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Dynamo-Präsidium reagiert auf Minge-Aus

In einer Erklärung werden die Verdienste des Sportgeschäftsführers gewürdigt - und Respekt in der Diskussion eingefordert.

Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) wird Dynamo Ende Juni verlassen, Präsident Holger Scholze dankt ihm schon jetzt von ganzem Herzen - und fordert Respekt für alle in der Diskussion ein.
Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) wird Dynamo Ende Juni verlassen, Präsident Holger Scholze dankt ihm schon jetzt von ganzem Herzen - und fordert Respekt für alle in der Diskussion ein. © WORBSER-Sportfotografie

Dresden. Die besiegelte Trennung von Ralf Minge zum Vertragsende am 30. Juni beschäftigt Dynamo. Dabei steckt die Mannschaft im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga, der Verein steht wegen der Corona-Krise auch vor wirtschaftlich wieder schwierigeren Aufgaben. Allein durch die vier Geisterheimspiele bis zum Saisonende reißen ein Loch von etwa 700.000 Euro in den Etat.

Nun meldet sich das Präsidium in der Diskussion um den Sportgeschäftsfüherer zu Wort und stellt die Verdienste von Minge voran, die seien "enorm und unbestritten". Er habe in den vergangenen vier Jahrzehnten als Spieler, Trainer und Sportgeschäftsführer "seine gesamte Energie immer wieder mit großem Engagement" für die SGD eingesetzt. Ihm gebühre höchste Anerkennung und Wertschätzung für seine "auch in vielen schwierigen Situationen mit bewundernswerter Leidenschaft geleistete Arbeit", heißt es in der von Präsident Holger Scholze unterzeichneten Erklärung weiter.

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Bei der Mitgliederversammlung im November 2019 saßen Präsident Holger Scholze (r.) und Sportgeschäftsführer Ralf Minge nebeneinander. Minge räumte damals Fehler bei der Zusammenstellung des Kaders ein und kündigte an, sich zu hinterfragen.
Bei der Mitgliederversammlung im November 2019 saßen Präsident Holger Scholze (r.) und Sportgeschäftsführer Ralf Minge nebeneinander. Minge räumte damals Fehler bei der Zusammenstellung des Kaders ein und kündigte an, sich zu hinterfragen. © Foto: Jürgen Lösel

Hinweis auf satzungsgemäße Vertraulichkeit

Andererseits respektiere und akzeptiere man die Entscheidung, den Vertrag mit Minge nicht über den 30. Juni hinaus zu verlängern. Zugleich wird darauf verwiesen, dass "weiterführende Aspekte der Thematik satzungsgemäß der Vertraulichkeit unterliegen und deshalb im Interesse des Vereins intern bleiben sollte".

Mit diesem Hinweis wollen Scholze sowie seine Vizepräsidenten Michael Bürger und Ronny Rehn wohl vor einer weiteren öffentlichen Debatte warnen. Auf die Erklärung des Aufsichtsrates hatte Minge am Dienstag mit einer Stellungnahme reagiert, in der er seine Sicht der Gespräche geschildert und dem Kontrollgremium Wortbruch vorgeworfen hat. Demnach sei er gebeten worden, wegen der Corona-Krise und der schwierigen Situation zum Wohle des Vereins bis zum Jahresende zu bleiben, habe dann aber nur ein Angebot bis zum 30. September bekommen.

Zuvor habe er bereits Ende Dezember die Vertrauensfrage gestellt. Weil er offenbar nicht die volle Rückendeckung des gesamten Aufsichtsrates erhalten habe, sei für ihn zu diesem Zeitpunkt bereits klar gewesen, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Im Vereinsinteresse habe er der Verlängerung bis 31. Dezember 2020 zugestimmt, dieser Vorschlag des Aufsichtsrates sei dann jedoch auf drei Monate verkürzt worden. "Offensichtlich sollten hier auf meinem Rücken nur eigene Unzulänglichkeiten des Aufsichtsrates verdeckt werden", schrieb Minge.

Diese Kritik zielte darauf, dass es derzeit offenbar keinen Nachfolger gibt.

Appell: Kräfte bündeln für den Abstiegskampf

"Leidenschaftlich und kontroverse geführte Diskussionen unter den Mitgliedern und Fans der SG Dynamo Dresden beweisen einmal mehr, dass unser Verein lebt und von unzähligen Menschen emotional begleitet und unterstützt wird", erklärt nun das Präsidium - und fordert  einen respektvollen Umgang miteinander, "aber auch gegenüber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Spielern sowie gewählten Gremienvertretern, welche in der Ausübung ihres Ehrenamtes nach bestem Wissen und Gewissen agieren".

Alle Gremien seien sich darin einig, "dass es gerade jetzt darauf ankommt, alle verfügbaren Kräfte für den sportlichen Erfolg zu bündeln und den Fokus konsequent auf den Kampf um den Verbleib in der 2. Bundesliga zu richten". Jetzt für die Fans zu spielen, hatte auch Minge nach der 0:3-Niederlage am Mittwoch im Nachholspiel bei Hannover 96 gefordert, allerdings sind die Sorgen vor dem Abstiegsendspiel am Samstag in Wiesbaden groß.

Man möchte Ralf Minge "bereits jetzt von Herzen danken" , das Präsidium werde seine Leistungen in Abstimmung mit den anderen Gremienvertretern des Vereins "zu einem geeigneten Zeitpunkt angemessen würdigen".

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Gleichzeitig würden die Mitglieder des Aufsichtsrates "mit aller Sorgfalt ihrer satzungsgemäßen Verantwortung nachkommen, damit der ab dem 1. Juli 2020 vakante Posten des Sportgeschäftsführers bestmöglich und angemessen schnell besetzt wird". Wie es nach der Minge-Ära bei Dynamo weitergehen könnte - die wichtigsten Fragen und Antworten gibt es hier.

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