merken

„Für uns ist das ein Riesenerfolg“

Als Elfter beenden die Elbflorenz-Handballer ihre erste Zweitliga-Saison – und Trainer Christian Pöhler zieht Bilanz.

© Robert Michael

Bester Aufsteiger, beste Ostmannschaft der Liga außerdem, dazu begeisternde Spiele und vor allem: der Klassenerhalt mit Platz elf am Ende. Da ist ziemlich viel Gutes zusammengekommen im ersten Zweitliga-Jahr der Handballer vom HC Elbflorenz, vermutlich mehr als sie selbst erwartet haben.

Denn gerade in dieser Liga sei gleich die erste Saison die schwerste, meint Trainer Christian Pöhler, und nicht etwa das zweite Jahr, wie es so oft heißt.

Anzeige
Premium-Partner baut Engagement aus
Premium-Partner baut Engagement aus

Die SSS Energietechnik und Netzservice GmbH hat um drei Jahre als Premium-Partner der Dresdner Eislöwen verlängert.

Im Interview zieht der 37-Jährige nun Bilanz und verrät, wieso die nächste Saison trotzdem nicht viel einfacher wird.

Herr Pöhler, ist Ihr Saisonfazit so positiv wie es die vielen erreichten Ziele vermuten lassen?

Durchweg positiv, für den Moment jedenfalls. Wir sind auf Anhieb die beste ostdeutsche Mannschaft in der zweiten Liga, also vor gestandenen Teams wie Aue, Eisenach und Dessau. Wenn uns das vor der Saison einer prognostiziert hätte – wir hätten es nicht geglaubt. Und anders als die Genannten haben wir den Klassenerhalt frühzeitig klar gemacht. Das verdeutlicht zusätzlich, was die Mannschaft geleistet hat. Wir haben eine neue Handball-Euphorie in Dresden entfacht und waren definitiv eine der Überraschungsmannschaften, gerade in der Rückrunde. Das sind alles Aspekte, die uns stolz machen.

Trotzdem ist die Bilanz nur „für den Moment“ durchweg positiv?

Wir wissen auch, dass wir noch mehr können, noch mehr wollen. Zum Beispiel hätten wir den Klassenerhalt zwei, drei Wochen eher perfekt machen können. Und wenn zu dem einen oder anderen Heimspiel noch mehr Zuschauer gekommen wären als die fast 1 300 wie beim letzten Spiel in der Ballsportarena, wäre das schön.

Dabei müssten Sie mit dem Zuschauerschnitte doch zufrieden sein. Von ein paar hundert in den Vorjahren auf 1 762 – ist Ihnen das zu wenig?

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Wir sind sehr zufrieden. Das Heimspiel gegen Eisenach, als unsere Halle zum ersten Mal ausverkauft war, vergisst keiner. Das war grandios. Überhaupt die Derbys zu Hause, das waren emotionale Highlights.

Und Ihre persönlichen Höhepunkte?

Das Auswärtsspiel in Nordhorn, ganz klar. Zudem das Spiel in Coburg und zuletzt auch in Rimpar und Emsdetten. Das sind Top-Mannschaften, bei denen man nicht einfach so gewinnt. Bei den Heimspielen ist es eine ganze Reihe. Von den 19 Partien haben wir nur zwei-, dreimal enttäuscht. Für uns ist das eine extrem gute Quote.

Ist der HC Elbflorenz damit endgültig in der zweiten Liga angekommen?

Ich habe mit vielen Trainerkollegen aus der zweiten und ersten Liga gesprochen. Sie sagen, dass gleich das erste Jahr das schwerste ist – durch die immens große Umgewöhnung von dritter auf zweite Liga. Das kann man nicht mit Fußball vergleichen, wo ein Zweitliga-Aufsteiger schon mal den Durchmarsch schaffen kann. Das ist im Handball unmöglich, der Sprung in die zweite Liga ist riesig. Und den haben wir jetzt gemeistert – inklusive aller Herausforderungen: neue Halle, sieben Neuzugänge, wesentliche Abgänge. Deshalb sage ich, dass wir angekommen sind. Ganz eindeutig sogar.

Woran machen Sie das fest?

Wir haben viele große Mannschaften geschlagen, vor allem zu Hause, aber auch auswärts. Und das schaffst du nicht, wenn du nicht dazugehörst. Wir stehen als Tabellenelfter nicht von ungefähr im Mittelfeld der Liga. Für uns ist das ein Riesenerfolg.

Hand aufs Herz: Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Auf jeden Fall. Kühnerweise haben wir vorher natürlich mal durchgerechnet und uns eine Punktzahl gesetzt, die aber variabel gestaltet. Keiner wusste schließlich, wie stark die Liga tatsächlich ist und wie gut wir in die Saison finden. Jetzt wissen wir: Es ist eine extrem starke Liga, ich glaube, sogar die stärkste der vergangenen Jahre. Zuletzt gab es immer wieder Teams, die zehn, zwölf Punkte geholt haben. Diesmal haben selbst 25 Punkte nicht zum Klassen-erhalt gereicht. Auch der Abstand nach oben ist nicht extrem groß.

Was war Ihre größte Erkenntnis?

Nicht alles kompensieren zu können. In der Hinserie hatten wir zum Teil erhebliche Verletzungsprobleme. Manchmal fehlten uns fünf, sechs Spieler – was auch einige Punkte gekostet hat.

Ist das Verletzungspech nur Zufall oder Ergebnis der Belastung?

Da befinden wir uns noch in der Analyse. Doch ich habe schon darauf geachtet, deutlich mehr Entspannungs- und Kompensationseinheiten einzubauen – allein schon wegen der gestiegenen Reisestrapazen sowie der Belastung überhaupt. Deshalb würde ich eher sagen, dass die verletzten Spieler kürzer als gedacht ausgefallen sind, dass sich mögliche Kreuzbandverletzungen nur als Bänderdehnungen entpuppt haben.

Was muss besser werden?

Was uns von vielen Ligakonkurrenten unterscheidet, ist die Wurfqualität der Rückraumspieler. Das ist eindeutig ausbaufähig.

Mit Marc Pechstein aus Aue ist ein torgefährlicher Spieler verpflichtet worden. Wird es weitere Zugänge geben?

Stand jetzt nicht. Wir haben zwar noch Positionen, auf denen wir uns absichern wollen aus der Erfahrung dieser Saison. Vielleicht ziehen wir die Spieler aber auch aus dem eigenen Perspektivteam nach oben.

Und was ist vom HC Elbflorenz in der nächsten Saison zu erwarten, wenn die zweite nicht die schwerste ist?

Ich glaube, erst mal wird die Liga noch besser. Mit Hamburg und Großwallstadt steigen zwei Vereine mit Historie und großem Etat auf, dazu kommen die Erstliga-Absteiger Lübbecke und Hüttenberg sowie die Tatsache, dass es fünf statt wie bislang vier Absteiger geben wird. Denn die Liga wird von 20 auf 18 Teams verkleinert, was absolut okay ist. Unser Ziel ist deshalb klar: der Klassenerhalt, wieder so früh wie möglich. Doch wir freuen uns drauf – weil wir jetzt wissen, dass wir uns vor keiner Mannschaft der Liga verstecken müssen.

Das Gespräch führte Tino Meyer.