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Fußball spielende Pferde

Am Sonntag starten die Moritzburger Hengstparaden. Hinter den Kulissen wird Neues für das Landgestüt geplant.

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© Arvid Müller

Von Sven Görner

Moritzburg. Die niedrige Hecke am Weg vor der Reithalle ist frisch gestutzt. Ein Rasenmäher kürzt gegenüber die letzten Halme. Auf dem Weg nähert sich eine junge Gestütsmitarbeiterin – in voller Reitmontur, aber auf dem Fahrrad. Am kleinen Anstieg vor den Ställen hat sie etwas mit dem Reitsattel zu kämpfen, der über dem Lenker hängt. Im Schatten einiger Bäume bekommen ein paar weiße Holzkonstruktionen noch einen frischen Farbanstrich. Sie werden für eines der Schaubilder der diesjährigen Hengstparaden benötigt. Die Erste von traditionell drei Veranstaltungen findet am Sonntag statt.

Zu sehen gibt es in diesem Jahr auch den erstmals bei der Veranstaltung Musik und Hengste präsentierten frisch restaurierten Klapp-Pheaton.
Zu sehen gibt es in diesem Jahr auch den erstmals bei der Veranstaltung Musik und Hengste präsentierten frisch restaurierten Klapp-Pheaton. © Schwarzl

Auf dem großen Turnierplatz ist es gerade etwas ruhig. Der bereitliegende große braune Ball verrät allerdings schon, was hier gleich passieren wird. Die Lehrlinge des Landgestüts proben noch einmal das bei den Zuschauern beliebte Pushballspiel.

Auf der großen überdachten Tribüne sitzen an diesem Morgen nur zwei Zuschauer. Für Matthias Görbert, den Leiter der sächsischen Gestütsverwaltung, ist es der 31. Hengstparade-Jahrgang als Chef. Und zugleich der Letzte. Denn im nächsten Jahr wird der Moritzburger in den Ruhestand gehen. Auch wenn der Pferdexperte darüber nicht sprechen möchte. Der erste edle Hengst kommt mit seinem Reiter auf den Platz. Ihre Pferde-Fußball-Mitspieler lassen allerdings noch auf sich warten.

Und so hat Matthias Görbert Zeit, über die zu Ende gegangene Decksaison, die bevorstehenden Paraden und neue Pläne für das Gestüt zu plaudern. „Die Zahl der gedeckten Stuten ist weiter gestiegen.“ Dazu haben auch zwei in Polen eingesetzte Hengste beigetragen. Bei den Züchtern besonders beliebt waren in diesem Jahr wieder der Ausnahmehengst Millennium, der sich im Gemeinschaftsbesitz mit dem privaten Gestüt Sprehe befindet. Zu den Favoriten der Züchter hätten zudem Lahnstein, Santo Domingo und der Junghengst Peppermint gezählt. Und nicht zuletzt der im vergangenen Herbst gemeinsam mit den Landgestüten in Prussendorf und Neustadt/Dosse gekaufte Präminehengst der Westfälischen Hauptkörung Ben Benicio. „Die nächste Bewährungsprobe ist für ihn jetzt die Teilnahme am Bundeschampionat in Warendorf“, sagt Matthias Görbert. In Moritzburg wird er daher nur bei der dritten Parade zu bewundern sein.

Auf dem Platz hat inzwischen das Spiel begonnen. Doch der Chef ist noch nicht so recht zufrieden mit dem, was er sieht. „Trabt doch mal an“, ist seine kurze Ansage. Auch die junge Frau an seiner Seite beobachtet aufmerksam das Geschehen. Kathi Schöpke ist seit gut einem Jahr Assistentin der Gestütsleitung. Die Agraringenieurin, die auf dem Gebiet der Tier- und Pferdezucht promoviert hat, soll die Nachfolge von Matthias Görbert antreten. So ist zumindest der Plan.

Der jetzige Gestütsleiter hatte den Staffelstab übrigens von einer Frau übernommen. Hertha Steiner sorgte seinerzeit dafür, dass die Tradition der Zucht des Schweren Warmbluts in Moritzburg erhalten bleibt. Mit Veritabel und Valenzio werden zwei dieser edlen Pferde mit Gestütsmitarbeiter Dirk Hofmann am nächsten Wochenende an der Weltmeisterschaft der jungen Fahrpferde in Ungarn teilnehmen. Bei der Parade fehlen sie daher. Pferdefreunde dürfen sich trotzdem freuen. „Im nächsten Jahr findet die WM eventuell in Moritzburg statt“, sagt der Leiter der Gestütsverwaltung.

Der 2014 erneuert Platz und die neuen überdachten temporären Tribünen bieten dafür ideale Voraussetzungen. Und noch etwas verrät Matthias Görbert. Auch die letzte Steintribüne soll neue Schalensitze und ein Dach bekommen. Zudem gehen beim Freistaat die Vorbereitungen für den zweiten Bauabschnitt der Umgestaltung des Areals weiter. In diesem soll eine moderne Multifunktionsreithalle entstehen.

Gerade haben zwei Hengste den Ball ins Tor der anderen Mannschaft gerollt. Die hat noch etwas Probleme bei der Spielkoordination. „Wir wollen etwas sehen!“, feuert Matthias Görbert die Spieler an. Und erinnert sich an eine Episode, als er selbst noch hoch zu Ross mitgespielt hat. Das war 1973. „Mein Pferd ist damals mit einem Satz über den Ball gesprungen und hat dabei mit einem Hufnagel eine Naht sauber aufgeschlitzt.“ In einer Zeit, wo oft selbst Dinge des täglichen Bedarfs Mangelware waren, durchaus ein Problem. Hilfe kam für die Gestütsleute von der benachbarten Wetterstation in Wahnsdorf. „Einer der Wetterballons wurde als neue Blase in den Ball eingearbeitet. Den Rest erledigte dann der Sattler.“ Das Pushballspiel war damit für die Paraden gerettet.

Die Parade beginnt 13 Uhr. Ein Blick in die Stallungen ist von 9 bis 11 Uhr möglich. Das Polizeiorchester spielt ab 10 Uhr im Innenhof des Landgestütes. Karten gibt es auch am Veranstaltungstag ab 8 Uhr an den Kassen um den Paradeplatz. Weitere Termine: 10. und 18. September.