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Gab es noch eine NSU-Wohnung?

Die Polizei hat intensiv nach einem weiteren Versteck gesucht – aus guten Gründen.

© dpa

Von Thilo Alexe

Dresden. Der NSU-Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtags müht sich weiter um Aufklärung. Nach der Wahl 2014 wurde er erneut eingesetzt, es geht nun vor allem um das Versteck der Rechtsterroristen in Zwickau. Am Montag befragten die Abgeordneten Kriminalrat Swen Philipp.

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Der Beamte, der nach der Explosion der Zwickauer Unterkunft des NSU-Trios 2011 an den Ermittlungen beteiligt war, gab einen überraschenden Hinweis. Die Polizei habe damals intensiv nach einer zweiten NSU-Wohnung gesucht.

Philipp begründete die Vermutung unter anderem damit, dass in der Zwickauer Unterkunft, die höchstwahrscheinlich von Beate Zschäpe in Brand gesetzt wurde, nur wenige Textilien beziehungsweise feuerversengte Reste entdeckt worden seien. Dies treffe auch für das Wohnmobil zu, in dem Polizisten in Eisenach nach einem Banküberfall die Leichen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos fanden. Philipp sagte, die Ermittler hätte auch die Frage umgetrieben, ob und wo die NSU-Terroristen Schusswaffen ausprobierten.

Bei der Suche nach einem zweiten Versteck habe sich die Polizei auf Zwickau und die Region konzentriert. Unter anderem seien Strom- und Wasserversorger gefragt worden, ob eine Wohnung seit dem Zeitpunkt des NSU-Auffliegens ohne oder mit nur geringem Verbrauch bekannt sei. An Passanten seien Handzettel verteilt worden. „Das ist leider alles negativ verlaufen“, sagte Kriminalrat Philipp.

Die Frage, ob er es für möglich halte, dass Beweismittel wie im Schutt gefundene Waffen manipuliert worden seien, verneinte er. Böhnhardt und Mundlos hätten nach Zeugenaussagen zurückgezogen gelebt, Zschäpe habe Kontakt zur Nachbarschaft gehalten. Unklar war, ob in einem Hobbyraum, in dem sich offenbar Anwohner trafen, ein Hitler-Bild hing. Philipp sagte, ein Feuerwehrmann habe ihm das gesagt. Er selbst habe es aber nicht gesehen.