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Sachsen

Gaffer: Sachsen will schärferes Strafrecht

Immer wieder werden Unfälle von Schaulustigen dokumentiert. Sachsen will, dass die Opfer besser geschützt werden.

© dpa-Zentralbild

Dresden. Schaulustige mit Smartphone nach einem Unfall auf der Autobahn sind keine Seltenheit: Sachsen setzt bei der Bekämpfung des Gaffer-Phänomens auf eine Verschärfung des Strafrechtes. Der Freistaat unterstütze die Bemühungen des Bundesrates, sagte ein Sprecher des Justizministeriums in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Länderkammer hatte den Bundestag erst im Mai aufgeforderte, die "Strafbarkeitslücke" beim unbefugten Filmen oder Fotografieren von Toten zu schließen. 

"Unfälle im Vorbeifahren zu fotografieren oder zu filmen ist ein Fluch der heutigen technischen Möglichkeiten", sagte Thomas Knaup von der Stabsstelle Kommunikation der sächsischen Polizei im Innenministerium. Sich am Leid anderer Menschen zu ergötzen, scheine heutzutage ein weit verbreitetes Phänomen zu sein.

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Allerdings sei das sogenannte Gaffen rechtlich undefiniert. Die sächsische Polizei führe zudem dazu auch keine Statistik. Wie oft es dazu komme, könne deshalb nicht gesagt werden. Ähnliches gelte auch für die sogenannten Rettungsgassen. Es sei am Ende immer eine subjektive Betrachtung, ob eine Rettungsgasse funktioniert oder nicht.

Knaup macht aber auch klar: Für die Beamten habe bei Unfällen zunächst Priorität, die Unfallstelle zu sichern, Beweise zu dokumentieren, Personalien und Fahrzeugdaten zu ermitteln und möglicherweise auch Angehörige zu verständigen oder für eine Sicherstellung der Fahrzeuge zu sorgen. Ob Beamte am Unfallort noch anderes leisten könnten, sei von der jeweiligen Lage und den verfügbaren Einsatzkräften abhängig.

Schaulustige fotografieren neben einer Lärmschutzwand mit ihren Smartphones eine Unfallstelle, an der ein Autotransporter auf dem Dach liegt. 
Schaulustige fotografieren neben einer Lärmschutzwand mit ihren Smartphones eine Unfallstelle, an der ein Autotransporter auf dem Dach liegt.  © dpa

Die Kameraden der Feuerwehr stellten immer wieder fest, dass ihre Einsätze beobachtet, aufgenommen oder kommentiert werden, hieß es in der Stadtverwaltung Chemnitz. "So kommt es vor, dass beim Passieren einer Unfallstelle auf der Autobahn bewusst langsamer gefahren wird." Das sei ein Unfallrisiko. Es komme auch vor, dass Passanten auf Sperrungen ungeduldig reagierten. Zu einer konkreten Behinderung sei es dadurch in den vergangenen 30 Einsatzjahren der Feuerwehr Chemnitz jedoch nicht gekommen.

Das "Informationsinteresse" der Bürger an den Einsätzen nehme immer mehr zu, sagte der stellvertretende Chef der Branddirektion Leipzig, Torsten Kolbe. "Leider ist dabei bei vielen der Griff zum Smartphone obligat." Eine Beeinträchtigung dadurch sei allerdings im Bereich der Stadt Leipzig bisher zum Glück nicht bekannt geworden.

"Gegafft wurde schon immer und wird auch weiterhin. Das Problem ist aber, dass jetzt alles gefilmt und fotografiert wird", teilte das DRK Sachsen nach einer Umfrage bei zwei Kreisverbänden mit. Besonders drastisch sei es dann, wenn Rettungskräfte behindert würden. Auch dazu sei es schon immer gekommen. "Wir begrüßen jedwede Diskussion über dieses Thema zur Sensibilisierung der Bevölkerung", sagte DRK-Sprecher Kai Kranich.

Eine DRK-Umfrage, an der sich 96 Rettungsteams aus ganz Deutschland und auch aus Sachsen beteiligt haben, hat zudem ergeben, dass in 80 Prozent aller Fälle die Helfer Zeit verlieren, weil bei Unfällen die Rettungsgassen blockiert würden. In gut 35 Prozent werde erst nach Aufforderung durch ein Sondersignal eine Gasse gebildet, mehr als 20 Prozent der Fahrer reagierten gar nicht, hieß es. (dpa)

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