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Ganz unten

Der deutsche Handball ist am Tiefpunkt und der Bundestrainer sicherlich nicht mehr zu halten.

Von Angela Bern

Irgendwie hat man es nicht für möglich gehalten, aber es ist Realität: Die Handball-Weltmeisterschaft 2015 in Katar findet ohne die deutschen Männer statt. Sie unterlagen den Polen in der Qualifikation am Sonnabend in Magdeburg mit 28:29. Dieses knappe Ausscheiden darf man jetzt durchaus einmal kurz beklagen. Doch anschließend muss es flott an die Arbeit gehen. Die SZ erklärt die drei wichtigsten Baustellen.

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Erste Baustelle: Der Bundestrainer

Dass Martin Heuberger seit seinem Amtsantritt am 1. Juli 2011 drei Großereignisse hintereinander verpasst hat, spricht gegen ihn. Eine Verlängerung seines Vertrages sollte für den Deutschen Handball-Bund keine Option sein. Kandidaten für das Amt gibt es ausreichend. Vielleicht übernimmt es kein Markus Baur, Martin Schwalb oder Christian Schwarzer, sondern ein Alfred Gislason, Dagur Sigurdsson oder Ljubomir Vranjes – Leute, deren Namen auf großer Bühne einen hervorragenden Klang haben.

Zweite Baustelle: die Rückraumspieler

Die Situation ist nicht so dramatisch, wie einige sie gelegentlich darstellen. Es gibt im deutschen Handball durchaus guten Nachwuchs, beispielsweise die beiden Berliner Jung-Füchse Fabian Wiede (20 Jahre) und Paul Drux (19) sowie Finn Lemke (22) aus Lemgo und Steffen Fäth (24) aus Wetzlar. Neuanfang heißt das Zauberwort.

Dritte Baustelle: die Torhüter

Die Zeiten, als gute Handball-Torhüter in Deutschland auf Bäumen wuchsen, sind vorbei. Silvio Heinevetter hat unbestritten seine Qualitäten. Würfe aus der zweiten Reihe mag der extrovertierte Keeper aber nicht. Der Pole Karol Bielecki traf siebenmal gegen ihn. Warum hat man Joachim Bitter eigentlich für die Qualifikation zurückgeholt und dann trotz Heinevetters nachlassender Quote in der zweiten Halbzeit nicht gebracht? Carsten Lichtlein ist ein guter dritter Mann, der Ron-Robert Zieler der Handballer sozusagen. Heinevetter, Bitter, Lichtlein also. Und dann?

Auf den künftigen Bundestrainer wartet zwar extrem viel Arbeit, aber der deutsche Handball ist nicht tot. Bereits bei der Europameisterschaft 2016 in Polen kann alles anders sein. Bis dahin sind es – die Qualifikation vorausgesetzt – noch 18 Monate: ausreichend Zeit für einen Neuaufbau. Und von ganz unten gibt es schließlich lediglich eine Richtung: nach oben.

Anschauungsunterricht boten am gleichen Tag in derselben Arena die Frauen. Sie lösten das Ticket für die Europameisterschaft im Dezember in Kroatien und Ungarn mit einem deutlichen 31:16 gegen Mazedonien souverän als Gruppenerster. (sid)