merken
Sport

RB Leipzig scheitert an Paris Saint-Germain

Der Traum von der Champions League endet im Halbfinale. Der französische Fußball-Meister ist zu gut und zu schnell für den ängstlichen, nervösen Bundesligisten.

Das erste Tor: Marquinhos trifft für Paris Saint-Germain und leitet den Anfang vom Ende für RB Leipzig ein.
Das erste Tor: Marquinhos trifft für Paris Saint-Germain und leitet den Anfang vom Ende für RB Leipzig ein. © dpa/David Ramos

Von Arne Richter und Jan Mies

Lissabon. Julian Nagelsmann marschierte sofort nach dem Scheitern von RB Leipzigs Mission Finale zu Thomas Tuchel und gratulierte fair mit einer kurzen Umarmung. Im Taktik-Duell der deutschen Trainer hat der Bundesligist gegen das übermächtige Starensemble von Paris Saint-Germain den großen Coup in der Champions League deutlich verpasst. Gegen die rasante Fußball-Kunst von Weltmeister Kylian Mbappé und Neymar waren die Sachsen beim 0:3 (0:2) im Halbfinale der Champions League am Dienstagabend im Estadio da Luz von Lissabon überfordert. Ohne die Paraden von Torwart Peter Gulacsi hätte RB sogar eine Blamage erlebt.

Anzeige
Kleine Helfer beim Hören
Kleine Helfer beim Hören

Die kaum sichtbaren Im-Ohr-Hörsysteme sind ein angenehmer Begleiter, die den Alltag erleichtern. Jetzt bei "der horchladen" kostenfrei testen.

"Der Gegner war schlicht besser als wir. Das muss man auch akzeptieren", sagte Nagelsmann. "Auf dem Niveau wird man extrem schnell bestraft. Trotzdem gibt es da keine Kritik von mir. Wir waren im Halbfinale. Darauf können wir stolz sein." Sein Team wäre natürlich "gern den nächsten Schritt gegangen. Das ist ganz normal." Sportdirektor Markus Krösche sagte: "Wir haben den einen oder anderen Fehler zu viel gemacht. Aber wir können grundsätzlich zufrieden mit der Mannschaft sein."

Die frühe Vorentscheidung noch vor der Pause: RB-Torhüter Peter Gulacsi kann das zweite Tor für Paris Saint-Germain durch Angel Di Maria nicht verhindern.
Die frühe Vorentscheidung noch vor der Pause: RB-Torhüter Peter Gulacsi kann das zweite Tor für Paris Saint-Germain durch Angel Di Maria nicht verhindern. © dpa/David Ramos

Nach den Toren von Marquinhos in der 13. Minute, Angel Di Maria (42.) und Juan Bernat (56.) greift Tuchel am Sonntag mit dem französischen Meister gegen den FC Bayern München oder Olympique Lyon nach dem auch von den Geldgebern aus Katar schon lange ersehnten Henkelpott. Leipzig muss nach den zunächst verheißungsvollen Tagen in Portugals Hauptstadt ernüchtert die Heimreise antreten.

Ab Oktober kann RB einen neuen Anlauf in der Gruppenphase nehmen. Anstatt des Finales steht aber als nächstes Pflichtspiel erst mal die erste DFB-Pokal-Hauptrunde am zweiten September-Wochenende beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg an.

Der Schlusspunkt: Der ehemalige Bayern-Profi Juan Bernat trifft zum Endstand.
Der Schlusspunkt: Der ehemalige Bayern-Profi Juan Bernat trifft zum Endstand. © dpa/Manu Fernandez

Nagelsmann, der seinen ehemaligen Förderer Tuchel seit 13 Jahren kennt, rief im modischen Anzug mit grauem Sakko wie gewohnt energiegeladen immer wieder neue Hinweise auf den Rasen. Wohl auch aus Respekt vor der Weltklasse-Offensive von PSG verordnete er seinem Team in der Abwehr eine Viererkette, die bereits in den ersten Minuten einige brenzlige Situationen überstehen musste.

Neymar traf nach starkem Pass von Mbappé den Außenpfosten (6.). Sekunden später verhinderte ein Handspiel des Brasilianers, der außerdem einen Freistoß an den Pfosten setzte (35.), die nächste große Chance. Die beiden Starspieler rochierten viel und brachten die RB-Defensive mit hohem Tempo und technischer Finesse immer wieder in Verlegenheit. Marquinhos traf nach einer Standardsituation. Beim Freistoß von Di Maria stimmte die Zuordnung in der Defensive nicht. Tuchel, der aufgrund der dicken Schiene am verletzten Fuß meist auf einer großen Box saß, sprang triumphierend auf.

Leipziger Ärger: RB-Profi Yussuf Poulsen geht nach der Niederlage enttäuscht zu Boden.
Leipziger Ärger: RB-Profi Yussuf Poulsen geht nach der Niederlage enttäuscht zu Boden. © dpa/Manu Fernandez

Der einstige Trainer von Borussia Dortmund hatte Nagelsmann einst in den Niederungen des Amateurfußballs beim FC Augsburg II trainiert und dann als Scout losgeschickt. Beide Taktik-Experten gaben sich im Vorfeld große Mühe, die persönliche Beziehung runterzuspielen. "Das Spiel gewinnen müssen am Ende die Spieler", sagte Nagelsmann. Bis auf einen Schuss von Yussuf Poulsen nach gutem Lauf von Konrad Laimer über die rechte Seite (25.) und einige Versuche beim Stand von 0:3 blieben seine Spieler über weite Strecken ungefährlich.

Dabei deutete sich immer wieder an, dass auch der Pariser Abwehr mit hoher Geschwindigkeit beizukommen wäre. So brachte auch Atalanta Bergamo das Starensemble im Viertelfinale nah an eine Niederlage. Den Leipzigern fehlte aber der Zugriff. Zu häufig halfen nur Fouls, um den Spielaufbau von PSG zu unterbinden. Die Pariser Profis störte das kaum.

Pariser Freude: Der erste PSG-Torschütze Marquinhos (links) feiert mit Superstar Neymar.
Pariser Freude: Der erste PSG-Torschütze Marquinhos (links) feiert mit Superstar Neymar. © dpa/David Ramos

Neymar leitete Di Marias Tor traumhaft mit der Hacke ein. Davor zwang das aggressive PSG-Pressing Leipzigs oft geforderten Torhüter Gulacsi zu einem bitteren Fehlpass. Nagelsmann saß an der Seitenlinie, rieb sich wörtlich die Augen und schaute zerknirscht dem PSG-Jubel zu. Kurz vor der Pause fehlten Neymar nur Zentimeter zu seinem ersten Tor des Finalturniers (44.).

Weiterführende Artikel

7 Fakten vor dem Champions-League-Finale

7 Fakten vor dem Champions-League-Finale

Der FC Bayern trifft am Sonntagabend auf Paris Saint-Germain – und in einem Punkt liegen die Münchner schon vorher klar vorn.

PSG hinterlässt Spuren bei Nagelsmann

PSG hinterlässt Spuren bei Nagelsmann

Für RB Leipzig ist das Königsklassen-Blitzturnier Geschichte. Trainer Julian Nagelsmann muss erstmal seinen Frust verarbeiten. Viel Zeit bleibt ihm aber nicht.

Jetzt will Nagelsmann mit RB ins CL-Finale

Jetzt will Nagelsmann mit RB ins CL-Finale

Mit dem Sieg gegen Atlético Madrid steht RB Leipzig sensationell im Halbfinale der Champions League. Nun geht es für die Sachsen gegen Paris Saint-Germain.

RB besiegt Atletico und steht im Halbfinale

RB besiegt Atletico und steht im Halbfinale

Leipzig schafft mit einem starken Auftritt gegen Madrid die Sensation in der Fußball-Champions-League und beweist: Es geht auch ohne Timo Werner.

Die Leipziger Emil Forsberg und Patrik Schick kamen zur zweiten Halbzeit und sollten den Druck erhöhen, was zumindest zehn Minuten lang auch gelang. Gleich die nächste Nachlässigkeit in der Defensive bestrafte Ex-Bayern-Profi Bernat. Der Spanier traf per Kopf, nachdem Nordi Mukiele an der eigenen Eckfahne ausgerutscht war, den Ball an Di Maria verlor und dieser ungehindert flanken konnte. PSG hatte im Anschluss weitere Gelegenheiten, bei denen sich Gulacsi mehrfach auszeichnen konnte. (dpa)

Mehr zum Thema Sport