Teilen:

Gabriel macht Bombardier zur Chefsache

© nikolaischmidt.de

Der Bundeswirtschaftsminister will mit der Konzernleitung sprechen. Die plant einen massiven Stellenabbau, unter anderem in Görlitz und Bautzen.

Von Jana Ulbrich und Tilo Berger

Berlin/Görlitz. Der geplante Stellenabbau in den deutschen Bombardier-Werken ist jetzt Chefsache: Bundes-wirtschaftsminister Siegmar Gabriel (SPD) will die kanadische Konzernleitung zu Gesprächen über die Zukunft der deutschen Standorte des Schienenfahrzeug-herstellers einladen.

Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel (SPD) will die kanadische Konzernleitung von Bombardier zu Gesprächen über die Zukunft der deutschen Standorte des Schienenfahrzeugherstellers einladen. © dpa

Bombardier plant in seiner Transport-Sparte eine Umstrukturierung, die mit dem Abbau Tausender Arbeitsplätze verbunden sein soll. Genaue Pläne und Zahlen hat die Konzernleitung zwar noch nicht öffentlich bekannt gegeben, die Betriebsräte gehen aber davon aus, dass es auch an den Standorten in Görlitz und Bautzen massive Einschnitte geben wird. „Man muss kein Prophet sein, um die Ankündigungen deuten zu können“, sagte Bautzens Betriebsratsvorsitzender Gerd Kaczmarek am Donnerstag. „Nach allem, was wir wissen, können wir uns ausrechnen, dass wir hier den Löwenanteil fressen müssen.“

Anfang 2016 hatte Bombardier angekündigt, deutschlandweit 1 430 Stellen abzubauen. Vor allem Verträge mit Leiharbeitsfirmen sollten gekündigt oder nicht verlängert werden. Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums arbeiten in den Werken Bautzen und Görlitz jetzt rund 900 Menschen weniger als noch vor einem Jahr – davon etwa 650 Leiharbeiter. Außerdem sollen rund 250 fest angestellte Mitarbeiter freiwillig das Unternehmen verlassen haben.

Vergangene Woche war durchgesickert, dass der Bombardier-Aufsichtsrat den Abbau weiterer 2 500 Stellen in Deutschland beschlossen haben soll – die meisten in Bautzen, Görlitz und Hennigsdorf bei Berlin. Eine Bestätigung des Konzerns gibt es dafür nicht. „Bevor wir Zahlen herausgeben, wollen wir erst mit allen Sozialpartnern, den Gewerkschaften und Betriebsräten sprechen“, sagte Sprecher Andreas Dienemann.

Mitarbeiter und Gewerkschaften wollen die Pläne der Konzernleitung nicht hinnehmen. Am Donnerstag versammelten sind rund 500 Bombardier-Werker zu einer Protestaktion vor dem Betriebstor in Bautzen. „Wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen“, kündigte Ostsachsens IG Metall-Chef Jan Otto an. „Es geht hier um die Zukunft eines ganzen Landstrichs.“ Am Freitag werden die Mitarbeiter in Görlitz vor das Werktor treten.

Unterdessen wird der Ton aus Sachsens Wirtschaftsministerium schärfer. „Ich werde mich – wie bereits in der Vergangenheit – weiter für den Erhalt der sächsischen Standorte einsetzen“, erklärte Minister Martin Dulig (SPD). Indirekt sagte er, Bombardier setze die von Sachsen angebotene Technologie-Förderung aufs Spiel. Diese hat der Freistaat an den Erhalt der Jobs in Bautzen und Görlitz geknüpft. „Unsere Hand bleibt ausgestreckt.“