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Ist mein Baum nach dem Sturm noch zu retten?

Viele Schäden zeigen sich nicht auf den ersten Blick. Profis verraten, wie man sie erkennen, was man tun kann – und muss.

Von Susanne Plecher
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Viele Bäume wurden durch den Strum beschädigt. Nicht alle lassen sich noch retten.
Viele Bäume wurden durch den Strum beschädigt. Nicht alle lassen sich noch retten. © dpa

Die drei Winterstürme, die auch Sachsen trafen, bedeuten viel Arbeit für professionelle Baumpfleger. Alexander Kobelt vom Baumservice Dresden zum Beispiel ist zu drei schweren Sturmbrüchen gerufen worden. „Wir kommen gar nicht mehr nach“, sagt er. „Momentan fällen und sichern wir nur noch und werden erst im März beräumen und entsorgen können.“ Professor Andreas Roloff, Leiter des Instituts für Forstbotanik und Forstzoologie an der TU Dresden, bestätigt: „Derzeit dürfte es sehr schwierig werden, einen Baumpflegedienst zu bekommen.“ Aber das sei auch nicht immer nötig, denn manche Bäume ließen sich noch retten.

In diesem Text:

  • Wie erkenne ich versteckte Schäden an Bäumen?
  • Wann ist es unumgänglich, einen Profi einzuschalten?
  • Wann kann man einen Baum noch retten?
  • Darf ich ausnahmsweise auch nach Ende Februar noch fällen?
  • Wie muss ein solches Protokoll aussehen?
  • Welche Bäume sind besonders sturmgefährdet?

Wie erkenne ich versteckte Schäden an Bäumen?

Wann ist es unumgänglich, einen Profi einzuschalten?

Ein Laie kann kaum abschätzen, ob ein Baum noch standfest ist oder droht, umzukippen. Bei älteren Bäumen, deren Wurzelteller sich gehoben haben und die auf einen Fußweg, Spielplatz oder Carport stürzen könnten, sollte ein Fachmann ran. „Man sollte mit gesundem Menschenverstand entscheiden, was gefährlich ist“, sagt Andreas Roloff. Allerdings sei es wichtig, nicht überzureagieren. „Sonst haben wir bald keine Bäume mehr.“

Die Kosten, die dabei entstehen, sind immer abhängig von den Pflegemaßnahmen, der Größe des Baumes und des Aufwands. Arbeitet ein Seilkletterer in der Krone, werden pro Meter Baumhöhe pauschal zwischen 35 bis 60 Euro fällig, hat das Portal kostencheck.de berechnet. Baumarbeiten ohne Klettertechnik kosten pro Stunde zwischen 30 und 50 Euro. Kosten für Geräte wie ein Hubwagen kommen hinzu.

Wann kann man einen Baum noch retten?

Ist ein Baum in Schieflage geraten und hat sich dabei der Wurzelteller gehoben, sind viele Feinwurzeln abgerissen. Dann haben jüngere und niedrigere Exemplare die besten Chancen. „Sie können vieles noch selbst reparieren. Bei älteren Bäumen ab etwa zehn Metern Höhe wird es aufgrund der Größe des Stammes und der Äste schwieriger“, sagt Forstbotaniker Roloff. Kleine Bäume könne man mit einem Pflock stabilisieren. „Dadurch schwanken sie nicht mehr so im Wind, feine Wurzeln können sich neu bilden und den Baum wieder im Boden verankern“. Bei einem älteren Exemplar würde das zehn bis 20 Jahre dauern. Um ihn zu retten, könne man die Krone einkürzen, um die Angriffsfläche für den Wind und das Gewicht zu verringern. Dadurch schwankt der Baum bei Wind weniger, Wurzeln können sich eher wieder bilden. Baumpfleger Kobelt rechnet solchen Bäumen aber keine guten Chancen aus: „Dann wird auch die Krone zum Teil absterben und die Haltbarkeit ist nicht mehr gewährleistet.“ Einen Baum abzustützen, sei nur über kurze Zeit ratsam. Denn der Ast würde an der Stütze scheuern, die Rinde würde verletzt. In der Folge könnte der Ast faulen

Darf ich ausnahmsweise auch nach Ende Februar noch fällen?

In der Vegetationsperiode vom 1. März bis 30. September dürfen regulär keine Bäume mehr gefällt und Hecken oder Gehölze radikal zurückgeschnitten werden. Das Bundesnaturschutzgesetz will mit diesem Rückschnittsverbot brütende Vögel und die Gesundheit der Gehölze schützen. Baumfällungen zur Beseitigung von Sturmschäden sind aber ausnahmsweise und ohne behördliche Gestattung zulässig, wenn sie der Gewährleistung der Verkehrssicherheit dienen. „Sie sind daher nur im öffentlichen Interesse zulässig und nur, wenn es bezüglich der Art und/oder des Zeitraums ihrer Ausführung keine schonendere Alternative gibt. Etwa durch Absperrungen oder durch die Beseitigung einzelner Äste“, teilt Burkhard Beyer vom sächsischen Umweltministerium mit. Wer nun aufgrund von Sturmschäden eine Baumfällung ab 1. März plant, sollte sich an die zuständige untere Naturschutzbehörde wenden.

Wie muss ein solches Protokoll aussehen?

Es kann formlos sein, muss aber das Datum, den Baum und Notizen über die Beobachtungen enthalten. „Einige Fotos wären gut – und man sollte es für die Versicherung abheften“, rät Roloff. Er hat die Baumkontrollrichtlinie mitgeschrieben, die im deutschsprachigen Raum vorgibt, was dabei zu beachten ist. „Das Wichtigste ist, bei einem Baumschaden Ruhe zu bewahren. Selbst wenn etwas passiert, kommt es selten vor, dass man daran für schuldig erklärt wird. Man kann nicht jeden Tag seine Bäume kontrollieren“, beruhigt Roloff.

Welche Bäume sind besonders sturmgefährdet?

Meist sind das große, alte Bäume, die die Häuser überragen oder exponiert stehen, zum Beispiel an Grundstücksgrenzen, sagt Baumpfleger Kobelt. Jüngere und kleinere Bäume sind vitaler und stecken Stürme besser weg. Besonders anfällig sind Flachwurzler wie Fichten, Ahorn oder Esche. Auch Weiden oder Pappeln, die ein weiches, kurzfaseriges Holz haben, werden durch Stürme oft entwurzelt oder brechen.