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Für den richtigen Ton

Nach sechs Jahren auf See hat Philipp Boegershausen in Görlitz Concerts übernommen – eine Firma für Veranstaltungstechnik, in der er einst lernte.

© Nikolai Schmidt

Von Daniela Pfeiffer

Görlitz. Fürs Schiffsleben muss man geboren sein, sagt Philipp Boegershausen. Genau wie für Technik. Er vereint beides in sich. Der 28-Jährige reiste sechs Jahre lang auf Schiffe der Aida-Kreuzfahrtflotte um die Welt. Aber nicht, um Urlaub zu machen. Er hatte einen Job an Bord: für den richtigen Ton sorgen. Philipp Boegershausen ist Sound Operator gewesen, war verantwortlich dafür, dass überall, wo Ton gebraucht wurde, auch welcher rauskam – ob in der Disko, bei abendlichen Shows oder für Lautsprecherdurchsagen. Zunächst fuhr er als zweiter Tonmann an Bord auf See, nach einer Weile war er der erste. Das bedeutete nach einer Zweimann- nun eine kleine Einzelkabine, aber auch nicht weniger Arbeit. 14 bis 16 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Und Verträge zwischen drei und viereinhalb Monaten.

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Da hat der junge Mann jetzt ein etwas ruhigeres Leben. Denn nach sechs Jahren ist er von Bord gegangen. Und quasi zurückgekehrt zu seinen Wurzeln. Die liegen zumindest tontechnisch bei der Görlitzer Firma Concerts. Das Unternehmen für Veranstaltungstechnik gibt es bereits seit kurz nach der Wende. Firmengründer Christian Günzel hat es nun in jüngere Hände gelegt. Er kennt Philipp Boegershausen, seit der einst bei ihm ein Praktikum machte. „Eigentlich komme ich beruflich aus einer anderen Richtung“, erzählt Philipp Boegershausen. Gelernter Tiefbauer ist er, fand aber keinen Draht zu dieser Tätigkeit und wollte lieber seiner Leidenschaft nachgehen: Musik und Technik. 2005 legte er den Grundstein für seinen jetzigen Job, indem er ein Jahr lang beim Radio des Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK) in Görlitz arbeitete. Dann kam das Praktikum bei Concerts und gleich darauf die Lehre zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, die er in Görlitz und Berlin absolvierte. Technik hat Concerts eine ganze Menge im Lager stehen. Lautsprecher und Boxen in allen Größen, Scheinwerfer und natürlich: Kabel, wo das Auge hinsieht. Veranstaltungen mit bis zu 5 000 Gästen sind die Größenordnungen, in denen sich Concerts bewegen kann.

In Görlitz haben sie viele Jahre das Altstadtfest betreut, ebenso das Braufest. Im Nostromo sind sie bis heute fester Partner, genau wie im Camillo. Die jüngsten Veranstaltungen, bei denen Concerts für guten Ton sorgte, waren etwa der Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters im Januar oder die Demonstrationen der letzten Monate zum Arbeitskampf bei Bombardier und Siemens. Auch die große Kundgebung auf dem Obermarkt am 19. Januar lief mit Concerts-Technik. Hier, wie manchmal auch bei anderen Veranstaltungen, teilte man sich mit anderen Unternehmen wie Sturmevents, die sich an dem Tag um die Videotechnik kümmerten und GSG, die für den Bühnenaufbau zuständig waren. Alle drei Firmen haben ihre Büros übrigens Tür an Tür am Gewerbering im Gewerbegebiet Ebersbach. Mit der Zeit hat es sich eben so ergeben und man ergänze sich gut.

Concerts waren die ersten an diesem Standort. Ursprünglich auf der Reichenbacher Straße, zog Christian Günzel mit dem kleinen Unternehmen vor etwa sieben Jahren ins Gewerbegebiet. Jetzt, schwärmt er, seien die Bedingungen ideal. Große Lagerflächen und auch ein Schulungsraum stehen zur Verfügung. Er selbst ist immer noch da. Mit Übergabe an Philipp Boegershausen öffnete Günzel eine kleine Ein-Mann-Service-Firma. Heißt: Er kümmert sich noch um die Reparaturen der Technik. Dass da alles reibungslos funktioniert, das ist schließlich in so einer Firma das A und O. „Eigentlich ist die technische Entwicklung so schnelllebig, dass man jedes Jahr 10 000 bis 15 000 Euro in Technik investieren müsste“, sagt Philipp Boegershausen. Sobald die wirtschaftliche Lage es zulässt, will er das auch tun. Aber das Geschäft sei nicht immer leicht. Jetzt, im Winter, herrsche sowieso Saure-Gurken-Zeit für die kleine, dreiköpfige Firma. Aber auch im Sommer wird es schwerer. Dumping-Unternehmen, die die Preise drücken, schnappen schon mal gute Aufträge weg. Die wenigsten unter ihnen sind wie Concerts Mitglieder im Verband der professionellen Licht- und Tontechniker und dürfen auch Lehrlinge ausbilden.

Das hat sich Philipp Boegershausen auf seine Fahnen geschrieben: „Ich will als Rückkehrer anderen jungen Leuten vor Ort etwas anbieten. Es bringt uns nichts, wenn die Jugend geht.“ Denn kaum einer kehrt zurück, so wie er. Warum er das Leben auf den Weltmeeren gegen die Görlitzer Beschaulichkeit eingetauscht hat? Weil es eben die Heimat ist. Geboren wurde er in Görlitz, lebte als Kind in Hähnichen bei Niesky, ging in Daubitz, Rietschen und Reichenbach in die Schule und lebt heute in Sohland am Rotstein. „Ich will hier sesshaft werden und eine Familie gründen“, sagt er. Die richtige Frau dazu hat er schon: Isabell Bernhardt, 22, aus Leipzig. Kennengelernt hat er sie – wo auch sonst – auf der Aida. Sie ist Tontechnikerin wie er und fährt noch zur See. Gerade hat sie aber frei bis April und hilft bei Concerts mit.