merken

Fürs nächste Unwetter gerüstet

Die Kommunen im Großenhainer Land kalkulieren Wetterextreme ein. Sie empfehlen Bürgern einige Anschaffungen.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Catharina Karlshaus

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Großenhain. So viele Einsätze waren es noch nie. 700 innerhalb von 24 Stunden. Nein, das hat Kreisbrandmeister Ingo Nestler nach eigenem Bekunden noch nie erlebt. Seit 42 Jahren ist er Mitglied der Feuerwehr. „Aber was Friederike am vergangenen Donnerstag angerichtet hat, gab es aus meiner Sicht in dieser Intensität bisher nicht! Es war die größte flächendeckende Einsatzdichte“, befindet Ingo Nestler.

Immerhin: Mit bis zu 130 Stundenkilometern war der Orkan über den Landkreis Meißen hinweggefegt. Innerhalb kürzester Zeit wurden durch die kraftvollen Böen unzählige Bäume entwurzelt und gebrochen. Dächer taumelten wie Papier davon, vielerorts sind Gebäude beschädigt worden, und über Stunden hinweg fiel in einigen Städten und Ortschaften der Strom aus. Zurück blieben Schäden weit größer als beim Orkantief Kyrill vor elf Jahren – und Gedanken darüber, sich wohl oder übel auf solche Wetterphänomene einstellen zu müssen. Denn genau davon, so Kreisbrandmeister Nestler, müsse ausgegangen werden. Bedeutet für die Kameraden der Feuerwehr praktisch: Angesichts von starken Stürmen könne, so wie in der vergangenen Woche geschehen, stundenlang der Strom ausfallen. Und darauf müsse man – auch in den Städten und Gemeinden – mit einer ausreichenden Anzahl von Notstromaggregaten vorbereitet sein. Abgesehen davon, dass die Feuerwehren ohne diese nur eine begrenzte Zeit arbeitsfähig seien. Auch für die Koordination von Hilfe durch die Verwaltungen seien solche stationären Gerätschaften unverzichtbar. „Hinzu kommt die Tatsache, dass bei starken Stürmen nun mal die Bäume fallen. Unsere Leute müssen wissen, was in dieser Situation genau passiert, wenn solche Flachwurzler zu Boden gehen und wie die Bäume im Nachhinein zu bearbeiten sind“, so Ingo Nestler. Nicht nur, dass ein Schein zum Bedienen der Kettensäge von Nöten wäre. Man müsse gemeinsam mit den Kameraden proben, wie das Stück Holz unter Spannung reagiert und in welche Richtung mit der Seilwinde gezogen werde.

Szenarien, die den Großenhainern nicht zuletzt angesichts des verheerenden Tornados 2010 bekannt sein dürften. Allerdings: „Wir haben bereits seit dem Hochwasser 2002 unser Krisenmanagement an die sich offenkundig änderenden Wetterlagen angepasst“, sagt Diana Schulze.

Wie die Rathaussprecherin erklärt, sei im Hinblick auf die Röder ein Hochwassernachrichtendienst eingerichtet und das Bereitschaftssystem ausgebaut worden. Schulungen beispielsweise zur Verwendung von Sandsäcken, Mitgliedern eines Einsatzstabes oder Übungen für mögliche Großschadensereignisse würden in der Stadt regelmäßig geübt. Letztmalig im September 2016, wo das Szenario von Hochwasser durchgespielt worden sei. „Dass die ortsfeste Befehlsstelle der Feuerwehr in Großenhain ausgebaut wurde, hat sich bei Friederike vergangene Woche gut bewährt. Auch, dass die Frühwarnsysteme von Bund und Land erweitert worden sind“, so Diana Schulze. Man habe rechtzeitig gewusst, wie sich das zunächst als Sturm und später zum Orkan heraufgestufte Tief entwickeln könnte. Demnach seien Verwaltung und Feuerwehr sensibilisiert gewesen. Neben der dreiköpfigen Bereitschaft des Bauhofes hätten bereits zwei Mitarbeiter der Feuerwehr vorsorglich einen Einsatz vorbereitet. Hinzu käme, dass auch der Landkreis gemeinsam mit den Kommunen an Szenarien etwa für einen längeren Stromausfall arbeite und wie man sich darauf vorbereiten könne. „Man kann wirklich nur mit den Erfahrungen eines jeden Ereignisses weiter arbeiten und im Rahmen der Möglichkeiten Vorsorge treffen. Personelle Reserven für eine Vorsorge bestehen allerdings nicht“, bekennt Diana Schulze.

Dass man nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet sein kann, weiß auch Dirk Mocker. Der Thiendorfer Bürgermeister musste zwar nur wenige Gebäudeschäden beklagen. Aber zum Teil verheerenden Windbruch in den Wäldern östlich der Autobahn konstatieren. „Damit das nicht wieder passiert, können wir jetzt natürlich nicht alle Bäume prophylaktisch fällen! Wir können uns aber mit Sensibilität auf das bestehende Frühwarnsystem, mit technischer Ausrüstung unserer Wehren und den notwendigen Fertigkeiten darauf vorbereiten.“ Der Kettensägenschein sei nicht zuletzt aufgrund der eigenen ländlichen Wohnlage bei den meisten Kameraden vorhanden. Jedoch: An vielen Stellen wären die Waldbesitzer gefragt, besonders den Randbereich zur Straße regelmäßig zu kontrollieren.