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Für zwei Schüsse Heroin

Einem Querschnittsgelähmten wurde sein Spezialrad gestohlen. Sandro V. leistete Beihilfe.

© dpa

Von Andreas Weller

Der 28. März vor zwei Jahren war für Sandro V. mal wieder so ein Abend: kein Geld, keine Drogen und heftige Entzugserscheinungen. Er hatte starke Schmerzen, sagte der 34-jährige Deutsche mit einer abgebrochenen Lehre zum Koch am Mittwoch vor dem Amtsgericht. „Ich war in einer Spielothek, um Heroin zu besorgen.“ Gemeint ist das berüchtigte Hinterzimmer im ehemaligen Döner-Imbiss „Ararat“. Ein gewisser „Jimmy“, den V. als Dealer kannte, habe ihm gesagt, er könne zwei Portionen – auch Schüsse genannt – Heroin für 50 Euro bekommen. Da V. aber kein Geld hatte, solle er bei einem Diebstahl helfen.

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„Jimmy“, ein Ausländer, die Nationalität konnte V. nicht sagen, rief seinen „Auszubildenden“ – einen Deutschen. Der gab V. eine Spraydose und eine dunkle Mütze mit Sehschlitz. In einer Tiefgarage an der Louisenstraße sollte er die Linse einer Überwachungskamera besprühen. Später wurde der Diebstahl eines Spezialrades aus der Tiefgarage vom Opfer angezeigt, das extra für diesen Querschnittsgelähmten gefertigt worden war. Mit Zubehör entstand ein Schaden von 8 911 Euro. V. sagte, er wusste nicht, was gestohlen werden soll. „Behinderte beklauen ist übelst mies.“

Was die Täter offenbar nicht wussten: In der Tiefgarage gab es weitere Kameras. Die zeichneten V. deutlich erkennbar auf und später weitere Personen. Die Ermittler waren schnell bei V. Die möglichen Diebe aus den Videos aber verfolgten sie nicht weiter, obwohl die Namen bekannt waren. „Es gab keine ladungsfähigen Adressen, sie sind ohne festen Wohnsitz“, so eine Polizistin.

V. konnte „nur“ die Beihilfe nachgewiesen werden. Weil er wegen Drogenbesitzes und Beschaffungskriminalität wie mehrere Diebstähle bereits 2017 zu zwei Jahren Haft verurteilt worden war, wurde dieses Verfahren eingestellt. V. hat mittlerweile eine Drogentherapie hinter sich, muss noch eine Zeit in einer betreuten Wohngruppe schaffen. Dann könnte die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.