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Gaffer müssen ins Gefängnis

Zwei Männer sind in Bautzen zu Freiheitsstrafen verurteilt worden – allerdings wegen Delikten, die mit dem Brand des als Asylunterkunft geplanten Husarenhofs selbst nichts zu tun hatten.

© dpa

Von Sebastian Kositz

Bautzen. Das Medieninteresse war groß: Kamerateams hatten sich vor dem Verhandlungsraum des Bautzener Amtsgericht aufgebaut, drin nahm in den Zuschauerreihen mehr als ein halbes Dutzend Journalisten Platz. Nach den heftig diskutierten Vorfällen im Umfeld des Husarenhofbrands sind jetzt zwei junge Männer verurteilt worden. Hauptsächlich allerdings für eine Reihe von Straftaten, die mit dem Brand der geplanten Asylunterkunft in der Nacht zum 21. Februar nichts zu tun haben. Eine Behinderung der Feuerwehrleute – wie zunächst von der Polizei und später in den Medien verbreitet – hat es nach Ansicht des Jugendschöffengerichts nicht gegeben.

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Die Bilder vom Brand des Husarenhofs hatten über Deutschlands Grenzen hinaus für Empörung gesorgt. Befeuert im mentalen Sinn wurde die zusätzlich durch eine Meldung der Polizei, die am Morgen nach dem Brand berichtet hatte, dass drei junge Männer „die Arbeiten der Feuerwehr massiv behindert hätten.“ Eine Aussage, die das Image der Stadt Bautzen schon damals arg ramponiert hatte. Und eine Darstellung, die das Gericht jetzt geraderückte.

Anwesenheit gestanden

Während des vor einer Woche gestarteten Prozesses hatten die beiden 21-Jährigen eingeräumt, in der Nacht vor Ort gewesen zu sein. Den Abend zuvor hätten sie gefeiert und getrunken, als sie schließlich in den frühen Morgenstunden über den Kurznachrichtendienst „WhatsApp“ vom Feuer in dem früheren Hotel erfuhren. Dort angekommen hatten sich die Männer zunächst mit ihren Kumpels auf dem Käthe-Kollwitz-Platz aufgehalten. Später seien sie mit einem weiteren Bekannten am brennenden Gebäude entlang über eine Treppe zum Parkplatz an der Rückseite gelaufen.

Dort waren Feuerwehrleute und Polizisten überrascht, als plötzlich die drei jungen Männer auftauchten. Die Feuerwehr hatte gerade damit begonnen, die Ziegel vom brennenden Dach zu holen. Für die betrunkenen Männer eine gefährliche Situation. Doch statt der Aufforderung, den Gefahrenbereich sofort zu verlassen, Folge zu leisten, kam es zu Wortgefechten, die später in Handgreiflichkeiten gipfelten. Zwei Feuerwehrleute mussten den Beamten zu Hilfe eilen, um die jungen Männer überhaupt zur Raison bringen zu können.

Die Situation eskalierte aus Sicht des Bautzener Jugendrichters Manfred Weisel allerdings nicht, weil die Angeklagten die Löscharbeiten behindert hätten. „Die Polizisten hatten Angst, dass sie verletzt werden“, erklärt Manfred Weisel. Es sei darum, gegangen, die jungen Leute zu schützen.

Rabiate Gegenwehr

Wegen der rabiaten Gegenwehr hat das Gericht die beiden wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt – wie es die Generalstaatsanwaltschaft angeklagt hatte. Der dritte junge Mann, ein 20-Jähriger, sollte ebenfalls schon jetzt mit auf der Anklagebank sitzen. Zur Eröffnung der Verhandlung war er jedoch gar nicht erschienen. Weil er nach einer Zwangsräumung keinen festen Wohnsitz mehr hat, konnte er nicht geladen werden. Wo er sich derzeit aufhält, ist unklar. Gegen ihn ist inzwischen Haftbefehl erlassen worden.

In dem Verfahren waren unabhängig vom Geschehen am Husarenhof eine ganze Reihe weiterer Straftaten der jungen Männern mitverhandelt worden. Bei einem der beiden ging es um Diebstahl, Beleidigung Sachbeschädigung und einiges mehr. Der Angeklagte habe sich quer durchs Strafgesetzbuch gearbeitet, stellte die Staatsanwältin fest. Zwei Dutzend Straftaten zählte Manfred Weisel auf – die der Angeklagte weitgehend einräumte. Und weil er für die Justiz kein Unbekannter ist, erhielt er diesmal eine empfindliche Jugendstrafe. Für zweieinhalb Jahre muss er ins Gefängnis.

Schläge und Tritte

Der zweite Angeklagte kassierte sogar noch ein halbes Jahr mehr. Auch er ist kein unbeschriebenes Blatt, wurde erst im Februar zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hatte sich unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung, Beleidigung und räuberischer Erpressung verantworten müssen. Von den insgesamt elf Straftaten sticht neben dem Vorfall am Husarenhof eine besonders hervor. Vor einem Jahr hatte der 21-Jährige an der Steinstraße in Bautzen vor einer Bar einen anderen jungen Mann mit Schlägen und Tritten schwer lebensgefährlich verletzt. Nur mit einer Not-OP konnte er gerettet werden. An der Tat beteiligt war auch der ältere Bruder des 21-Jährigen. Der 32-Jährige stand deshalb mit vor Gericht, das ihn zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilte. Außerdem muss er 1 000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Eine Frage bleibt indes weiter offen. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt noch immer, wer eigentlich hinter dem Brandanschlag auf den Husarenhof steckt.