merken

Für Kießling ist das Maß voll

Der Leverkusener Torjäger nimmt nach Drohungen seine Facebook-Seite vom Netz.

Frankfurt/Main. Auch nachdem aus dem Phantom-Tor von Stefan Kießling ein realer Treffer durch die Entscheidung des DFB-Sportgerichts geworden ist, schlugen die Wellen hoch. Für den Torjäger von Bayer Leverkusen ist jetzt eine Grenze überschritten: Nach der offiziellen Anerkennung des „Treffers“ durch das DFB-Sportgericht nahm Kießling sogar seine Facebook-Seite vom Netz.

In einem Interview mit dem Kölner Express deutete der Bundesliga-Torschützenkönig von Bayer Leverkusen Bedrohungen durch Fans an. „Es war schon nicht sehr einfach. Ich habe sogar Briefe nach Hause bekommen“ sagte Kießling, der sich vom Ausmaß der Reaktionen sichtlich betroffen zeigte. Auf Nachfrage, ob es sich dabei um Morddrohungen gehandelt habe, antwortete der 29-Jährige ausweichend: „Sagen wir es einmal so: Es war grenzwertig.“

Anzeige
Ihr Geschäft soll bekannter werden? Los gehts!
Ihr Geschäft soll bekannter werden? Los gehts!

Führen Sie Ihr Geschäft mit Werbung auf sächsische.de zu einer Erfolgsgeschichte. Wir helfen Ihnen dabei!

Hoffenheim verzichtet auf Einspruch

Die Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim haben am Dienstag entschieden, auf einen Einspruch zu verzichten. Das DFB-Sportgericht hatte am Montag den Einspruch von Hoffenheim gegen die Wertung der Partie gegen Bayer Leverkusen am 18. Oktober (1:2) abgewiesen. Der Tabellenneunte der Bundesliga hatte Protest eingelegt, weil der von Schiedsrichter Felix Brych (München) anerkannte Treffer eigentlich keiner war. Der Kopfball von Kießling war seitlich durch ein Loch im Netz ins Tor gegangen.

„Es wäre zwar schön gewesen, wenn man für so ein außergewöhnliches Spiel eine außergewöhnliche Lösung gefunden hätte. Wir wollen als Mannschaft aber jetzt nicht lamentieren“, sagte Hoffenheims Kapitän Andreas Beck.

In Bezug auf die Torlinientechnik verweist derweil die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf die Aussagen von Liga-Präsident Reinhard Rauball auf dem DFB-Bundestag. Da hatte der Jurist erklärt, dass die DFL an ihrer Vorgehensweise und dem zeitlichen Rahmen bis 2015 festhalten wolle. „Wir lassen uns nicht treiben“, sagte Rauball. „Wir wollen auch die Ergebnisse in den anderen europäischen Ligen abwarten.“ Davon hänge auch ab, ob die 2. Bundesliga ebenfalls mit einbezogen werde. Rauball: „Dem Eindruck, dass die Torlinientechnik in den nächsten Tagen kommt, muss ich entgegentreten.“

Rummenigge von Urteil entsetzt

Dagegen hat Karl-Heinz Rummenigge mit Unverständnis auf das Urteil zum Phantom-Tor reagiert. „Ich glaube, ganz Fußball-Deutschland ist verärgert, muss verärgert sein“, erklärte Bayern Münchens Vorstandschef. Im aktuellen Fall ist Rummenigge verwundert. „Was ich auch nicht verstanden habe bei dem Urteil, warum hat man 1994, als der FC Bayern dieses Phantom-Tor gegen Nürnberg erzielt hat, das Spiel wiederholt? Damals gab es offensichtlich irgendeine Statuten- oder Gesetzeslücke, die man da gefunden hat, dass man das Spiel korrekterweise wiederholt hat“, sagte Rummenigge. Man habe sich damals auch dafür eingesetzt, damit die damalige Meisterschaft ohne Makel blieb.

„Wenn ein so grober Fehler gemacht wird, der dann dazu führt, dass eine Mannschaft verliert, dann muss man einfach auch mal im Zweifelsfall den Mut haben, nicht unbedingt die Fifa vorher zu fragen, ob man jetzt darf oder nicht darf“, führte Rummenigge aus. „Das ist einfach eine Ungerechtigkeit, ein Widerspruch zum Fair Play, der seinesgleichen sucht.“ (dpa)