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Galgenfrist für den Lokschuppen

Die Bahn hatte das Gebäude unerlaubt teilweise abgerissen. Seitdem liegt dort ein Schuttberg. Die Stadt fordert eine Lösung.

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© Dirk Zschiedrich

Von Nancy Riegel

Neustadt. Kann man einen Berg Bauschutt als Biotop bezeichnen? In den Überresten des alten Lokschuppens an der Dr.-Otto-Nuschke-Straße in Neustadt wachsen immerhin schon die ersten Bäumchen. Seit Februar umgrenzt ein Bauzaun den Haufen, der nicht nur ein optisches Ärgernis ist, sondern auch die Zufahrt blockiert.

Eigentlich wollte die Deutsche Bahn das gesamte Gebäude abreißen. Doch die Denkmalschutzbehörde schob den Arbeiten einen Riegel vor. Denn der Abriss erfolgte ohne Genehmigung. „Bei dem Lokschuppen handelt es sich um einen Bestandteil der denkmalgeschützten Sachgesamtheit der Eisenbahnstrecke Bad Schandau–Sebnitz–Neustadt“, informiert Rainer Frenzel vom Bauamt des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Mitte Oktober wurde durch die Denkmalbehörde deshalb ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Wie Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN) im jüngsten Stadtrat informierte, reagierte die DB AG darauf eine Woche später. Sie beauftragte einen Statiker, der prüfen soll, ob der Teil, der vom Lokschuppen noch übrig ist, einsturzgefährdet ist. Dessen war sich das Bahnunternehmen sicher, als es im Frühjahr den Abriss anordnete. Ein offizielles Gutachten habe aber nicht vorgelegen.

Deshalb liegt auch seitdem der Schutthaufen unberührt an der Nuschkestraße. Die Mauerreste sind Teil des denkmalgeschützten Gebäudes, das seit mehr als 20 Jahren ungenutzt ist. Peter Mühle hofft, dass sich Landratsamt und Deutsche Bahn schnellstmöglich einigen. Im kompliziertesten Fall würde sich herausstellen, dass das Haus überhaupt nicht einsturzgefährdet ist. Was dann mit dem Schutthaufen passieren würde, kann auch der Bürgermeister nicht vorhersehen.