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Fünfmal ins Haus gekracht

Familie Richter fühlt sich an der Dresdner Straße nicht mehr sicher. Sie fragt sich, warum es nur auf der Gegenfahrbahn ein Tempolimit gibt.

© André Braun

Von Sylvia Jentzsch

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Döbeln. Erst am Wochenende ist es wieder passiert. Am späten Sonnabendabend gab es einen lauten Knall. Das Haus wurde erschüttert. Ein Opel war in das Gebäude Dresdner Straße 6 gefahren. Diesmal hat es das Gerüst erwischt, obwohl die Baufirma schon vor der Kurve ein entsprechendes Warnschild aufgestellt hatte. Das Gerüst wurde beschädigt und musste von der Firma teilweise neu aufgebaut werden.

Schon mehrfach sind Fahrzeuge, die aus Döbeln-Ost kamen, in das Haus gefahren und haben Schäden verursacht.
Schon mehrfach sind Fahrzeuge, die aus Döbeln-Ost kamen, in das Haus gefahren und haben Schäden verursacht. © privat

Das Haus gehört Familie Richter und die hat in den letzten zehn Jahren schon fünf Mal erleben müssen, wie ein Auto ins Haus krachte. Wie viele es geschafft haben, noch kurz davor zum Stehen zu kommen, das wissen Richters nicht. „Wir bauen gerade das Dachgeschoss aus. Eigentlich wollten wir auch die Fassade sanieren. Doch das trauen wir uns gar nicht. Schließlich müssen wir immer damit rechnen, dass wieder ein Auto in unser Haus fährt“, sagte Sabine Richter-Schmidt.

Sie und ihr Mann nehmen an, dass die Fahrzeuge zu schnell aus Richtung Döbeln-Ost kommen, die Kurve nach dem Dresdner Platz nicht bekommen und auf die gegenüberliegende Straßenseite gedrückt werden. Lenken die Fahrer dann zu stark gegen, werden sie förmlich in das Haus Nummer 6 geschleudert. „Die Unfälle passieren meist am Abend oder in der Nacht, wenn Leute meinen, sie brauchen nicht auf die Geschwindigkeit zu achten“, sagen Richters. „Manchmal spielt auch die Fahrbahnbeschaffenheit eine Rolle, wenn es zum Beispiel geschneit hat oder glatt ist“, so Sabine Richter-Schmidt. Sie spricht von Glück, dass bei den Unfällen noch kein Fußgänger zu Schaden gekommen ist.

Die junge Frau räumt ein, dass es schon schwierig sei, mit den erlaubten 50 Kilometern/Stunde um die Kurve zu fahren. Diese werde von den Kraftfahrern oft unterschätzt. Die fünf Unfälle verzeichnete die junge Familie in den letzten zehn Jahren, seit die Dresdner Straße, die eine Bundesstraße ist, saniert wurde. Seitdem hat Sabine Richter-Schmidt keine Ruhe mehr. „Vor allem dann nicht, wenn mein Mann nicht da ist und ich mit der eineinhalbjährigen Tochter allein bin.“ Manchmal könne sie vor Aufregung nicht schlafen.

„Und wenn es dann passiert, denkt man, die stehen schon in der unteren Etage“, so Sabine Richter-Schmidt. Den letzten Knall hätten sogar die Besitzer der 110 Meter entfernten Gaststätte Black Horse gehört.

Familie Richter setzt sich dafür ein, dass vor der Kurve die Geschwindigkeit auf 30  Kilometer in der Stunde festgesetzt wird. Auf der Gegenfahrbahn stadtauswärts gibt es ein solches Tempolimit. Die Richters hoffen, dass dadurch die Kraftfahrer den Fuß vom Gas nehmen und nicht mehr mit zu viel Schwung um die Kurve rasen. Deshalb waren sie schon bei der Stadtverwaltung. „Eigentlich müsste das Schild schon in Höhe des Motorradgeschäftes stehen. Damit genügend Zeit bleibt, die Geschwindigkeit zu drosseln“, sagte Kay Richter.

„Der Leiter des Ordnungsamtes Jürgen Müller hat bisher nur von einem Unfall, und zwar dem vom vergangenen Sonnabend erfahren“, sagte Stadtsprecher Thomas Mettcher. Veranlasst durch die Nachfrage des DA wegen der Unfallhäufung will sich der Ordnungsamtschef mit Behörden in Verbindung setzen, die ihm dazu weitere Hinweise geben können. Wenn sich aus den Gesprächen und Informationen eine Notwendigkeit für die Geschwindigkeitsbegrenzung ergebe, könne die Ordnungsbehörde der Großen Kreisstadt veranlassen, dass es eine entsprechende Beschilderung gibt, so Mettcher. Dass eine solche möglich ist, wird auf der gegenüberliegenden Seite sichtbar. Auch hier wurde die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt, weil Fahrzeuge ebenfalls ein Haus öfter touchierten.

„Auch wenn die Versicherung den Schaden bezahlt, die Rennerei und den Ärger haben wir“, so Kay Richter. Beim letzten Unfall wurde eine Fensterbank zerstört. Wird eine neue eingebaut, wird es wahrscheinlich farbliche Unterschiede zu den anderen drei Fensterbänken geben. Und die Fassade muss nach dem Tausch wieder gestrichen werden. Da muss auch mit Farbunterschieden gerechnet werden – sehr zum Ärger der Familie.