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Füße in die Luft

Großhennersdorfer Schüler haben einen Wettbewerb gewonnen. Als Preis lernen sie Breakdance.

© Sampedro

Von Susanne Sodan

Großhennersdorf. Philip Lehmann zählt im Rhythmus: in die Hocke, auf der rechten Hand nach hinten abstützen, rechtes Bein nach vorne. Jetzt Körperspannung: eine Drehung in der Waagerechten, die linke Hand nachziehen, das linke Bein bleibt in der Luft und vollführt einen Kick. 24 Kinder versuchen Schritt zu halten. Die Drittklässler der Grundschule Großhennersdorf können am Mittwochmorgen ihre Schulhefte zu Hause lassen, nur ihre Sportsachen brauchen sie: für einen Schnupperkurs mit den deutschen Meistern im Breakdance, der Gruppe „The Saxonz“. Es ist ihre Belohnung. Die dritte Klasse hat den ersten Platz bei einem Kreativwettbewerb gewonnen.

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Das war für alle schwierig: Die „Kaffeemühle“, ein Tanzschritt am Boden.
Das war für alle schwierig: Die „Kaffeemühle“, ein Tanzschritt am Boden. © Sodan, Susanne
Die Drittklässler zeigten ihr neues Können in einer kleinen Aufführung.
Die Drittklässler zeigten ihr neues Können in einer kleinen Aufführung. © Sodan, Susanne
Philip Lehman macht es vor: So geht ein Freeze.
Philip Lehman macht es vor: So geht ein Freeze. © Sodan, Susanne

Was bei Profi Philip Lehmann so einfach aussieht, ist ganz schön schwierig. „Die Kaffeemühle ist nicht einfach, der Freeze auch nicht“, sagt die achtjährige Greta. Freeze, Kaffeemühle – Begriffe für verschiedene Tanzschritte im Breakdance. Gretas Lehrerin Andrea Bunk stimmt ihr zu. „Die ersten Grundbewegungen habe ich noch mitgemacht“, erzählt sie. „Aber jetzt habe ich die Segel gestrichen. Man merkt Breakdance sehr schnell in den Bauchmuskeln“, sagt sie und lacht. Andrea Bunk ist nicht nur Klassenleiterin der Dritten, sondern auch Kunstlehrerin. Mit ihren Schülern hat sie an dem Kreativwettbewerb der AOK Plus teilgenommen.

Das Motto lautete in diesem Jahr: Bei uns zu Hause, so leben wir. „Es ging darum, zu zeigen, welche verschiedenen Familienformen es gibt“, erzählt Katrin Göhler von der AOK Plus. Andrea Bunk baute das Thema im vergangenen Schuljahr in den Kunstunterricht ein. Jedes der Kinder malte ein Familienporträt: große Familien, Kleinfamilien, Patchwork-Familien – alle verewigt in Wachsölkreide. Insgesamt nahmen 547 Kinder aus 18 Schulen in Sachsen und Thüringen an dem Wettbewerb teil. Die Familienporträts gefielen der AOK-Jury besonders. „Die Bilder sind sehr lebendig. Bei jedem der Porträts ist rübergekommen, wie sehr die Kinder ihre Familien lieben“, erklärt Katrin Göhler. Egal in welcher Familienkonstellation sie leben. „Wir hatten gehofft, dass wir vielleicht einen der Preise gewinnen können“, erzählt Andrea Bunk. „Aber dass es der Hauptpreis wird, hätte ich nicht gedacht.“

Dieser Hauptpreis hat es in sich. „Wir möchten den Kindern ein paar Grundlagen aus den Hauptbereichen des Breakdance zeigen“, erklärt Michael Lippold. Der Bautzener ist der Manager von „The Saxonz“. Die Truppe aus zehn – wie der Name schon sagt – Sachsen wurde 2014 und 2015 deutscher Meister im Breakdance. Drei von ihnen hat Lippold mit nach Großhennersdorf gebracht: Philipp Lehmann, Alexander Miller und Roberto Mosatoczki. Mit Kindern zu arbeiten ist für sie nichts Neues. Die „Saxonz“ sind alle hauptberuflich Tänzer im Breakdance. Viele von ihnen geben Kurse für den Tänzer-Nachwuchs.

Auch Michael Lippold war früher aktiv im Breakdance und hat zum Beispiel im Steinhaus Bautzen Kurse gegeben. „Ab einem bestimmten Alter muss man aber mindestens dreimal pro Woche trainieren“, erzählt er. „Sonst wird es sehr anstrengend, weil der Körper schneller abbaut.“ Dreimal pro Woche Training, dafür fehlte ihm irgendwann die Zeit. Als Künstlermanager hat er sich deshalb auf die Arbeit hinter den Kulissen verlegt.

Erste Aufgabe für die Drittklässler: die Bewegungen im Stehen, Toprocks genannt. Philip Lehmanns Stimme schallt durch die Sporthalle, immer im Rhythmus bleiben. Die Koordination zwischen den Schritten der Füße und den Bewegungen der Arme dazu – das funktioniert. „Der zweite Hauptbereich sind die Tanzschritte, die am Boden passieren“, erklärt Lippold. Die berüchtigte Kaffeemühle gehört dazu, eine kreisförmige Tanzbewegung. Wieder in die Grundhaltung, die Hocke. Jetzt das rechte Bein nach vorne strecken, abstützen auf der rechten Hand, die linke kommt dazu. In einer fließenden Bewegung sollen die Kinder das gestreckte Bein unter dem Körper durchziehen – und zwar ohne mit dem linken Bein zu kollidieren. Dafür muss man für einen Moment das ganze Körpergewicht auf die Hände verlagern.

Das Schwierigste an diesem Mittwochmorgen: der Freeze. Das sind Figuren im Breakdance, bei denen es aussieht, als wäre der Tänzer für einen Moment mitten in der Bewegung eingefroren. Dafür braucht man Kraft – wenn das Gewicht des Körpers nur auf den beiden Armen und dem Kopf liegt, Füße in die Höhe. Es geht noch schwerer: mit den Powermoves. „Das sind ganz schnell rotierende Bewegungen“, erklärt Lippold. Mehr als drei Stunden waren die Meister zu Gast. Für Powermoves reicht das nicht. „Um das zu lernen, braucht man manchmal ein halbes Jahr.“