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G7-Gipfel und Bilderberg: Österreich rüstet sich für alle Fälle

Die Treffen der Politik- und Wirtschaftselite an der deutsch-österreichischen Grenze bedeuten für die Behörden in beiden Ländern Alarmstufe 1. Gewinner stehen aber auch schon fest.

Von Matthias Röder

Seefeld. „Der letzte größere Kriminalfall war der Diebstahl von Skischuhen vor einem Sportgeschäft.“ Wenn das Gedächtnis von Seefelds Bürgermeister Werner Frießer nicht trügt, ist die Region rund um die für ihren hohen Freizeitwert bekannte österreichische Gemeinde schon jetzt sehr sicher. In etwa einem Monat dürfte diese Sicherheit vor Übeltätern weiter steigen. Ende Mai kommen die ersten von etwa 5 000 Polizisten, die in den Orten der Region für rund drei Wochen einquartiert werden.

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Anlass: Der G7-Wirtschaftsgipfel (7. und 8. Juni) im nahen bayerischen Elmau und die Bilderberg-Konferenz (10.-14. Juni) im Interalpen-Hotel in Österreich. Dort werden sich etwa 150 Top-Leute aus Politik, Militär, Wirtschaft und Finanzen treffen. In der Historie beider Treffen ist es äußerst ungewöhnlich, dass sie zeitlich und räumlich so nah aufeinanderfolgen.

„Wir sehen das extrem positiv“, freut sich Frießer über die in der Vorsaison ungewöhnliche Buchungslage. 16 000 Betten habe die Region, in jedem dritten schlafe bald ein Polizist. Rund 4 000 Beamte der bayerischen Polizei und der Bundespolizei sind darunter, die für ihren Einsatz beim G7-Gipfel auf österreichischer Seite logieren. Der Tagungsort Elmau ist nur wenige Kilometer entfernt.

Aber auch bis zu 2 000 österreichische Beamte stehen in der kritischen Zeit der beiden politischen Top-Ereignisse bereit. „Wir haben Quartiere im Großraum Seefeld/Innsbruck reserviert. Möglicherweise bleiben auch etliche Betten leer“, sagt Christoph Hundertpfund vom Landeskriminalamt Tirol. Die Behörden würden je nach Lage agieren.

Die Angst vor Anschlägen und gewaltbereiten Demonstranten führt zu einem in der Dimension ganz besonderen länderübergreifenden Einsatz. Es soll eine Mission „aus einem Guss“ werden, betont Robert Strondl, Einsatzleiter im Wiener Innenministerium. Beamte des jeweils anderen Landes sollen in der heißen Phase in den beiden Einsatzzentralen präsent sein.

Urlaubssperre für Österreichs Polizisten

Die Alpenrepublik hat vorsorglich für den fraglichen Zeitraum sogar eine Urlaubssperre für ihre Polizisten verhängt. Dabei ist laut Polizei zumindest für das Treffen des Bilderberg-Zirkels bisher nur eine kleine Demonstration an einer Zufahrtsstraße zum Interalpen-Hotel angemeldet. Unlängst haben die österreichischen Polizisten in der Kaserne in Landeck in Tirol intensiv etwaige Auseinandersetzungen mit Randalierern trainiert.

Auf alle Fälle müssen sich Sportler und Wanderer, die in dieser Zeit zwischen Mittenwald und Seefeld unterwegs sind, auf ungewöhnliche Beobachtungen einstellen. „Es sind viele Polizisten auch auf den Wanderwegen unterwegs“, sagt Hundertpfund. Tabu sei die Gegend für Drachenflieger und Hängegleiter. Und: Es könne nie schaden, einen Ausweis dabei zu haben. „Wer die Grenze überschreiten will, braucht ihn sowieso“, meint Hundertpfund.

Das abgelegene Interalpen-Hotel ist nach 1988 bereits zum zweiten Mal Schauplatz einer Bilderberg-Konferenz. Nur eine einzige Zufahrtsstraße führt zu dem auf 1 300 Metern Höhe gelegenen Luxus-Resort. Noch ist unklar, wer in diesem Jahr an dem Treffen der Mächtigen, das Kritiker gern zu einer Art inoffizieller „Welt-Nebenregierung“ stilisieren, teilnehmen wird.

2014 in Kopenhagen waren unter anderem Google-Aufsichtsratschef Eric Schmidt, der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, und der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, dabei.

Bürgermeister Frießer sieht jedenfalls auch für die Zeit „danach“ einen günstigen Effekt der aktuellen Sicherheits-Vorbereitungen. Viele deutsche Polizisten würden die Region kennen und schätzen lernen, hofft er auf künftige neue Touristen. „Wir bieten Reize für Wiederholungstäter.“ (dpa)