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Galgenfrist für 180 Jobs bei Planeta

Während an anderen Standorten des Druckmaschinenbauers KBA Hunderte gehen mussten, wird in Radebeul ab Januar verhandelt.

© dpa (Archivfoto)

Von Michael Rothe

Würzburg/Dresden. Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) zieht seine Pläne zum Stellenabbau durch. „Über 300 Mitarbeiter am Standort Würzburg haben uns bereits verlassen, und auch in Mödling wird es auf Basis der getroffenen Vereinbarungen im Juli erste Kündigungen geben“, sagte Vorstandschef Claus Bolza-Schünemann. Am Würzburger Stammsitz und dem österreichischen Werk zusammen müssen knapp 700 Mitarbeiter gehen. Zum Teil wurden Aufhebungsverträge oder Altersteilzeit vereinbart.

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Im Radebeuler Planeta-Werk soll erst Anfang nächsten Jahres über Kürzungen verhandelt werden. Dort stehen 180 Jobs auf der Kippe, wie KBA-Marketingchef Klaus Schmidt im März der SZ bestätigt hatte. Dort arbeiten noch gut 1.500 Beschäftigte und 87 Lehrlinge. Das Werk ist Spezialist für Bogenoffsetmaschinen für Verpackungen, Kalender und Bücher. Über die Hälfte der Maschinen sind für den florierenden Verpackungsdruck bestimmt.

Der Jobabbau ist Teil des Programms [email protected], mit dem der Konzern wettbewerbsfähiger werden will. Es geht um Sanierung des Kerngeschäfts, Optimierung und Konzentration der Wertschöpfungstiefe an den Standorten, Senkung von Verwaltungskosten und andere Strukturveränderungen. Der Druckmaschinenbauer will mit einer tiefgreifenden Neuausrichtung aus den roten Zahlen kommen und hatte dazu im Dezember die Streichung von 1.100 bis 1.500 Stellen angekündigt. Durch frühere Sparrunden war die Zahl der Beschäftigten bereits von über 8.000 auf 6.000 geschrumpft.

Die Druckbranche leidet seit Jahren unter Überkapazitäten und Investitionszurückhaltung – durch Strukturwandel der Medien, Konzentration der Verlage und Druckereisterben. Der Markt für Bogenmaschinen hat sich in den letzten Jahren halbiert. Immer leistungsfähigere und haltbarere Maschinen kommen auf den Markt, überschwemmt durch billige Secondhand-Ware aus Pleiten.

Hohe Rückstellungen für den Konzernumbau hatten der weltweiten Nummer zwei der Branche 2013 einen Vorsteuerverlust von 138 Millionen Euro beschert. Im Vorjahr hatte es noch 3,7 Millionen Euro Gewinn gegeben. Wegen verhaltener Nachfrage im Geschäft mit Offset- und Wertpapierdruckanlagen lag der Auftragseingang im Konzern mit gut einer Milliarde Euro um neun Prozent unter dem des Vorjahres. Der Umsatz fiel um 15 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Bei den Bogenoffsetmaschinen aus Radebeul fiel das Minus mit neun Prozent jedoch deutlich geringer aus als etwa im Konzernsegment Rollen- und Sondermaschinen mit einem Einbruch um 19 Prozent. Der KBA-Vorstand erwartet auch künftig kein nachhaltiges Wachstum im kleiner gewordenen Markt. (mit dpa)