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Bautzen

Für Kopfnicker und Mutbürger

Bautzen bekommt ein neues Kulturfestival – mit Promis, Workshops und dem Theaterprojekt „Willkommen anderswo“.

„Willkommen anderswo“ heißt das Projekt, mit dem sich das Bautzener Theater an dem neuen Kulturfestival beteiligt.
„Willkommen anderswo“ heißt das Projekt, mit dem sich das Bautzener Theater an dem neuen Kulturfestival beteiligt. © Wolfgang Wittchen

Bautzen. Diese Premiere lassen sich Bautzens Export-Schlager „Silbermond“, der Karikaturist Schwarwel und Bestseller-Autor Wladimir Kaminer nicht nehmen. Zum ersten Mal lädt die Stadt zum Kulturfestival „Bouncen in Bautzen“ – und vor allem Mitmachen aller Generationen zwischen Kornmarkt und Gesundbrunnen ein. Ab 12. Mai wird das Stadtgebiet zur Bühne für Musik, Tanz und Theater und Jugendkultur – und das Festivalfieber die ganze Stadt anstecken. Übersetzt heißt „bouncen“ hüpfen oder springen. Der Kenner bezeichnet das rhythmische Kopfnicken zu coolen HipHop-Beats so. Für die Initiatoren vom Steinhaus Bautzen steht der Begriff aber für viel mehr: für einen Mix aus musikalischen Performances, jugendkulturellen Workshops und Wettbewerben von Graffiti über Skateboarding bis Breakdance, Diskussionen und Kleinkunst. Das Festival soll Spaß und Motivation wecken, sich für einen verständnisvolleren Umgang mit den vielfältigen Mitgliedern unserer Gesellschaft zu engagieren. Finanziert wird das Festival vom Bund geförderte Projekt „Partnerschaften für Demokratie“.

Viele Angebote in Gesundbrunnen

Besonders viele Festival-Angebote gibt es in Bautzens Neubaugebiet Gesundbrunnen. So wird Wladimir Kaminer am 14. Mai in der Oberschule Gesundbrunnen bei einem Workshop zu den Themen: „Migration“ und „Was ist eigentlich ein Deutscher?“ mit Neuntklässlern ins Gespräch kommen. Am Abend liest der Schriftsteller aus seinem Buch „Die Kreuzfahrer“ im Steinhaus. Zu den Oberschülern in Gesundbrunnen kommen am 17. Mai zudem Lyrikerin Lydia Daher, Schreibworkshop und die Rapperin Jessy James LaFleur. Sie spricht mit den Jugendlichen über verletzende Alltagserfahrungen – und die künstlerische Auseinandersetzung. Beim Stadtteilfest heißt es am Freitagabend auf dem Platz der Völkerfreundschaft „Der Gesundbrunnen bounct“.

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Der in Moskau geborene Schriftsteller Wladimir Kaminer ist am 14. Mai zu Besuch in Gesundbrunnen. 
Der in Moskau geborene Schriftsteller Wladimir Kaminer ist am 14. Mai zu Besuch in Gesundbrunnen.  © Archivfoto: dpa/Arno Burgi

Im Museum Bautzen können junge Talente mit Karikaturist Schwarwel ab Montag täglich zwischen 14 und 18 Uhr ihren Frust über Mobbing, Hate Speech und Fake News auf Papier bringen. Die Ergebnisse finden sich in einer Ausstellung und in einem Comic-Heft wieder. Die Effekte der Graffiti-Workshops sind dagegen gleich zu sehen. Jugendliche können fünf legale Flächen an je einem Tag in der Innenstadt, dem Allende-Viertel und Gesundbrunnen gestalten. Silbermond will nach Veranstalterangaben Schulworkshops zu Songwriting und Textarbeit geben.

Angebote gibt es jedoch nicht nur für die jüngere Generation. Am 15. Mai können sich Mutbürger über Erfahrungen mit antidemokratischen Angriffen austauschen und Handlungsstrategien entwickeln. Bei unterschiedlichsten Formaten, wie dem „Bouncen am Theaterplatz“ mit offener Bühne für alle, die noch nie vor Publikum gesungen oder musiziert haben. Beim Meet & Greet in der Festivallounge im Steinhaus können die Bautzener miteinander ins Gespräch kommen.

Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Stadt

Das Miteinander steht auch im Mittelpunkt des parallel stattfindenden Theaterfestivals „Willkommen anderswo“. Unter dem Motto „Ich.Stadt.Wir“ haben die Initiatoren vom Thespis-Zentrum ein Programm zusammengestellt, das unterschiedliche Wahrnehmungen auf Bautzen zulässt und zur Diskussion stellt. „Wir möchten gern die Stadt in ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit sichtbar machen“, sagte Lara Chahal vom Thespis-Zentrum. Auftakt feiert das Festival am 16. Mai mit der Performance „Tanz zu verschenken“ im Allende-Viertel. Nach dem gemeinsamen Tanz führt ein gemeinsamer Umzug ins Burgtheater. An den darauffolgenden drei Festivaltagen sind die Bautzener zudem zu Workshops, um eine Vorstellung vom Leben heute und morgen in der Stadt zu bekommen, sowie zu unterschiedlichsten Kunstaktionen zum Mitmachen eingeladen. So können die Bautzener eine ganz neue Stadterkundung mit Clownerie und Improvisationstheater erleben. Beim „Rollenden Tisch“ über die Bautzener Reichenstraße geht es um einen Austausch über die Schmerzen der Stadt. Zum Festival-Programm gehören zudem vier Theaterproduktionen von Laien-Darstellern.

Stefanie Kloß und ihre Band Silbermond bieten Workshops in Bautzener Schulen an.
Stefanie Kloß und ihre Band Silbermond bieten Workshops in Bautzener Schulen an. © Archivfoto: dpa/Britta Pedersen

So wird eine Bautzener Variante der „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow zu erleben sein. Der Hamburger Theaterregisseur Georg Genoux inszeniert Begegnungen, in denen ältere Bautzener auf junge Menschen mit Fluchterfahrungen treffen mit dem Titel „Das Land, das ich nicht kenne. B.“ Der Jugendclub des Theaters der jungen Welt aus Leipzig bringt „Teenager Widerstand“ mit. „Die Jugendlichen setzen sich mit dem Thema Jugendprotest auseinander, angefangen bei den Leipziger Meuten in den 1930er-Jahren, die sich der NS-Propaganda entzogen, bis hin zu Greta Thunberg und Friday for future“, sagte Adele Dittrich Frydetzki. Zu Ende geht das Theater-Festival am 19. Mai.

Am Tag vorher verabschiedet sich bereits „Bouncen in Bautzen“ wieder, unter anderem mit einem Tanzbattle in der Jahnturnhalle zwischen Breakdance und Hip-Hop und Workshops für Skateboarding und Graffiti auf dem Kornmarkt. Dort können Technikbegeisterte im Fabmobil – einem mit Digitaltechnik und Werkzeugmaschinen ausgestatteter Doppeldeckerbus - eigene Kreationen programmieren und anschließend frisch aus dem 3D-Drucker mitnehmen. Ab 21 Uhr gibt es im Steinhaus „DIE (Tanz-)Party“ für alle – und natürlich darf dabei auch gebounct werden.

Programm: szlink.de/bautzen-bounct