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Ganz besondere Hundekinder

Mutter Elli, eine Bosnische Rauhaarbracke, kam per Flugzeug nach Sachsen. Ihre Jungen sind der erste Wurf in Deutschland, sagt ihr Besitzer.

© Norbert Millauer

Von Beate Erler

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Coswig. Auf dem Grundstück von Markus Handschuh erwarten sie einen schon. Der tiefergelegte Dackel mit Namen „Dackel“, der britische Welsh Terrier Fee und die frischgebackenen Hundeeltern Elli und Eddie, die im Kofferraum sitzen müssen. Die Mutter würde ihre Kleinen sonst nie so einfach herzeigen. Denn die eigentliche Attraktion sind ihre acht Welpen der Rasse Bosnische Rauhaarbracke, die gerade das Grundstück unsicher machen.

Markus Handschuh und seine Kollegin Susann Humig pfeifen und rufen, aber die fünf Wochen alten Hundekinder haben ihr eigenes Köpfchen. Besonders die kleine Ari, die sozusagen in der Familie bleibt. Handschuhs Kollegin Susann Humig hat sich sofort in sie verliebt und ist gerade dabei, sie an sich zu gewöhnen. „Ari wird in einiger Zeit wie auf Susann geeicht sein“, sagt Markus Handschuh. Wann immer es geht, trägt sie den schwarz-braunen Welpen unter der Jacke dicht am Körper.

So funktioniert normalerweise das Annähern zwischen Hund und späterem Besitzer. Beide müssen sich aneinander gewöhnen. Doch bei Markus Handschuh und seiner Hündin Elli lief die Zusammenführung nicht wie im Lehrbuch. Wenn nicht Piloten die Rauhaarbracke aus Bosnien nach Leipzig gebracht hätten, wären die Hündin und ihr Wurf nicht hier.

Markus Handschuh ist Forstwirt und Hundeführer. Der Coswiger schießt selbst keine Tiere, trotzdem hat er einen Jagdschein. Denn in Deutschland darf niemand ohne Jagdschein ein Wirbeltier töten. Wenn ein Wildschwein angefahren wurde, ruft die Polizei ihn, damit er und seine Hunde das verletzte Tier von seinen Leiden befreien. Nachsuche heißt das auf Jägerdeutsch. „Dann muss ich das Tier erschießen“, sagt er.

Im Wohnzimmer hängen an einer Holzwand mehrere Gewaffen – das sind die großen und scharfen Eckzähne von Keilern – sowie ein Jagdhut. „Ich sammle keine Trophäen“, sagt Markus Handschuh sofort. Die Zähne stehen dem Hundeführer zu, der das verletzte Wildschwein bei der Nachsuche erlegt hat.

Für ihn ist das kein Tabuthema. Markus Handschuh ist mit der Jagd aufgewachsen, auch seine Eltern hatten Jagdhunde. Schon im Alter von 16 Jahren ging er mit auf die Jagd. Damals nur als Zuschauer, heute mit 40 Jahren als Hundeführer. Die letzte Jagdsaison – von Oktober bis Januar – ist gerade vorbei. In der Stöberhundgruppe Moritzburg ist der Coswiger einer der Hundeführer. Sie arbeiten mit Bracken, Dackeln und Terriern. Die Jagdbilanz hat er auf einen Zettel geschrieben: Schwarzwild 670, Rehe 300, Waschbären 32, Fuchs 13.

Die Bosnische Rauhaarbracke hat er im ehemaligen Jugoslawien für sich entdeckt. In den 90er-Jahren war Markus Handschuh dort als Zeitsoldat stationiert. Die Rasse ist in Deutschland fast unbekannt. Doch genauso hatte er sich seinen Hund immer vorgestellt. Er wollte einen Gebrauchs-, keinen Schoßhund. „Die Bosnische Rauhaarbracke ist besonders gut für die Nachsuche und das Stöbern geeignet“, sagt er. Außerdem sind die Tiere sehr aufmerksame, aber doch keine bissigen Wachhunde.

Jedoch den Welpen einfach einsacken und mitnehmen, ging natürlich nicht. Die Einfuhr von Hunden aus Nicht-EU-Ländern unterliegt strengen Vorschriften. Auch, um illegalen Welpenhandel zu vermeiden, müssen sie mindestens 15 Wochen alt sein, sagt Markus Handschuh.

Elli war damals jünger und durfte nicht mit nach Deutschland. Eines Tages habe er dann einen Anruf bekommen mit der Information, dass die Hündin am Leipziger Flughafen sei und abgeholt werden könnte. Piloten hätten sie mitgenommen. Wer das organisiert hat und wie genau das alles passiert ist, weiß er nicht zu hundert Prozent, sagt er. Doch ohne Rüden keine Welpen. Und so reiste Markus Handschuh über ein Jahr alle drei Monate nach Bosnien zum Jagdverband, um einen Rüden zu suchen. Dann hatte er Erfolg: Seine zweite Rauhaarbracke mit Namen Eddie fuhr auf dem Autorücksitz mit nach Sachsen.

Heute sitzen beide wieder im Kofferraum, während ihre Welpen über den Hof tollen. Fünf von ihnen sind schon vergeben. Einer geht in die Schweiz und irgendwann auf Hasenjagd, einer wieder nach Bosnien zurück, einer nach Frankreich und einer bleibt in Coswig bei der Kollegin.

Die Zukunft des fünften Hundekindes entschied sich erst vor wenigen Tagen. Da hatte ein Mann drei Stunden gewartet, nachdem er die beiden Elterntiere auf dem Grundstück gesehen hatte, sagt Markus Handschuh. „Der Mann war schon lange auf der Suche nach einem solchen Hund.“ Als der Besitzer ihm sagte, dass er gerade einen Wurf Welpen hat, waren nur noch drei übrig von dem Markus Handschuh zufolge ersten Wurf in Deutschland.