich um einen Lkw, Tendenz steigend. Die Oberlausitz ist Korridor auf der Transitroute zwischen den Nordseehäfen und Südpolen. Eine Alternative ist die Schiene. Bereits seit 2010 lässt die Bahn die Bahnstrecke zwischen Horka und Hoyerswerda ausbauen. Zwei Gleise, Elektrifizierung, bis Ende 2018 soll alles fertig sein. Es ist der Lückenschluss für eine neue Magistrale zwischen Nordsee und Südosteuropa, auf der künftig bis zu 180 Züge täglich hin- und herrollen können, wie Ulrich Mölke von DB Netz erklärt. Eine gigantische Kapazität, die viele Lkw überflüssig machen kann. Das Problem ist angesichts der hohen Transportkosten aber die Nachfrage. Der Bund plant jedoch eine Senkung der Trassenpreise – quasi die Maut für Güterzüge – um die Schiene attraktiver zu machen. Der Freistaat lotet aktuell zudem die Chancen für eine „Rollende Landstraße“ aus, bei der Laster auf Züge verladen werden. Diese sei aber nur sinnvoll, wenn sie über lange Strecken, 600 Kilometer und mehr, führt.

Idee 5: Sachsen will die A 4 zwischen Dresden-Nord und Pulsnitz auf sechs Spuren verbreitern lassen, stellt derzeit beim Bund den nötigen Antrag. Doch selbst wenn Berlin zustimmt, würde es Jahre dauern, bis der Ausbau umgesetzt wird. Nimmt der Bund das Vorhaben aber mit in seinen Plan auf, könnte die Autobahn für die Zwischenzeit so hergerichtet werden, dass die Standstreifen bei hohem Verkehrsaufkommen zeitlich freigegeben werden können. Ganz so einfach wie das klingt, ist es aber nicht. Auf- und Abfahrten müssten umgebaut, Fahrbahnen neu markiert und elektronische Schilderbrücken installiert werden.