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Fummel-Übergriff im Bällebad

Der 19-Jährige will sich nicht an die Tat erinnern. Das nahm dem Angeklagten jedoch niemand ab.

© dpa

Von Alexander Schneider

Die Studenten hatten für ihre Party in dem Haus in der Jordanstraße eigentlich an alles gedacht. Kommen durfte jeder, der zu der Fete eingeladen war. Sogar ein Security-Mann war da und ließ die Gäste ein – wenn sie vorher die richtige Telefonnummer gewählt hatten. Gefeiert wurde in mehreren Wohnungen des Gebäudes. Es waren wirklich viele da. Aber wie es so ist, in einer ausgelassenen Nacht. Nach und nach schwinden die Anforderungen. So erklären sich Mitveranstalter und Gäste das Auftauchen eines 19-jährigen Asylbewerbers auf der Neustadt-Fete. Jedenfalls soll ihn niemand gekannt haben.

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Was in dieser Nacht am letzten Novemberwochenende 2015 geschah, wurde am Dienstag in einem Prozess am Amtsgericht Dresden erneut aufgerollt. Es ging um versuchte sexuelle Nötigung und Körperverletzung. Der 19-Jährige aus Somalia hat sich an dem Morgen über eine Frau hergemacht, die in einem Bällebad, das die Studenten in einem kleinen Zimmer hergerichtet hatten, schlief.

Laut Anklage hat er versucht, der schlafenden Frau die Hose auszuziehen. Die damals 26-Jährige sei davon aufgewacht und habe sich zur Wehr gesetzt. Nun habe der Angeklagte auf die Frau eingeschlagen und weiter an ihrer Kleidung gezerrt. Mit einem seiner Schläge habe er der Frau das Nasenbein gebrochen. Außerdem habe er zu ihr „Do you want to die?“ (Willst du sterben?) gesagt. Dank der Gegenwehr der Frau scheiterte der Angriff, auch seien weitere Gäste der Frau zur Hilfe gekommen.

Ein halbes Jahr in U-Haft

Der Angeklagte saß ab jenem 28. November in Untersuchungshaft. Vor Gericht sagte er, er könne sich an nichts mehr erinnern. Er habe den ganzen Tag sehr viel Alkohol getrunken, wisse noch, wie er abends mit Kumpels in die Groove-Station gegangen sei. Danach setze die Erinnerung aus. Das jedoch nahm ihm kaum jemand ab. Die Alkoholisierung von 1,6 bis 2,2 Promille sowie die Schilderungen der Gäste, die den 19-Jährigen erlebt hatten, sprachen dagegen. Noch vor Ort habe der Angeklagte behauptet, er sei von der Frau geschlagen worden. Polizisten beschrieben ihn als „überheblich“. Er habe die Frau als „die Böse“ hingestellt. Dabei habe er völlig verkannt, dass nicht er, sondern die 26-Jährige zum Opfer dieser Straftat geworden war, sagte die Staatsanwältin. „Sexuelle Nötigung ist ein Verbrechenstatbestand.“

Der Angeklagte lebt seit einem Jahr in Deutschland. Seit 2013 ist er auf der Flucht, seine Mutter ist verschollen, zwei seiner drei Schwestern gestorben. Er trinke viel Alkohol, wenn er an seine Familie denke. Heute, nach einem halben Jahr in Haft, sei ihm klar, dass das ein Fehler war. Er entschuldigte sich bei der 26-Jährigen.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er ist nun wieder auf freiem Fuß und muss an einem Sprach- und Arbeitsprojekt der Jugendgerichtshilfe teilnehmen.