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Fünf Jahre Haft für Babymörderin

50 Zentimeter groß, knapp drei Kilogramm schwer - ein gesunder Säugling kommt zur Welt. Doch er ist unerwünscht. Seine Mutter lässt ihn nicht leben und muss nun ins Gefängnis.

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© dpa

Görlitz. Weil sie ihr neugeborenes Kind getötet hat, ist eine 29-Jährige in Görlitz zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. „Die Angeklagte hat sich des Totschlags schuldig gemacht“, sagte der Vorsitzende Richter Theo Dahm am Montag. Die Verkäuferin aus dem Landkreis Görlitz habe am 12. Dezember 2012 im Badezimmer des elterlichen Wohnhauses einen Sohn entbunden und ihn unmittelbar danach mit einem Handtuch erdrosselt. „Das lebensfähige Kind erstickte“, sagte Dahm. Die rechtsmedizinische Untersuchung habe ergeben, dass der Säugling 5 bis 30 Minuten gelebt habe. Die unglücklich wirkende Angeklagte verfolgte die Urteilsverkündung mit gesenktem Blick und teilweise unter Tränen.

„Die Tat ist geplant und ganz bewusst begangen worden“, sagte Dahm. „Sie verheimlichte ihre Schwangerschaft, indem sie weite Kleidung trug.“ Niemand im familiären Umfeld habe bemerkt, dass sie ein drittes Kind erwartet. Die Frau hat bereits zwei Töchter im Alter von 4 und 10 Jahren. Sie leben beim Vater des ältesten Mädchens in Baden-Württemberg, während die Angeklagte seit Frühjahr 2012 mit Eltern, Bruder und Großvater in einem Haus wohnte. Den Vater ihres später getöteten Sohnes hatte die zierliche Frau im Internet kennengelernt. Von ihm wisse sie nur den Vornamen, gab sie im Prozess an.

Die hoch verschuldete Angeklagte habe weder über einen Schwangerschaftsabbruch nachgedacht noch Vorsorge für die Geburt getroffen, sagte der Richter. Auf der Toilette habe sie das Kind schließlich zur Welt gebracht. Es sei kopfüber ins Becken gefallen. Die Frau habe es aus der Toilette geholt und die Nabelschnur mit einer Schere durchtrennt. Von ihrem Tötungsvorsatz sei sie offenbar kurzzeitig abgerückt, indem sie den Säugling gesäubert habe. Später habe sie ein Handtuch verdrillt, das sie dem Jungen um den Hals gelegt und fest zugezogen habe.

Mit ihrem Urteilsspruch ging die Schwurgerichtskammer sogar über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von vier Jahren und neun Monaten hinaus. Die Verteidigung hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren beantragt, die nach ihrer Ansicht zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Aufgrund der besonderen Belastungen der Geburt werteten die Richter die Tat zwar als minderschweren Fall des Totschlags. Sie berücksichtigten auch, dass bei der Angeklagten in diesem Jahr eine unheilbare Erbkrankheit diagnostiziert worden sei, an der bereits ihre Mutter leide. Allerdings sei „allzu große Milde fehl am Platz“, sagte Dahm. (dpa)