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„Für den Leistungssport haben wir null Euro“

Der Landkreis feiert seine Olympioniken. Doch die Fördermittel sind stetig knapp. Der Sportbund schlägt Alarm.

© Daniel Förster

Von Stephan Klingbeil

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Sächsische Schweiz- Osterzgebirge. Nach den Spielen ist vor den Spielen. Mit dem Ende eines Olympiazyklus stehen auch die Sportarten und ihre Leistungszentren auf dem Prüfstand, schließlich geht es um Steuergeld. Doch ohne die unterschiedlichen Arten der Sportförderung gibt es keine Olympiasieger. Das trifft auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zu. Im Gegenzug müssen Leistungen erbracht werden, sonst gibt es weniger Geld von Bund und Land.

Dietmar Wagner ist Geschäftsführer des Kreissportbundes. Mehr als 40000 Menschen sind hier organisiert - keine Organisation im Landkreis ist größer. © Daniel Förster

Mit den drei Olympiamedaillen aus Pyoengchang für die Teams Friedrich und Walther hat die Region zumindest in Sachen Bobsport zurzeit gute Argumente. Doch was, wenn künftige Erfolge ausbleiben? Dann fallen Stützpunkte weg, Talente bleiben unentdeckt oder gehen gleich woanders hin. Das kann also zum Teufelskreis werden. Inwiefern der Kreissportbund (KSB) bei der Sportförderung beteiligt ist und wie es um die Zukunft des Leistungssports in der Region steht, erklärt Geschäftsführer Dietmar Wagner (61) im Gespräch mit der SZ.

Herr Wagner, immer wieder haben Vereine aus dem hiesigen Landkreis Spitzensportler hervorgebracht. Ohne Sportförderprogramme wäre das kaum möglich. Welchen Beitrag leistet der Kreissportbund bei der Förderung des Leistungssport hier im Landkreis?

Der Kreissportbund erhält vom Landkreis Gesamtzuwendungen von circa 200 000 Euro pro Jahr. Davon fließt knapp die Hälfte in die Finanzierung von Veranstaltungen wie den Kinder- und Jugendsportspielen, Vorschulkindersportfesten, Behindertensportfesten. Aber es werden natürlich auch Personal- und Sachkosten der Geschäftsstelle des KSB darüber mitfinanziert. Etwa 90 000 Euro sind reine Sportförderung, die den Vereinen direkt zugutekommen. Davon wird auch der Nachwuchsleistungssport gefördert. Für die über 19 verschiedenen Talentstützpunkte bei uns im Landkreis stehen dabei über den KSB aber nur 15 000 Euro parat. Die Stützpunktvereine erhalten über den KSB jeweils nur 500 bis 2 000 Euro pro Jahr für die Förderung des Nachwuchsleistungssports. Das ist aus meiner Sicht zu wenig.

Und wo wird die Restsumme investiert?

Co-finanziert werden über diesen Topf auch noch die beiden Regionaltrainer im Rudern in Pirna und im Rennrodeln in Altenberg. Weitere Teilsummen stemmen Landessportbund und die Fachverbände, so läuft das auch bei der direkten Nachwuchsförderung an die Vereine. Für den Leistungssport an sich (bei den Erwachsenen; Anm. d. Red.) haben wir haben null Euro zur Verfügung.

Das heißt, die Bobteams von Francesco Friedrich und Nico Walther bekommen kein Fördergeld vom KSB?

Genau. Alles, was wir hier machen im Leistungssport, also insbesondere im Bobsport, sind lediglich Initiativen des KSB im Rahmen der Allianzen Walther und Friedrich. Kontakte werden darüber geknüpft, aber die Gelder für die Sportler werden ausschließlich über Sponsoren erbracht. Das Geld, das wir im Leistungssport einsetzen, kommt letztendlich aus der Wirtschaft.

Der Landkreis tritt in den Allianzen doch auch selbst als Förderer auf.

Ja, aber nicht als Sponsor. Diese Förderung bezieht sich im Wesentlichen auf die Bereitstellung und die Finanzierung der Bobbahn in Altenberg. Der Landkreis kann für die Sportler an sich kein Geld geben. Das gibt zum jetzigen Zeitpunkt der Landkreis-Etat nicht her.

Warum gibt es nicht mehr Geld?

Sport ist leider eine freiwillige Aufgabe, muss also nicht finanziert werden. Vieles wird über das Engagement in den Vereinen selbst, vor allem aber über das Ehrenamt gestemmt. Das kostet Zeit, viel Freizeit und nicht wenige hält der Aufwand – vor allem der steigende bürokratische – auch davon ab, sich als Trainer oder Betreuer einzubringen. Wenn man bedenkt, dass der Vereinssport vor allem hier im Landkreis eine immer größere Bedeutung einnimmt, kann man sich die Auffassung, dass der Sport nur eine freiwillige Aufgabe ist, eigentlich nicht erklären.

Bitte genauer!

Unsere Mitgliederzahlen wachsen stetig. Der KSB Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist vom Organisationsgrad die Nummer drei in Sachsen. Seit der Kreisfusion vor zehn Jahren sind viele neue Vereine und fast 6 500 Mitglieder hinzugekommen. Jetzt sind es schon über 42 000. Und das alles trotz demografischen Wandels! Auch viele Kinder kommen entgegen früheren Prognosen in die Vereine. Der KSB ist die größte Bürgervereinigung im Landkreis. Der Sport hat darüber hinaus aber auch noch viele andere wichtige Funktionen.

Welche?

Neben Bewegungs- und Gesundheitsförderung bei Jung und Alt auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Viele positive Charaktereigenschaften werden entwickelt: Ausdauer, Teamgeist, mit Niederlagen umgehen können. Und deshalb ist die Sportförderung zu gering. Wir finden das ungerecht. Da müsste auch das Land mehr tun. Das Geld ist doch da. Das hört man doch immer wieder.

Was tut der KSB, um mehr Zuwendungen für seine Vereine zu bekommen?

Wir mahnen die Situation schon seit Langem an. Uns wird aber immer wieder gesagt: Seid froh, dass ihr das jetzige Geld überhaupt bekommt. Wir stehen jedoch im Gespräch mit Kreisräten und Fraktionen. Im Haushalt 2019 muss eine Veränderung her. Die Förderung des KSB mit seinen Veranstaltungen, dem Nachwuchsleistungssport und vor allem der investiven Förderung der Vereine sollte erhöht werden. Man muss mal bedenken, dass die letzten investive Förderung über den Landkreis im Jahr 2003 stattfand. Da flossen 50 000 Euro für Baumaßnahmen im Waldstadion in Sebnitz.

Wie sehen Sie die Zukunft des Leistungssports hier in der Region?

Fakt ist, dass wir hier ohne die erfolgreichen Oberbärenburger Bobteams nur Mittelmaß wären, was das betrifft. Die Bobpiloten und ihre Mannschaften, dazu zähle ich auch die dreifache Weltcupsiegerin Stephanie Schneider, sind dahingehend die absoluten Aushängeschilder. Aber wir haben auch erfolgreiche Skeletonsportler und Rennrodler sowie Nachwuchsbiathleten, die immer stärker werden. Und der Pirnaer Ruderverein bringt stetig Kaderathleten hervor. Wir sind gut aufgestellt. Noch. Aber wie gesagt, das ist alles kein Selbstläufer. Ohne den Einsatz vieler Leute vor Ort und ohne finanzielle Unterstützung ist auch hier in der Region kein Leistungssport möglich – und keine erfolgreiche Talentförderung. Das gilt natürlich alles ebenfalls für den Breitensport und für seine wichtigen gesellschaftlichen wie gesundheitsfördernden Aufgaben.