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Ganz im Ernst

© dpa

Harald Schmidt begegnet Depressionen nicht nur mit lockeren Sprüchen. Sein Engagement ist weitaus größer. Das will er auch in Leipzig beweisen.

Von Kevin Schwarzbach

Harald Schmidt und ein Kongress für Depressive? Eine Kombination, die auf den ersten Blick danach anmutet, als solle den psychisch Kranken mit ein paar lockeren Sprüchen und Blödeleien geholfen werden.

Doch was nach ein wenig Spaß und Heiterkeit gegen all die negativen Gedanken aussieht, hat einen ernstzunehmenden Hintergrund. Seit sieben Jahren ist Harald Schmidt Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Depressionen finde ich enorm interessant“, verkündete der Kabarettist, als er 2008 bei der Stiftung einstieg. Seither hat der 58-Jährige sie nicht nur mit seinem Namen unterstützt, sondern beispielsweise auch die Geschäftsstelle der Stiftung finanziert. „Harald Schmidt engagiert sich selbstlos und unkompliziert“, lobt ihn Professor Ulrich Hegerl, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Leipzig. Als Vorstandschef der Stiftung habe er Schmidt als „humanen Menschen“ kennengelernt, der den Patientenkongress bereits zweimal „sehr liebevoll und taktvoll“ moderierte.

Ganz ohne Spaß kann Schmidt aber doch nicht. Beim letzten Kongress danach gefragt, ob er selbst von Depressionen betroffen sei, antwortete er, dass er zwar auch finstere Stunden erlebt habe, die aber relativ schnell hätte überwinden können – durch Partnerwechsel.

Am kommenden Wochenende lädt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe zum dritten Patientenkongress in das Leipziger Gewandhaus. Auch diesmal wird Schmidt den Moderator geben. Nicht, weil er der Hampelmann sein will, sondern weil er um das fehlende gesellschaftliche Gespür für die Krankheit weiß.

„Es geht um den Unterschied zwischen total depri sein, wenn der neue SUV mit den falschen Fußmatten ausgeliefert wird, und einer ernst zu nehmenden Volkskrankheit“, so der Schirmherr.

Harald Schmidt will die Situation Depressiver verbessern. Er weiß, dass Depressionen in der gesellschaftlichen Debatte noch immer nicht die Rolle spielen, wie sie andere Krankheiten einnehmen. Ein paar lockere Sprüche und Blödeleien wird es trotzdem von ihm geben. Auch den bedrückendsten Themen ist ein wenig Spaß zu entlocken. Harald Schmidt kennt es gar nicht anders.