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Fußballsongs zum Sommerfest

Der Rothenburger Spielmannszug probt schon für den Jahreshöhepunkt. Und hofft auf ein Vereinszentrum.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Rothenburg. Noten? Nein, Noten kennen die Mitglieder des Spielmannszuges Rothenburg/Neiße nicht. Jedenfalls nur die wenigsten. Genauer gesagt zwei. Regina Hänel und Ralf Kundt. Sie sind so etwas wie Exoten unter den vielen Notenunkundigen. Doch das stört die bunte, stets lustige Truppe keineswegs. Denn gespielt wird trotzdem. Und das so, dass es den Zuhörern auch gefällt. „Wir studieren unsere Stücke nach Griffen ein“, erklärt Kathrin Kiewitz. Die 42-Jährige ist Leiterin des Spielmannszuges und schaut ganz genau auf ihren Liedzettel. Dort sind statt der Noten nur Kreuze und Kreise zu sehen. Jeder weiß an seinem Instrument, was er oder sie zu tun hat.

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Immerhin muss das Zusammenspiel der Instrumente klappen. In dem Ensemble sind neben Querflöten auch Marschtrommel, Tim-Tom, Pauke, Becken und Lyra zu hören. Da heißt es fleißig üben, um die 18 aktiven Musikanten unter den fast 40 Vereinsmitgliedern unter einen Hut zu bekommen. „Im Moment können wir das noch in unseren Räumen in der Friedensstraße tun. Doch das Gebäude fällt bekanntlich weg. Bis Ende Juni müssen wir raus. Dann hat die Polizeihochschule hier das Sagen“, bedauert Kathrin Kiewitz, die den aktuellen Zustand „auch nicht so toll“ gefunden hat. „Wir waren jetzt sieben oder acht Jahre hier. Aber am Stadtrand ist es ungemütlich. Nicht nur, dass wir jedes Mal eine weite Anfahrt hatten. Wenn wir mal draußen gesessen haben oder grillen wollten – der Blick auf die grauen Häuserblocks war nicht das Wahre.“

Das wird sich in der zweiten Jahreshälfte ändern, denn dann wird im Hort der Grundschule geübt. Oder im Freien auf dem Gelände davor. Das kann aber auch nur eine Zwischenlösung sein. Deshalb hoffen die Spielmänner und -frauen auf das Engagement der Stadt. „Am besten wären wir in einem Vereinskomplex aufgehoben. In einem Gebäude, in dem viele Rothenburger Vereine eine Heimat finden. Dann könnten wir zusammen sicherlich viel Schickes machen“, blickt Kathrin Kiewitz schon mal voraus.

Trübsal über die noch ungeklärte Zukunft bläst man trotzdem nicht. Stattdessen werden den Instrumenten Töne entlockt. „Leider kommt es nicht mehr so oft vor, dass wir Auftritte außerhalb der Region um Rothenburg haben. Früher wurden uns die Busfahrten eben gefördert, heute müssen wir für alles selbst aufkommen. Da überlegt man sich schon, wie weit der Anfahrtsweg denn noch sein darf“, bedauert Katrin Perschke, die schon einige Jahre in der Truppe ist. Geld komme außer den Mitgliedsbeiträgen nur noch über Einnahmen bei Auftritten zusammen. Doch die sind auf 20 bis 25 im Jahr zusammengeschrumpft. Auch Pokalwettkämpfe, an denen die Rothenburger immer gern teilgenommen haben, sind längst Geschichte. Sind Spielmannszüge ein Auslaufmodell? „Ich glaube nicht“, stellt Kathrin Kiewitz klar. „Meist wird ja zuerst gefragt: Was kostet ihr? Und wenn es zu viel ist, hat sich die Anfrage schnell erledigt. Wobei wir bei Kindergärten oder anderen Einrichtungen ganz genau überlegen, ob wir überhaupt etwas nehmen.“

Große Vorfreude herrscht im 1982 gegründeten Rothenburger Spielmannszug auf das bevorstehende Sommerfest. Denn da wollen auch die Musikanten ihren Beitrag zum 750. Geburtstag ihrer Heimatstadt leisten. Im Vorfeld wird schon fleißig geübt – und zwar für das normale Repertoire ganz ungewohnte Klänge: Frank Schöbels „Ja, der Fußball ist rund wie die Welt“ spielt ebenso eine Rolle wie „54, 74, 90, 2010“ von den Sportfreunden Stiller. Hören kann man die populären Fußballsongs beim Spiel der DDR-Traditionsmannschaft gegen eine Auswahl von Kickern aus dem Raum Rothenburg. „Da werden wir vor Spielbeginn auftreten und dann noch einmal in der Pause“, erzählt die Chefin. Natürlich nimmt die Formation auch beim Einmarsch der Vereine und beim Festumzug teil. Dann können die Mädchen und Jungs, die Männer und Frauen wieder das tun, was sie am liebsten machen: Musik und gleichzeitig laufen. Da lasse sich doch glatt Kultur mit Sport verbinden, schmunzelt Kathrin Kiewitz.