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Fürst mit neuen Visitenkarten

Karel Schwarzenberg zieht wieder in das tschechische Außenministerium ein – ohne seine vielen Titel.

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Von Hans-Jörg Schmidt, SZ-Korrespondent in Prag

Als Außenminister braucht man eigentlich keine Visitenkarten. Wenn doch, dann könnte Karel Schwarzenberg, sollte man meinen, noch die Reste seiner alten Visitenkarten benutzen. Schließlich war er schon in der Regierung Topolanek tschechischer Chefdiplomat. Gestern legte der 72-Jährige bei Staatspräsident Vaclav Klaus den Amtseid ab.

Seine Politik wird der Chef der neuen liberal-konservativen Partei „TOP 09“ nicht ändern. Da stehen die Menschenrechte ganz oben auf der Liste. Kein Wunder: Schwarzenberg gehörte aus seinem Wiener Exil über lange Jahre zu den Helfern der Prager Opposition um Vaclav Havel und der Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“. Von 1985 bis 1990 war er Vorsitzender der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte.

In seinen Funktionen nach 1989 als Kanzleichef bei Präsident Havel sowie als Außenminister hat Schwarzenberg dieses Engagement immer fortgeführt. Er setzte sich vor allem für die eingekerkerten Dissidenten auf Kuba ein, wurde dafür vom Casto-Regime auch schon einmal in einer für Havanna peinlichen Aktion des Landes verwiesen.

Tschechische Kommentatoren zeigten sich gestern überzeugt davon, dass der Fürst die weiche Haltung Spaniens gegenüber der kubanischen Regierung nicht teilt. Schwarzenberg bleibt bei diesem Thema konsequent: Für ihn ist ein Castro wie der andere.

Schwarzenberg ist jedoch vor allem tschechischer Patriot. Obwohl er lange in Wien gelebt hat, nennt er die österreichischen Atomkraft-Gegner „Verwirrte“. Anders beim Thema Sudetendeutsche. Als einziger Prager Spitzenpolitiker bezeichnet er deren Nachkriegsvertreibung nicht verharmlosend als „Abschiebung“.

Für sein Amt braucht er aber womöglich doch neue Visitenkarten. Die tschechische Botschaft in Berlin wies in einem Schreiben auch an den Autor dieser Zeilen darauf hin, dass der Minister keinen Wert auf seinen Adelstitel lege und künftig schlicht „Karel Schwarzenberg“ genannt werden möchte. Wenn schon Fürst, dann bitte vollständigs: Karl Johannes Nepomuk Josef Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena Prinz zu Schwarzenberg. Oder als: Seine Durchlaucht Fürst zu Schwarzenberg, Graf zu Sulz, gefürsteter Landgraf im Kleggau und Herzog zu Krummau. Welche Zeitung, bitte, hat schon so viel Platz? Also, belassen auch wir es künftig bei der Kurzversion mit „Karel“ für den alten und neuen Prager Außenamtschef.