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Fünf Irrtümer rund ums Geld

Versicherungen sind komplex und teuer. Versicherungsmakler Michael Schwarze erklärt, was Zittauer alles falsch machen können.

© Dirk Zschiedrich

Von Nancy Riegel

Zittau. Sich mit dem Thema Versicherungen und Finanzen auseinanderzusetzen, ist als Freizeitbeschäftigung in etwa so beliebt wie Unkrautzupfen oder Fensterputzen. Noch dazu kennen sich viele nur unzureichend damit aus. „Kein Wunder – das Thema bringt einem auch niemand bei“, sagt Michael Schwarze. Er ist Geschäftsführer der Roy Versicherungsmakler GmbH in Neustadt, die auch Büros in Zittau, Löbau, Sebnitz und Dresden hat. Kürzlich wurde das Unternehmen vom Magazin Focus unter die Top 24 der Versicherungsmakler in Sachsen gewählt. Auf Grundlage von Befragungen von Maklern und Kunden sowie Online-Bewertungen wurde das Ranking erstellt. Anlass für die SZ, mit Michael Schwarze über verbreitete Irrtümer beim Thema Geld zu sprechen.

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Irrtum 1: Versicherungsvertreter sind gleich Versicherungsmakler

Sowohl Makler als auch Vertreter vermitteln ihren Kunden Versicherungen, beraten beim Thema Altersvorsorge und Geldanlage. Allerdings mit einem großen Unterschied: Versicherungsvertreter handeln im Auftrag einer Gesellschaft, zum Beispiel Allianz, Ergo oder Axa. „Versicherungsmakler hingegen sind unabhängig und handeln im Auftrag der Kunden“, erklärt Michael Schwarze. Das Maklerbüro kann aus einer Vielzahl von Angeboten auswählen, während der Vertreter nur Versicherungen einer Gesellschaft im Angebot hat.

Irrtum 2: Alle Versicherungsanbieter sind gleich

„Viele kennen nur die Gesellschaften, die in der Werbung vorkommen“, sagt der Geschäftsführer. Das sei aber nur ein Bruchteil des tatsächlichen Marktes. Für den Verbraucher sei es wichtig, zu wissen, dass die großen Versicherer meistens Aktiengesellschaften sind. Das heißt, wie jedes andere Unternehmen sind sie auf möglichst großen Profit aus, damit die Aktionäre eine möglichst hohe Dividende ausgeschüttet bekommen. „Es gibt aber auch Versicherungen, die als VVaG organisiert sind, als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit“, erklärt Michael Schwarze. Die Versicherungsnehmer sind Mitglieder des Vereins, das heißt, erarbeitete Gewinne bleiben komplett im Verein und gehen nicht an Aktionäre. Beispiele dafür sind die Debeka oder die Concordia.

Irrtum 3: Zinsen vermehren mein Vermögen

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank macht Sparer derzeit alles andere als glücklich. „Die Menschen sollten sich von dem Gedanken verabschieden, dass Zinsen ihr Geld maximieren“, fasst es Schwarze zusammen. Wer Geld für später zurücklegen will und möchte, dass es über die Jahre mehr wird, brauche heute kein Tagesgeldkonto mehr anzulegen und kein Sparbuch mehr zu eröffnen. Was empfiehlt der Versicherungsmakler stattdessen? „Geld unter anderem in Unternehmen anlegen sowie in Rohstoffe wie Gold.“

Irrtum 4: Die gesetzliche Rente reicht fürs Alter

Die jährliche Renteninformation flattert ins Haus und verspricht eine mehr oder minder befriedigende Summe, die der Staat dem Bürger im Ruhestand auszahlen wird. Klar, niemand hat eine Glaskugel und könne vorhersehen, wie es mit der gesetzlichen Rente weitergehen wird, sagt der Versicherungsmakler. „Jedoch muss man bedenken, dass eine bestimmte, gleichbleibende Summe über die Jahre an Wert verliert, bedingt durch die Inflation.“ Das heißt: Der Kunde sollte sich nicht fragen, wie viel Geld er im Alter braucht. Sondern, wie viel das Geld noch wert ist, das er mal bekommt. Schwarze empfiehlt deshalb jedem eine private Altersvorsorge.

Irrtum 5: Es gibt keine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer wegen einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr arbeiten kann, gilt als berufsunfähig. Laut Krankenkassenzentrale betrifft das jeden Vierten. Dann greift die gleichnamige Versicherung. In diese zahlt man jahrelang viel Geld ein, umso mehr, wenn man vorbelastet ist. Für manch einen unbezahlbar. „Dabei gibt es Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung, die aber kaum jemand kennt“, sagt der Versicherungsmakler. Er nennt als Beispiel die „Dread-Disease-Versicherung“, die Versicherung gegen schwere Krankheiten wie Krebs, Schlaganfall und Herzinfarkt. Allerdings sind hier psychische Erkrankungen nicht mit eingeschlossen.