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Gärtner trotzen der April-Kälte

Schaden hat der Frost in Niesky und Umgebung kaum angerichtet. Zu spüren bekommen ihn die Betriebe auf andere Weise.

© André Schulze

Von Frank Seibel und Constanze Knappe

Niesky. Vermutlich geht es gerade noch einmal gut. Hässlich, kühl und nass war der April. Von ernstem Frost ist die östliche Oberlausitz aber bislang im Frühling verschont geblieben. In Meißen hingegen mussten die Winzer in den Weinbergen viele kleine Feuer anzünden, damit die Reben nicht erfrieren. Für die Gärtner hierzulande sei es zwar nicht gerade chick, wenn morgens Temperaturen von null Grad herrschen, sagt Knut Miethe. Schäden an den blühenden Zierpflanzen habe der Frost in seinem Betrieb jedoch keine angerichtet, so der Chef der Gärtnerei im Nieskyer Ortsteil See. Die Pflanzen stünden in Gewächshäusern, somit spiele die Temperatur draußen keine Rolle. Was fehlt ist die Sonne. Aber man könne sich eben das Wetter nicht aussuchen, müsse es nehmen, wie es kommt, sagt er.

Ähnlich sieht es Klaus-Dieter Pietasch. In seinem Gartenbaubetrieb in Rothenburg wären die Pflanzen bereit zum Auspflanzen. „Durch den Frost ist kein großer Schaden entstanden, es steht ja alles in Gewächshäusern“, erklärt auch er. So ganz spurlos sei die Kälte an seinem Betrieb dennoch nicht vorbeigegangen, die Heizkosten sind höher. In der Gärtnerei Halke in Niesky ist das ebenso. Lothar Halke ist froh, dass die Erdbeeren noch nicht blühen, weshalb es ohne große Schäden abging. Im April müsse man eben immer mit Frost rechnen. Um die Pflanzen abzuhärten, wird länger gelüftet und nachts in Gewächshäusern die Temperatur abgesenkt.

Ebenfalls nicht so tragisch sieht Dietgard Eichhorst von den Forstbaumschulen in Rothenburg den Frost im April. Die leichten Minusgrade haben keinen Schaden hinterlassen. „Kiefern und Fichten, die jetzt im Wald ausgepflanzt werden, sind nicht so empfindlich“, sagt sie. Ein viel größeres Problem sei, dass es abgesehen von den Schauern zumindest für die Forstbaumschulen zu trocken war. Die Durchfeuchtung fehlt. Das könnte den Laubbäumchen zu schaffen machen, die Anfang März ausgepflanzt wurden.

Alles in allem scheint es mit dem Wetter hierzulande also halb so schlimm. Und doch ist dieser April für die Gärtnereien in und um Niesky schwierig. „Wenn die Sonne fehlt, warten die Kunden noch ab“, hat Knut Miethe festgestellt und meint damit vor allem seine Stammkunden. Manch anderer hat da offensichtlich nicht so viel Geduld und bekommt Frühlingsgefühle, sobald die ersten Sonnenstrahlen nach draußen locken – zumal in den Baumärkten der Region seit Mitte April Pflanzen zu haben sind. Doch wer jetzt auspflanzt, riskiert, dass sie eingehen. „Das tut einem in der Seele weh. Bei vielen Sommerblumen aus den Tropen oder Subtropen beginnt der Kältetod schon bei vier Grad Celsius“, erklärt Lothar Halke. Über den Landesverband Gartenbau in Sachsen werde deshalb angestrebt, beispielsweise bei Eisblumen in den Märkten drunterzuschreiben, dass diese frostempfindlich sind. „Ein Küken würde man bei den Temperaturen ja auch nicht vor die Tür setzen“, sagt er. Dass Pflanzen Lebewesen sind, darüber denke mancher gar nicht nach. Einen Balkonkasten könne man über Nacht ja noch mal schnell reinnehmen. Aber zum Beispiel Tomaten hätten draußen noch nichts zu suchen. „Trotz Klimawandel werden bei uns keine Palmen wachsen“, ist Lothar Halke überzeugt. Zwar beginnt mit dem Tag der offenen Gärtnereien am Wochenende die Saison, doch wie er würden viele Kollegen in den Gärtnereien in Niesky und Umgebung die Kunden darauf hinweisen, dass es besser sei, erst später zu pflanzen. „Es hat keinen Sinn, das übers Knie brechen zu wollen“, so der Gartenfachmann.

Das Stadtgut Görlitz lebt überwiegend vom Obst, zumeist Äpfeln. Daher mussten die Obstbauern vor allem in der vergangenen Woche sehr aufpassen. Sie haben zu einem ähnlichen Mittel gegriffen wie die Meißner Winzer. In drei Nächten haben sie Wachseimer in den Plantagen aufgestellt und angezündet, um die Blüten vor Frost zu schützen. Zum Glück waren die Knospen noch nicht geöffnet, sagt Claudia Ehrig von der Stadtgut Görlitz GmbH. Denn dann richtet der Frost Schaden an. Einige Kirsch-Sorten hingegen sind schon weiter und entsprechend gefährdet. In einem sind sich die Gärtner einig: Wirklich sicher können sie erst ab Mitte Mai sein. Bis zu den Eisheiligen um den 15. Mai kann es immer mal Nachtfrost geben.