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Späte Frühschichten zur WM?

Wenn in Brasilien gespielt wird, müssen viele Sachsen schon ins Bett. Doch Betriebsräte wissen, was zu tun ist.

© dpa

Dresden/Görlitz. In Brasilien mit seinen drei Zeitzonen passiert alles vier bis sechs Stunden später als in Deutschland – etliche Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft werden erst nach 22 Uhr deutscher Zeit angepfiffen. Schon hat die Bundesregierung die Lärmschutzverordnung außer Kraft gesetzt, damit Kommunen gemeinsames Fußballjubeln am späten Abend genehmigen können. Wer allerdings nach seiner Fan-Tätigkeit zu spät zur Arbeit kommt, riskiert Ärger mit dem Chef. Gewerkschaften und Betriebsräte bauen deshalb vor.

Im Görlitzer Siemens-Turbinenwerk hat der Betriebsrat Erfahrung bei der WM in Deutschland vor vier Jahren gesammelt. Damals lief die deutsche Nationalmannschaft schon mal mittags um halb zwei auf. In solchen Fällen durften Angestellte ihre Schichten früher beenden oder später beginnen. Allerdings mussten sie zum Ausgleich Überstunden von ihrem Konto nehmen. Solche Regeln „für wichtige Spiele“ wird es voraussichtlich wieder geben, sagt der Betriebsratsvorsitzende Christian Hainke. Die monatlichen Gespräche mit der Geschäftsführung seien auch dazu da, über Schichtfragen zu sprechen. „Da finden wir eine Lösung“, sagt Hainke.

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Noch ist Zeit zum Verhandeln: Die WM dauert vom 12. Juni bis 13. Juli. Doch Vorstände von Gewerkschaften wie Carsten Burckhardt von der IG Bau forderten schon von den „lieben Arbeitgebern“, mal „ein Auge zuzudrücken“. Prompt wiesen Wirtschaftsverbände darauf hin, dass die Betriebe flexibel seien: Über Gleitzeit, Überstundenabbau oder Schichttausch lasse sich reden. Sachsens Arbeitgeberpräsident Bodo Finger wollte keine Empfehlung abgeben – jeder Chef entscheide für sich.

Dass nicht in jedem Betrieb Verschiebungen möglich sind, ist auch den Arbeitnehmervertretern klar: Claus Weihmann, Betriebsratsvorsitzender im Radebeuler Druckmaschinenwerk von Koenig & Bauer, weist darauf hin, dass dort in drei Schichten gearbeitet wird. Eine Extra-WM-Vereinbarung sei dort „kein Thema“. (SZ/mz/dpa)