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„Fußball ist mittlerweile Kommerz“

Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus sagt, was er über den Pokal und das Projekt RB Leipzig denkt. Am kommenden Wochenende trifft die SGD in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den Bundesligisten, der nicht zuletzt durch sehr viel Geld schnell ganz groß geworden ist.

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© Robert Michael

Herr Neuhaus, was haben Sie gedacht, als Dynamo für die erste Runde im DFB-Pokal RB Leipzig zugelost wurde?

Das ist so lange her, daran kann ich mich nicht mehr erinnern (lacht). Nein, es gibt sicher angenehmere Gegner. Dieses Spiel hat natürlich eine besondere Brisanz, aber wir können es uns nicht aussuchen, sondern stellen uns dieser Aufgabe und wollen das Bestmögliche daraus machen.

Für manchen Fan ist es das wichtigste Spiel des Jahres: Tradition gegen Kommerz. Können Sie das nachvollziehen?

Ja, nachvollziehen kann ich das schon. Ich würde vielleicht genauso denken, wenn ich im K-Block stehen würde. Aber als Trainer hat man eine andere Sichtweise. Ich sage jedoch nicht, dass es für mich unwichtig ist. Im Gegenteil. Ich glaube, dass wir uns mit diesem Spiel, wenn wir weiterkommen, jede Menge Sympathien und noch mehr Anerkennung verdienen können. Das ist unbestritten. Aber vernünftig und langfristig im Sinne des Vereins gedacht, nutzt uns die vierte Runde im DFB-Pokal wenig, wenn wir absteigen.

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Wie wichtig ist Ihnen denn der DFB-Pokal grundsätzlich?

Die Meisterschaft zählt vorrangig, eindeutig. Aber der Pokal ist schon deshalb wichtig, weil man – und das weiß man bei Dynamo nur zu gut – über diesen Weg sehr, sehr viel Geld einspielen kann. Das können wir sehr gut gebrauchen. Außerdem ist es der schnellste Weg, sportlich etwas zu erreichen. Mit wenigen guten, erfolgreichen Spielen ist man ganz dick dabei. Wir werden also versuchen, weiterzukommen.

Ist es für Sie trotzdem eine Gelegenheit, nach zwei Spieltagen in der Zweiten Liga auch mal die zweite Reihe zu testen?

Grundsätzlich muss ich davon überzeugt sein, dass die Mannschaft, die auf dem Platz steht, auch gewinnen kann. Das ist für mich ausschlaggebend. Den Begriff zweite Reihe mag ich nicht so. Viele Spieler sind auf einem ähnlich hohen Niveau. Ob am Samstag der eine oder andere spielt, der in der Meisterschaft bisher nicht zum Einsatz gekommen ist – da sind wir selbst noch in der Findungsphase.

Manche wechseln für den Pokal den Torhüter …

Einzelne Positionen gehe ich nicht durch, mit dem Spiel fange ich gar nicht erst an.

Dann zurück zur Brisanz. Im Interview mit dem Kicker haben Sie gesagt, Sie kriegen bei Schlagworten wie „Rote Bullen“ ein flaues Gefühl. Wie stehen Sie zu dem Projekt RB?

So, wie ich es gesagt habe. Ich finde, es ist ein komisches Konstrukt. Natürlich ist RB nicht der einzige Verein, der von einem Konzern unterstützt wird. Aber diese Kette Rasenballsport – RB – Rote Bullen: Das ist so eindeutig, wie es eindeutiger nicht sein kann, schon sehr durch die kalte Küche konstruiert. Aber, ganz ehrlich, das ist nicht mein Problem.

Gefährdet der Kommerz den Fußball, weil er seine Bodenständigkeit verliert?

So weit will ich nicht gehen. Fußball ist mittlerweile Kommerz, da führt kein Weg drumherum. Jeder Verein braucht Werbepartner, auch Leute, die mehr investieren. Der eine gibt sein Geld aus Herzblut, um den Verein zu unterstützen, der andere aus rein kommerziellen Gründen. Das ist so, und das ist schon seit Längerem so.

RB kommt als Bundesliga-Aufsteiger nach Dresden. Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Das ist eine Top-Mannschaft, keine Frage: Sie laufen hier natürlich als Favorit auf. Sie spielen ein extremes Pressing. Wir müssen Lösungen finden, wie wir uns immer wieder befreien und auch selber zu Chancen kommen können. Das wird schon eine richtig knüppelharte Aufgabe.

Ihr Anspruch ist es, das eigene Spiel durchzusetzen. Weichen Sie in dem Fall davon ab und richten das Konzept mehr am Gegner aus?

Wer die Spielweise von RB kennt, der weiß: Man hat keine Zeit, nach Lösungen zu suchen, sekundenlang darüber nachzudenken. Die Aktionen müssen extrem handlungsschnell ausgeführt werden, sonst folgt sofort der Ballverlust. Daran werden wir in den nächsten Tagen noch feilen.

Machen Sie in der Vorbereitung auf dieses Spiel etwas Besonderes?

Nein, überhaupt nicht. Wir hatten am Montag ein schwieriges Spiel. Anstatt des freien Tages haben wir deshalb am Mittwoch regenerativ gearbeitet mit geringer Belastung, am Donnerstag machen wir ein nichtöffentliches Training, um uns auf den Gegner vorzubereiten.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

Anstoß im DDV-Stadion ist am Sonnabend 15.30 Uhr.