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Für den Naturschutz und die Windernergie

Umweltplaner Peter Horntrich im Interview

Windpark Wölkisch bei Lommatzsch
Windpark Wölkisch bei Lommatzsch © Peter Horntrich

Wann beginnt für Sie als Umweltplaner die Arbeit? Können Sie bestimmen, wo eine Windkraftanlage gebaut wird?

Ganz so ist es nicht. Es gibt Vorrang- und Eignungsgebiete, die durch die Regionalplanung festgelegt werden, das ist die Flächenkulisse, in der wir uns bewegen. Dabei werden alle Belange berücksichtigt und die konfliktärmsten Flächen ermittelt. Vor allem der Abstand zu Siedlungen schränkt den Planungsspielraum ein. Letztlich kommt nur ca. 1% der Landesfläche in Frage. Im Umkehrschluss heißt das, 99% der Fläche stehen nicht für die Windenergie zur Verfügung. Darunter sind auch die besonders wertvollen Gebiete für den Naturschutz. 

Wozu werden Sie als Umweltplaner dann noch gebraucht? 

Naturschutz findet ja nicht nur in ausgewiesenen Schutzgebieten statt. Auch auf den verbleibenden Flächen wird die Verträglichkeit mit allen Naturschutzbelangen geprüft, so sind z.B. Brut- und Zugvogelkartierungen sowie Detektorerfassungen für Fledermäuse erforderlich. Und es werden die Auswirkungen auf Boden, Wasser und Lebensräume untersucht. Zudem befassen wir uns mit den Themen Denkmalschutz und Landschaftsbild. Wenn wir unseren Job gut machen, kann eine Windenergieanlage umweltverträglich realisiert werden. 

Was passiert, wenn seltene Tiere gefunden werden? 

Seltenheit ist erst einmal weniger relevant. Wichtig ist, ob es sich um eine sogenannte windkraftsensible Art handelt. Das können auch relativ häufige Arten wie Rot- oder Schwarzmilan sein. Dann wird genauer geschaut, z.B. noch einmal die Flugbewegung erfasst. Dafür kann durchaus ein weiteres ? ? ? Jahr ins Land gehen. Am Ende steht oft ein umfangreiches Maßnahmenpaket, um die jeweilige Art zu schützen. 

Kann eine Konsequenz sein, das Windrad doch nicht zu errichten?

Auch das kommt vor, aber das wäre die ultima ratio. Unser Ziel ist ja eine klimafreundliche Alternative zur Kohle. Da ist es sinnvoll und notwendig, die Vorranggebiete effektiv zu nutzen. Und dafür stehen uns zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Sie haben vielleicht auch schon beobachtet, wie Rotmilane hinter einem Mähfahrzeug herfliegen und nach Futter suchen. An solchen Tagen schalten wir die Anlagen ab. An anderer Stelle schaffen wir gezielt attraktive Nahrungsflächen, um die Vögel vom Windpark wegzulenken. 

Und die Fledermaus? In Dresden wissen wir, dass so ein Tier auch einiges bewirken kann. 

Für die Kleine Hufeisennase besteht an Windrädern zum Glück keine Gefahr, sie fliegt sehr niedrig und entlang von Struk- ? ? turen. Für uns sind andere Arten relevant, z.B. der Große Abendsegler. Wir machen uns zu Nutze, dass Fledermäuse vor allem in windschwachen und relativ warmen Nächten im Sommerhalbjahr jagen. Das Windrad läuft dann erst ab einer höheren Windgeschwindigkeit an. Diese Maßnahme ist sehr effektiv, 70-90% der Kollisionen werden vermieden. Auf der anderen Seite sind die Ertragsverluste gering. Aus meiner Sicht ein sehr gutes Beispiel, wie Arten- und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können. 

Und Windkraftanlagen beeinträchtigen auch das Landschaftsbild! 

Ob man sie als störend empfindet oder sie als Teil einer nachhaltigen Energieerzeugung betrachtet, ist natürlich Ansichtssache. Aber ja, im Rahmen der Eingriffsermittlung werden sie als Beeinträchtigung ? gewertet. Entsprechend sind Kompensationsmaßnahmen oder Ersatzzahlungen zu leisten, nicht nur für die Anlagen selbst, auch für Zuwegung und Serviceflächen. 

Können Sie das näher erläutern? 

Ja. Zuerst versuchen wir, den Eingriff so gering wie möglich zu halten. Je weniger Fläche versiegelt wird, desto besser natürlich. Für die verbleibenden Eingriffe planen wir dann Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Das kann der Rückbau von alten Betonflächen sein oder die Pflanzung von Streuobstwiesen. Meist ist es ein größeres Maßnahmenpaket. 

Und wie finden Sie geeignete Flächen? 

Wenn möglich, arbeiten wir mit lokalen Akteuren zusammen. So sind wir sicher, dass die Maßnahmen sinnvoll sind und Akzeptanz finden. Zum Beispiel haben wir für den Windpark Wölkisch mit dem Verein Lommatzscher Pflege alte Kirschbaumalleen nachgepflanzt, mit der Grünen Liga Hirschstein eine Streuobstwiese angelegt und mit dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz Naturschutzflächen gesichert. 

Beim Ausbau der Windkraft kommt es derzeit nicht so richtig voran. Woran liegt es? 

Seit zwei Jahren wird sehr wenig realisiert, das ist richtig. Es hapert vor allem an der Genehmigung laufender Projekte. Aber der Klimawandel ist reell und ich habe den Eindruck, dass der Handlungsbedarf inzwischen auch von der Politik erkannt wurde. Deshalb bin ich optimistisch, dass es bald wieder vorangeht. 

Zur Person:

Peter Horntrich (49) ist Leiter der Umweltplanung beim Dresdner Windparkentwickler VSB Neue Energien Deutschland GmbH. Zusammen mit seinem Team und externen Gutachtern wie Artenspezialisten und Landschaftsplanern stellt er sicher, dass ein Windpark alle Umweltauflagen erfüllt, damit er gebaut werden kann.ZUR PERSON:Peter  Horntrich, Leiter Umweltplanung VSB Gruppe.

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