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Galerist spielt den Weihnachtsmann

Die aktuelle Ausstellung in Liegau-Augustusbad ist ein echter Renner. Und eine Geschenk-Idee.

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© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Liegau-Augustusbad. Der Liegauer Galerist Eberhard Klinger spielt in diesem Jahr Weihnachtsmann. Und das ganz ohne roten Mantel und langen, weißen Kunstbart. Eberhard Klinger hat mit der letzten Ausstellung des Jahres in seiner Galerie an der Schönborner Straße vielmehr für jede Menge Weihnachtsgeschenk-Ideen gesorgt. „Ich habe in den vergangenen Tagen schon etliche Bilder verpackt, damit sie pünktlich Heiligabend bei den Käufern sind“, freut er sich über den Erfolg der Schau.

Und ein bisschen hatte Eberhard Klinger das Ganze wohl auch schon geahnt. Immerhin hat er mit Wolfgang Kühne einen der prominentesten aktuellen Dresdner Künstler nach Liegau geholt. Einen, dessen Realismus in den Bildern – der fast schon fotografisch ist – beim Betrachter wunderbare Geschichten im Kopf entstehen lässt. Denn in Kühnes Bildern gibt es eine Menge zu entdecken. Das kommt an, wie die zahlreichen roten Punkte neben den Bildern zeigen. Als Zeichen, dass sie verkauft sind. „Ich habe vorsichtshalber gleich ein paar Bilder mehr für die Ausstellung geordert, so dass an den Wänden natürlich nichts leer bleibt“, verrät der Liegauer Galerist. Und weil die Schau so gut läuft, hat er sie dann auch gleich noch um eine Woche verlängert. Bis zum 15. Januar sind die Bilder an der Schönborner Straße nun noch zu sehen.

Geschichten zu den Bildern

Und auch Eberhard Klinger sitzt dieser Tage ein wenig häufiger als sonst auf dem gemütlichen Leder-Sofa mitten in seinem Galerieraum. Und versinkt nicht nur ins Weiche der Polster, sondern auch in die Weite der Bilder. Der Liegauer kennt Wolfgang Kühne seit Jahrzehnten; und ist hörbar einer seiner größten Fans. Noch dazu, weil auch Eberhard Klinger eine Menge Geschichten rund um die Geschichten erzählenden Bilder kennt. So weiß er zum Beispiel, dass die Elbe im Leben Wolfgang Kühnes eine große Rolle spielt. Der Maler stammt aus der Altmark, dort, wo Elbe und Havel zusammenfließen. „Dort hat er sich ein altes Deichwärter-Häuschen direkt am Damm gekauft, in dem er ein Atelier hat“, verrät der Liegauer. Und natürlich hat sich Wolfgang Kühne in seiner Wahlheimat Dresden auch ein Haus direkt in Elbnähe gesucht. Im Stadtteil Laubegast im Osten Dresdens. „Da war er 2002 bei der großen Elbeflut massiv betroffen, aber ans Wegziehen hat er nie gedacht“, weiß Eberhard Klinger. Stattdessen habe Wolfgang Kühne einfach die unteren Geschosse seines Hauses gefliest …

Aber die Elbe spielt auch in der Liegauer Ausstellung eine große Rolle. Landschaften entlang des Flusses sind zu sehen, Szenen aus der Laubegaster Elbe-Werft. Und Fische. Gleich neben dem Deichwärterhäuschen Kühnes, weiß Eberhard Klinger, liegt ein die meiste Zeit des Jahres ausgetrockneter alter Elbarm. „Aber immer im Frühjahr und Herbst, wenn es die normalen Hochwasser gibt, füllt er sich – und wenn das Wasser wieder sinkt, geht Wolfgang Kühne mit dem Kescher los und fängt sich Hechte und andere Elbefische, die er dann räuchert.“ Auch Eberhard Klinger war schon das eine oder andere Mal dabei, wenn es am Deich in der Altmark dann Räucherfisch gab. „Wunderbar inspirierende Abende“, schwärmt er. Und auch diese Inspiration ist irgendwie in Farbe übergegangen. Überhaupt die Farben! „Er schafft es, wirklich grandiose Stimmungen festzuhalten“, sagt Eberhard Klinger – und sitzt mit leuchtend-schwärmerischem Blick auf seinem gemütlichen Galerie-Sofa.

Vorlage fürs private Kopfkino

Wobei es nicht nur Landschaften sind, die den Dresdner Maler faszinieren. An der Wand in Liegau hängt auch ein Bild, das einen Blick in ein Nebengebäude des Deichwärterhäuschens gewährt. Eine Ziegelwand, eine Tür, eine hölzerne Treppe. Und Sonnenlicht samt Schatten. Eigentlich nicht viel zu sehen. Und doch will der Betrachter irgendwie gar nicht aufhören, hinzuschauen. Denn auch hier gibt es unendlich viel zu entdecken: am Putz, am Schattenspiel und vielleicht auch, weil es eine herrliche Vorlage fürs private Kopfkino ist?

Die Ausstellung begeistert. „So viele Besucher hatten wir lange nicht – es ist auch wirtschaftlich die erfolgreichste Schau des Jahres“, klingt Eberhard Klinger zufrieden. „Es war zum Beispiel eine junge Frau hier, die hat sich eines der Bilder ausgesucht – und es ist ihr erstes gekauftes Bild überhaupt, hat sie mir verraten“, freut er sich. Und natürlich hat er das Bild schon verpackt, damit es Weihnachten am neuen Platz hängen kann. „Die Mutter der jungen Frau kommt zu Besuch, da soll es hängen“, weiß Eberhard Klinger. Schon wieder eine Geschichte, die es über diese wunderbare Schau zu erzählen gibt …