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Fürs nächste Unwetter gerüstet

Städte und Gemeinden bereiten sich auf Wetterextreme vor – und empfehlen Bürgern einige Anschaffungen.

© Lutz Weidler

Von Catharina Karlshaus und Christoph Scharf

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So viele Einsätze waren es noch nie. 700 innerhalb von 24 Stunden. Nein, das hat Kreisbrandmeister Ingo Nestler nach eigenem Bekunden noch nie erlebt. Seit 42 Jahren ist er Mitglied der Feuerwehr. „Aber was Friederike am vergangenen Donnerstag angerichtet hat, gab es aus meiner Sicht in dieser Intensität bisher nicht! Es war die größte flächendeckende Einsatzdichte“, befindet Ingo Nestler.

Immerhin: Mit bis zu 130 Stundenkilometern war der Orkan über den Landkreis hinweggefegt. Innerhalb kürzester Zeit wurden durch die Böen unzählige Bäume entwurzelt und gebrochen. Dächer taumelten wie Papier davon, vielerorts sind Gebäude beschädigt worden, und über Stunden hinweg fiel in einigen Ortschaften der Strom aus. Zurück blieben Schäden weit größer als beim Orkantief Kyrill vor elf Jahren – und Gedanken darüber, sich auf solche Wetterphänomene einstellen zu müssen. Denn genau davon, so Kreisbrandmeister Nestler, müsse ausgegangen werden.

Angesichts von starken Stürmen könne, so wie in der vergangenen Woche geschehen, stundenlang der Strom ausfallen. Und darauf müsse man – auch in den Städten und Gemeinden – mit einer ausreichenden Anzahl von Notstromaggregaten vorbereitet sein. Abgesehen davon, dass die Feuerwehren ohne diese nur eine begrenzte Zeit arbeitsfähig seien. Auch für die Koordination von Hilfe durch die Verwaltungen seien solche stationären Gerätschaften unverzichtbar.

„Hinzu kommt die Tatsache, dass bei starken Stürmen nun mal die Bäume fallen. Unsere Leute müssen wissen, was in dieser Situation genau passiert, wenn solche Flachwurzler zu Boden gehen und wie die Bäume im Nachhinein zu bearbeiten sind“, so Nestler. Nicht nur, dass ein Schein zum Bedienen der Kettensäge von Nöten wäre. Man müsse gemeinsam mit den Kameraden proben, wie das Stück Holz unter Spannung reagiert und in welche Richtung mit der Seilwinde gezogen werde.

In Riesa ist man für das nächste Unwetter gerüstet – auch wenn man Sturm und Flut schlecht vergleichen könne. „Die Wirkung der Flut können wir dank unserer Pläne ziemlich genau vorhersehen, den Sturm jedoch nicht, der ist unberechenbar“, sagt Rathaus-Sprecher Uwe Päsler. So oder so legen Pläne fest, welche Personen dann einen Verwaltungsstab bilden, welche Maßnahmen notwendig sind und wo man wichtige Ansprechpartner erreicht.

In Riesa laufe der Hauptteil der Einsätze über die Feuerwehr, die 24 Stunden am Tag besetzt ist. „Das ist ein unschätzbarer Vorteil gegenüber anderen Kommunen“, sagt der Pressesprecher. Bei der Feuerwehr gebe es auch ein Notstromaggregat, das mehrere Tage laufen kann. Dort läuft im Falle des Falles alles zusammen – Informationen von der Verwaltung, der Polizei, den Stadtwerken, den Großvermietern und den großen Unternehmen.

Die Kameraden würden regelmäßig geschult – etwa zur Hochwasserabwehr, bei Kettensägelehrgängen oder zur Einrichtung der ortsfesten Befehlsstelle. „Letztere hat sich bei ihrer Premiere zu Friederike hervorragend bewährt“, so Päsler. Von dort übernimmt Riesa die Einsatzkoordination, wenn die Leitstelle Dresden überlastet ist. „Wir koordinieren dabei auch für Strehla, Stauchitz und Hirschstein mit.“

In Gröditz wird bei Vorfällen wie bei Friederike eine eigene Leitstelle in der Feuerwehr besetzt. Dort koordinieren mehrere Leute in einem separaten Raum per Computer Einsätze, die aus Dresden gemeldet werden. „Die Leitung der Leitstelle delegiere ich an den Feuerwehrchef, der dann Kameraden in Dienste einteilt“, sagt Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos). Die Teilnehmer des Stabs seien alle für die Arbeit ausgebildet. „Das läuft wie ein Uhrwerk.“ Die Wetterwarnungen kämen heute sehr akribisch – egal, ob für Hochwasser oder einen Orkan.

Eine Besonderheit in Zeithain ist, dass die Gemeinde einen SMS-Warndienst unterhält, der Bürger und Unternehmen vor einem drohenden Hochwasser der Elbe warnt. Bei einer Verschärfung der Lage wird ein Bürgertelefon eingerichtet, das „mindestens während des Katastrophenalarms rund um die Uhr besetzt ist“. Das lässt sich einer aktuellen Hochwasserinformation auf der Gemeinde-Homepage entnehmen, die zudem zur Eigenvorsorge für den Hochwasserfall aufruft: So sollten sich alle Haushalte eine Notausrüstung beschaffen. „In Notsituationen kann nicht davon ausgegangen werden, dass Gemeinde, Feuerwehr oder andere Hilfsorganisationen dies zur Verfügung stellen können“, heißt es in der Information. Bürger sollten etwa batteriebetriebene Radiogeräte, Kerzen, Campingkocher, einen Notproviant und ein Notstromaggregat bereithalten.