Merken

Ganz in Weiß

Heftiger Schneefall verwandelt die Freitaler Region in einer Winterwunderwelt. Die Freude darüber ist fast ungetrübt.

Teilen
Folgen
© Karl-Ludwig Oberthür

Von Carina Brestrich, Mareike Huisinga, Jörg Stock und Tobias Winzer

Freital. Die gute Nachricht zuerst: Der neuerliche Wintereinbruch hat in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge kaum einen Autofahrer ins Schleudern gebracht. Bis Donnerstagmittag zählte die Polizeidirektion Dresden lediglich acht Unfälle. Gemessen an der Witterung, so sagte Polizeisprecher Marko Laske, sei dieser Wert eher unterdurchschnittlich, zumal es keinerlei Verletzte, sondern nur verbeultes Blech gegeben habe. „Ein Lob an die umsichtigen Autofahrerinnen und Autofahrer.“

Glimpflich endeten die Unfälle auf der Autobahn A4 nahe Wilsdruff in der Nacht zum Donnerstag. Die Fahrbahn war dort ebenfalls tief verschneit.
Glimpflich endeten die Unfälle auf der Autobahn A4 nahe Wilsdruff in der Nacht zum Donnerstag. Die Fahrbahn war dort ebenfalls tief verschneit. © Roland Halkasch
Schnee – so weit das Auge reicht. Auf dem Windberg verwandelten sich die Wanderwege in eine Winterwunderwelt.
Schnee – so weit das Auge reicht. Auf dem Windberg verwandelten sich die Wanderwege in eine Winterwunderwelt. © Karl-Ludwig Oberthür
In Herzogswalde befreite Andreas Pietzsch den Fußweg vor seinem Haus vom Schnee.
In Herzogswalde befreite Andreas Pietzsch den Fußweg vor seinem Haus vom Schnee. © Karl-Ludwig Oberthür

Allerdings kam es in der Nacht zu Donnerstag auf der Autobahn A 4 zu mehreren witterungsbedingten Unfällen. Zwischen Wilsdruff und der Raststätte „Dresdner  Tor“ hatte sich ein polnischer Sattelzug quergestellt und zwei Fahrspuren blockiert. Ein Abschleppdienst musste den Laster bergen, während der Verkehr an der Unfallstelle vorbeigeführt wurde.

Aus der Bahn geworfen hat das Wetter stellenweise auch den Busverkehr. Beim Regionalverkehr Dresden (RVD) in der Weißeritzregion lief der Betrieb Donnerstagmorgen „recht zäh“ an, sagte Pressesprecher Volker Weidemann. Auf einigen Linien am Erzgebirgskamm seien die Busse wegen Schnee und Eis zunächst gar nicht auf die Straße gekommen. Auch der Verkehr im Pretzschendorfer Gebiet und im Großraum Wilsdruff sei stark gestört gewesen. Dort, wo die Busse fahren konnten, seien mitunter Verzögerungen bis zu einer Stunde aufgetreten. Schüler seien verspätet oder gar nicht zur Schule gelangt.

Beim RVD entspannte sich die Lage bis zum Vormittag. Die Busse fuhren weitestgehend wieder planmäßig. Dem Winterdienst macht RVD-Sprecher Weidemann keine Vorwürfe. „Ich bin sicher, er hat sein Möglichstes getan“, sagte er. „Es war schon gewaltig, was da runter kam.“

Schneefräsen im Einsatz

Peter Guderle, Chef der landkreislichen Straßenwärter, bestätigt das. Die vier Meistereien hätten praktisch rund um die Uhr gearbeitet, sagte er. Lediglich zwei Kreisstraßen, zwischen Pretzschendorf und Beerwalder Mühle und zwischen Röthenbach und Hartmannsdorf, habe man nicht freihalten können. Sie wurden für den Verkehr gesperrt. Noch Donnerstagvormittag waren dort Schneefräsen im Einsatz, um die massiven Verwehungen zu beseitigen. Guderles Fazit: Der Winterdienst hat geklappt. „Der Verkehr ist nirgendwo länger zum Erliegen gekommen.“

Im Dauereinsatz waren auch die Freitaler Winterdienstler. Als am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr heftiger Schneefall einsetzte, rief der Bereitschaftsdienst die gesamte Kolonne zusammen. Sechs Männer und fünf Streufahrzeuge waren daraufhin bis 4 Uhr im Einsatz. Die erste Schicht übernahm danach fließend die Räum- und Streuarbeiten. „Besondere Herausforderungen für die Kollegen auf den Winterdienststreufahrzeugen sind die zum Teil sehr steilen Berge, die befahren werden müssen“, so Rathaussprecher Matthias Weigel. Zu schaffen mache den Winterdienstlern mitunter auch, dass Anwohner die Schneemassen zwar ordnungsgemäß von den Fußwegen vor ihren Grundstücken schieben, aber mit den Haufen dann Einfahrten blockierten.

Probleme hatten auch einige Fußgänger. In den Notfallambulanzen Freital und Dippoldiswalde herrschte am Donnerstagmorgen erhöhter Andrang, meldete Heike Klameth, Sprecherin der Weißeritztal-Kliniken. „Die Verletzungen reichten vom gebrochenen kleinen Finger bis zu Beinbrüchen, die operiert werden mussten.“ Mehr Glück hatten offenbar die Pirnaer. Das Krankenhaus auf dem Sonnenstein registrierte bis Donnerstagmittag keinen nennenswerten Patientenanstieg durch Stürze.

Gefährlich für Fahrzeuge und Personen

Probleme mit dem Schnee hatten auch die Müllfahrer, „prinzipiell überall dort, wo kein öffentlicher Winterdienst durchgeführt wird“, sagte Ilka Knigge vom Abfallzweckverband. Das Befahren kleiner, nicht geräumter Anliegerstraßen sei oftmals nicht ohne Gefahr für Fahrzeuge und Personal möglich. Die Folge: Mülltonnen blieben stehen. Sobald sich die Straßenverhältnisse besserten, versuche man eine Nachentleerung der Restmülltonnen, erklärte die Sprecherin. Sie appelliert an alle Anlieger, die Straßen so weit zu beräumen, dass die Entsorgungsfahrzeuge ungehindert passieren könnten.

Wie geht es weiter mit dem Winter? Am Freitag zieht polare Kaltluft in die Region. Der Himmel klart auf und es wird sehr frostig – im Tiefland bis zu minus 15 Grad Celsius und in Gebirgstälern bis minus 20 Grad. Die Winterdienstler um Peter Guderle wollen nun die geräumten Straßenbereiche schnell verbreitern und die Schneewände, teils bis zu zwei Meter hoch, weiter an den Rand schieben, bevor sie der erwartete starke Frost zementiert. „Dann fährt auch eine Schneefräse wie gegen eine Wand“, sagt Guderle. Sollte das Thermometer tatsächlich bis in den zweistelligen Minusbereich absinken, kommt auch Salzlauge an ihre Grenzen. Ab etwa minus acht Grad zeigt sie kaum noch Wirkung. „Wir können dann nur abwarten.“