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Für den Erben eingebrochen

Ein Sohn und seine Mutter sind des besonders schweren Diebstahls angeklagt. Das Motiv ist ungewöhnlich.

© dpa

Von Helene Krause

Mittweida. Als die 42-jährige Angeklagte aus Mittweida ihren Nachbarn am 6. Oktober 2017 tot in seiner Wohnung fand, kam ihrem zur Tatzeit 22-jährigen Sohn eine Idee. Er brach in die Gartenlaube des Verstorbenen ein und holte verschiedene Gegenstände heraus. Die Tat brachte Mutter und Sohn vors Amtsgericht Döbeln. Vorgeworfen wurde ihnen besonders schwerer Diebstahl.

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Um in die Laube zu gelangen, soll der Sohn das Fenster aufgezogen haben. Dann stiegen er und seine Mutter ein. Unter anderem stahlen sie ein Mountainbike, ein Pocketbike, drei Motorsensen, einen Kompressor, Devotionalien aus dem Dritten Reich, Messer und weitere Gegenstände. Diese brachten sie in die Gartenlaube der Mutter der Angeklagten. Weil Angehörige des Verstorbenen von dem Diebstahl erfuhren, erstatteten sie Anzeige.

Der Tote war ein Nachbar der Beschuldigten. Mit ihm waren sie befreundet. Die Angeklagte besaß einen Schlüssel für seine Wohnung. Als sie den Nachbar einige Tage nicht mehr sah und sie erfuhr, dass er auch in seiner Werkstatt nicht gesehen wurde, ging sie in seine Wohnung. Sie fand ihn im Wohnzimmer. „Er lag tot auf dem Sofa“, sagt die Angeklagte. Etwa zwei Tagen zuvor soll er gestorben sein.

Zwischen dem Verstorbenen und seiner Familie gab es ständig Streit. Das wussten die Angeklagten. Noch ehe der Tote aus der Wohnung abgeholt wurde, kamen dessen Tochter und deren Mutter und durchsuchten alle Schränke nach Geld. Auch in der Gartenlaube sollen sie gewesen sein und nach der Krankenkassenkarte des Toten gesucht haben. So schildern es die Beschuldigten vor Gericht. Tage nach dem Auffinden des Verstorbenen sei auch Geld von dessen Konto abgehoben worden.

Weil die Beschuldigten vom ständigen Streit in der Familie des Toten wussten, holten sie die Gegenstände aus der Laube. Angeblich habe der Verstorbene ihnen gesagt, dass sie sich, wenn er nicht mehr ist, um seine Sachen kümmern sollen. So schrieb es ein Sohn des Toten, der der Alleinerbe ist, der Polizei. Sie sollten die Dinge sichern, damit die anderen Verwandten sie nicht bekommen. Vier Wochen nach dem Tod des Nachbarn gaben die Angeklagten alle Gegenstände dem Erben.

Richter Lutz Kermes stellt das Verfahren gegen Auflage ein. Der Angeklagte wird verwarnt. Die Beschuldigte muss 50 Euro an den Verein Oase zahlen. Sollte sie das nicht tun, wird das Verfahren wieder aufgenommen. Dann wird sie verurteilt. „Sie kamen auf die spontane Idee, die Dinge erst einmal zu sichern“, sagt Richter Kermes. „Sie haben die Gegenstände zurückgegeben. Dem Erben ist kein Schaden entstanden.“ Er belehrt den Beschuldigten, sich in Zukunft nicht einzumischen.