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Fuß-OP im Hochsicherheitstrakt

Isolation und Handyverbot: Um rechtzeitig zur WM wieder auf dem Platz zu stehen, zieht Superstar Neymar alle Register.

© dpa/Thibault Camus

Von Heiner Gerhardts und Florian Krebl

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Wie viel Platz braucht man, um den Fuß eines brasilianischen Fußball-Stars zu behandeln? Wenn es nach Neymar geht: einen kompletten Flügel des Krankenhauses Mater Dei in Belo Horizonte. Für die Rettung des erneuten Weltmeisterschafts-Traums des extrovertierten Edeltechnikers werden alle Register gezogen. Damit Neymar und seine etwa zehnköpfige Entourage rund um die Operation seines Mittelfußbruchs am Sonnabend ihre Ruhe haben, sperrt das Hospital kurzerhand ein großflächiges Areal ab und erlässt ein absolutes Handyverbot.

Während in Deutschland gerade über eine gleiche Behandlung von Privat- und Kassenpatienten diskutiert wird, zeigt Neymar, wie Superstars solche Probleme regeln. Die Angestellten wurden vom Krankenhaus per Whatsapp eindringlich darauf hingewiesen, keine Mobiltelefone zum Dienst mitzubringen, „um Missverständnisse zu vermeiden“. In der internen Mitteilung, die das Internetportal Globoesporte im Wortlaut publik machte, warnte die Klinik, „bei etwaigen Problemen oder im Fall eines Fehlverhaltens mit äußerster Härte“ zu reagieren.

Krankenschwester entlassen

Diese Ansagen haben einen Hintergrund: Bei der WM 2014 hatte eine Krankenschwester Neymars tränenreiche Ankunft im Krankenhaus nach seinem Wirbelanbruch im Spiel gegen Kolumbien gefilmt, die Aufnahme an Dritte zur Veröffentlichung weitergegeben und war deshalb umgehend entlassen worden.

Die Ankunft Neymars im Mater Dei war für Freitagabend angesetzt, und zwar per Hubschrauber auf dem klinikeigenen Landeplatz. Zuvor war er am Donnerstag von Paris nach Rio de Janeiro geflogen. Der chirurgische Eingriff am gebrochenen äußeren Mittelfußknochen des rechten Fußes wird von Nationalmannschaftsarzt Rodrigo Lasmar durchgeführt. Dieser betonte am Donnerstag in einem Statement, dass es sich „nicht um eine einfache Fraktur handelt, es ist ein wichtiger Knochen im Fuß. Ich rechne mit einer Pause von zweieinhalb bis drei Monaten.“

Immerhin soll die Ausfallzeit des 26-Jährigen nicht so lange sein wie bei DFB-Kapitän und Weltmeister-Torwart Manuel Neuer. Jener hatte schon dreimal eine Mittelfußfraktur erlitten, pausiert seit fünf Monaten und befindet sich in der behutsamen Aufbauarbeit. Doch die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Der Haarriss, den sich Neymar im Liga-Spitzenspiel gegen Olympique Marseille am vergangenen Sonntag zugezogen hatte, scheint Neuers Verletzung zu ähneln.

Auf Wunsch des Neymar-Klubs Paris St. Germain begleitet der angesehene französische Arzt Gerard Salliant (72), der unter anderem Brasiliens Fußball-Idol Ronaldo zweimal am Knie operierte und auch Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher nach seinem fatalen Ski-Unfall in den ersten Stunden betreute, den Eingriff.

Im Umfeld der Selecao herrscht trotz der Verletzung große Zuversicht auf eine spektakuläre WM Neymars. „Ich kann garantieren, dass die Zeit ausreicht, damit er im ersten WM-Spiel einsatzfähig ist“, sagte Brasiliens Konditionstrainer Fabio Mahseredjian mit Blick auf den Auftakt gegen die Schweiz am 17. Juni und schloss einen Einsatz für PSG „bei zwei, drei, vier oder fünf Spielen“ im Saisonfinale nicht aus. (sid)