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Für den Unfalltod von zwei Seniorinnen bleibt es bei einer Geldstrafe

Ein Pkw-Fahrer hatte im Januar 2016 zwei ältere Damen in Leutersdorf erfasst. Aber seine persönliche Schuld ist gering.

© dpa

Die Unfallfolgen waren dramatisch. Am 11. Januar, gegen 7 Uhr, hatte ein damals 73-jähriger Leutersdorfer mit seinem Renault Clio die Straße auf dem Zittauer Platz in Leutersdorf befahren und zwei 79 und 85 Jahre alten Seniorinnen, die gerade die Straße überqueren wollten, nicht gesehen. Er erfasste die Damen mit seinem Pkw. Beide erlagen den Folgen des Unfalls.

Gegen den Fahrer wurde damals ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es kam zu einem Gerichtsverfahren wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen vor dem Zittauer Amtsgericht. Gegen den Mann, der das Geschehen unendlich bedauert und bisher straf- und verkehrsrechtlich nicht vorbelastet war, wurde eine Verwarnung ausgesprochen, vorbehaltlich einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro. Die Staatsanwältin hatte eine höhere Geldstrafe gefordert, für den Verteidiger Torsten Mengel aus Zittau kam nur ein Freispruch infrage. Beide Seiten gingen in Berufung. Am Donnerstag fand im Görlitzer Landgericht nun die Berufungsverhandlung statt.

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„Wir haben das erstinstanzliche Urteil bestätigt“, sagt Richter Uwe Böcker. Die Beweisaufnahme sei komplett wiederholt worden. Es hätten sich aber gegenüber dem ersten Verfahren keine neuen oder abweichenden Erkenntnisse ergeben. Vier Zeugen sowie der Dekra-Sachverständige, der ein verkehrsunfallanalytisches Gutachten erstellt und ein lichttechnisches Gutachten eingeholt hatte, wurden angehört.

Böcker sagte danach: „Die individuelle Schuld des Angeklagten ist gering.“ Der Leutersdorfer sei mit 40 km/h sehr langsam gefahren. Laut Gutachter war der Unfall für den Angeklagten trotzdem nicht vermeidbar. Die Fußgängerinnen waren wegen der Lichtverhältnisse, der mangelnden Ausleuchtung durch Straßenlaternen, der Blendung durch Gegenverkehr und der eigenen dunklen Kleidung erst auf eine Entfernung von elf Metern erkennbar. Bei einem Anhalteweg, den der Gutachter mit knapp 20 Metern berechnete, bestand keine Chance, den Unfall zu vermeiden.

Ganz ohne Schuld ist der Leutersdorfer andererseits nicht. Da vom Angeklagten aufgrund seiner Ortskenntnis und der bekannten Nähe von Schule, Kindergarten und Altersheim auch erwartet werden konnte, noch langsamer zu fahren, war ihm ein strafrechtlich relevantes Verschulden zuzuweisen. Um den Unfall vermeiden zu können, hätte die Geschwindigkeit maximal 26 km/h betragen dürfen. Böcker bestätigte das Zittauer Amtsgerichtsurteil auch in seiner Höhe. Sowohl der Leutersdorfer und sein Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft können noch Revision einlegen. (fth)