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Für jeden Bewohner ein Stern

Der Katharinenhof in Großhennersdorf hat ein neues Haus. Nur Wasserbett und Hängematte fehlen noch.

© Rafael Sampedro

Großhennersdorf. Noch sind die Stühle leer. Aber nicht mehr lange. Nur noch ein paar Restarbeiten stehen an, im neuen Gebäude auf dem Katharinenhof Großhennersdorf. Dann wird auch die Cafeteria voll sein. So war es auch am Wochenende schon, als das neue Katharinenhof-Haus von den Bewohnern, ihren Familien und den Mitarbeitern eingeweiht wurde – das Franz-Langer-Haus.

Seit März haben Bauarbeiter und Handwerker an dem Gebäude gearbeitet. Geplant war es schon länger. „Wir haben sehr lange dafür gespart“, sagt Michael Ahrens, Direktor des Diakoniewerkes Oberlausitz. Der zusätzliche Platz sei dringend nötig gewesen. „Wir haben fast chronischen Platzmangel.“ Von außen sieht das neue Gebäude mit seinem dunkelgrauen Stein und der Glasfront schlicht und modern aus. Tür auf: Hinter dem Eingang liegen auf der rechten Seite vier Räume für die ambulante Tagespflege. Im Katharinenhof leben Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen. Viele sind schwerstbehindert, erklärt Michael Ahrens. Für sie ist es oft nicht möglich, in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten. Deshalb die Tagesbetreuung. „Die hat bisher größtenteils in den Wohnbereichen stattgefunden. Wir wollen aber, dass die Menschen auch herauskommen.“ Neues sehen, Ortswechsel, dafür sind die vier Räume da.

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Der erste ist ein Mehrzweckraum, erklärt Architekt Joachim Rieger. Gemeinsam mit zwei weiteren Architekten hat er das neue Haus entworfen. Im zweiten Zimmer ist eine Küchenzeile eingebaut – der Hauswirtschaftsraum. Der dritte ist der Kreativraum mit viel Platz für Bastelutensilien. Der vierte ist noch nicht ganz fertig. Hier fehlen zum Beispiel noch ein Wasserbett und eine Hängematte, erzählt Rieger. Ein Raum zum Ausruhen. Die Betonwände im ganzen Haus sind unverputzt. „Man kann ruhig sehen, woraus ein Gebäude besteht“, sagt Joachim Rieger. Das hier soll ein Haus zum Benutzen sein, zum Anfassen: kühler Beton, warme, millimetergenaue Holzvertäfelungen, ein weicher, grüner Kautschukboden, viel Licht. Weiter den Flur entlang zu einem großen Zimmer, einem Unterrichtsraum. Oder zwei, je nachdem, ob man die Trennwand schließt oder öffnet. Jedes Jahr werden am Katharinenhof 16 bis 22 Heilerziehungspfleger ausgebildet. „Mit den neuen Unterrichtsräumen wollen wir einen Akzent setzen“, erklärt Ahrens. Die Ausbildung ist ihm wichtig. Über die Jahre ist die Zahl der Bewerber gesunken. Volle Klassen aufzubauen, das sei immer schwieriger geworden. „Wir wollen hier vernünftige Bedingungen schaffen.“

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Zurück zum Eingang: Auf der linken Seite des neuen Hauses liegt die Cafeteria. Zwar hat der Katharinenhof bereits eine, die bietet mittlerweile aber zu wenig Platz. Die neue soll ein Treffpunkt sein für die Bewohner, die Mitarbeiter, die Schüler und auch die Großhennersdorfer. „Wir sind offen. Hier kann jeder herkommen, der möchte“, sagt Michael Ahrens.