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Gabriel mit Polit-Oldies auf China-Tour

Mit prominentem Gefolge reist Sigmar Gabriel durch das Reich der Mitte. Ein Amtsvorgänger traut ihm einiges zu.

© Xinhua

Von Tim Braune

Peking. In der ersten Reihe haben es sich Michael Glos und Rudolf Scharping in den weißen Ledersesseln bequem gemacht. So einen schicken Regierungsflieger hätte er in seiner eigenen Amtszeit gut gebrauchen können, scherzt CSU-Veteran Glos. Dann wären auf dem Weg nach China die nervigen Tankstopps in Kasachstan überflüssig gewesen. Wehmut in 11 700 Metern Höhe, dass die eigene Ministerzeit 2009 mit dem freiwilligen Rückzug abrupt endete?

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Glos lacht und winkt ab. Das Kapitel sei längst abgeschlossen. Auch Scharping amüsiert die Frage. Er war ja nicht nur SPD-Chef und Kanzlerkandidat, sondern auch mal Verteidigungsminister. Da hätten die Luftwaffen-Offiziere, die jetzt seinen Parteifreund und Vizekanzler Sigmar Gabriel nach China fliegen, stramm gestanden. Jetzt berät Scharping Firmen, die dort Fuß fassen wollen. Er gilt als China-Kenner.

Noch weiter vorne, im VIP-Abteil des Airbus, sitzt Peter Ramsauer. Er wurde von der CSU-Kabinettsliste gestrichen, ist aber als Chef des Wirtschaftsausschusses des Bundestags noch aktiv. Drei Ex-Minister in einer Delegation, daran können sich selbst altgediente Diplomaten nicht erinnern.

Während Gabriel in einem Hotel Gespräche mit wichtigen chinesischen Funktionären führt, plaudert Glos über jene Schlachten, die er als Wirtschaftsminister mit dem damaligen Umweltminister Gabriel schlug. So gönnt sich Glos die Spöttelei, dass nun Gabriel die hohen Ökostromkosten am Hals hat: „Ich freu mich schon, dass er die Suppe auslöffeln muss, die er uns damals eingebrockt hat.“ Letztendlich habe Gabriel aber das Zeug, ein roter Ludwig Erhard zu werden, meint Glos, der als Repräsentant für den Gipshersteller Knauf wirbt. Das fränkische Unternehmen will im luftverpesteten China mit Entschwefelungstechnik punkten.

Dreieinhalb Jahre hat Gabriel bis zur nächsten Bundestagswahl Zeit, seine SPD aus der 25-Prozent-Falle herauszuholen. Dazu gehört es, die Partei in Sachen Wirtschaftskompetenz auf Augenhöhe mit der Union zu bringen. In den ersten drei Koalitionsmonaten mühte er sich mit der Ökostromreform ab. Anfang April ging das Mega-Projekt durchs Kabinett. Nun habe er endlich Spielraum, als Minister auch andere Sachen zu machen und mehr zu reisen, erzählt Gabriel. Bei aller Wertschätzung für die Chinesen – gerade jähren sich die Beziehungen zwischen der SPD mit der Kommunistischen Partei zum 30. Mal – verliert Gabriel aber auch das Trennende nicht aus dem Blick. Die schlechte Menschenrechtslage thematisiert er ebenso wie die Drangsalierung deutscher Investoren. (dpa)