merken

Gabriel gegen den Pegida-Galgen

Der frühere Vizekanzler lässt nicht locker und verklagt den sächsischen Händler, an dessen Mini-Galgen er hängen sollte.

© Archivbild: dpa

Von Heinrich Maria Löbbers

Hamburg. Es war die Zeit, als Pegida noch Massen mobilisierte. Rund 9 000 Leute versammelten sich an jenem Oktober-Montag 2015 in Dresden und hörten die inzwischen von der Bildfläche verschwundene Tatjana Festerling über eine Abspaltung Sachsens von der BRD schwafeln. Mitten unter ihnen ein besonders besorgter Bürger mit zwei selbst gebastelten Galgen. Daran baumelten Schilder mit der Aufschrift „Reserviert Angela ,Mutti‘ Merkel“ und „Reserviert Siegmar ,das Pack‘ Gabriel“.

Anzeige
Dynamische Verstärkung gesucht
Dynamische Verstärkung gesucht

Zur Verstärkung ihres Teams sucht die A4RES Gruppe Bautzen motivierte Immobilienkaufleute (m/w/d) für die Verwaltung ihrer Objekte.

Eine der unzähligen Geschmacklosigkeiten der selbst ernannten Retter des Abendlandes, selbst der wenig zimperliche Lutz Bachmann sprach von einer „makaberen, geschmacklosen, aber nur symbolisch überspitzten Meinungsäußerung“ .

Während die Kanzlerin das auf sich beruhen ließ, beschäftigt die Sache den ehemaligen Vizekanzler noch immer. An diesem Freitag geht es am Landgericht Hamburg in einem Zivilverfahren noch einmal um die Pegida-Galgen. Die hatten landesweit für Empörung gesorgt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, fand allerdings keinen Straftatbestand. Auch nicht, als ein Händler aus dem Erzgebirge eine Miniaturausgabe der Galgen im Internet zum Verkauf anbot.

Gabriel fordert indes weiterhin die Unterlassung des Verkaufs der Mini-Galgen. Das Hamburger Landgericht hatte bereits Ende 2017 seiner Forderung mit einer einstweiligen Verfügung entsprochen, wie ein Gerichtssprecher sagte. Nun wird endgültig entschieden. Der Anwalt des Galgen-Anbieters sieht seinen Mandanten durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt. Bei dem „satirischen Modellgalgen“ gehe es um „Kunstfreiheit“ und nicht darum, „ob der Streitgegenstand möglicherweise geschmacklos ist, was man sicherlich so empfinden kann“.

Um Gabriel dreht sich in diesem Zusammenhang übrigens eine weitverbreitete Fake-News. Nach den Ausschreitungen in Heidenau im August 2015 hatte er die gewalttätigen Hooligans dort als „Pack“ bezeichnet. Es verbreitete sich aber überall, Gabriel habe alle Pegida-Gänger pauschal als „Pack“ verunglimpft. Diese Opferlegende wird wohl auch ein Gerichtsurteil nicht aus der Welt schaffen. (mit dpa)