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Schönheiten für den Herbstbalkon

Wind und Wetter standhalten und trotzdem wunderbar aussehen? Gärtnerin Claudia Forkert aus Dresden weiß, welche Pflanzen das können.

Von Susanne Plecher
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(1) Zierkohl Brassica. 2) dunkelpinken Besenheide. (3) gelb-grün gesteiften Segge. (4) Outdoor-Alpenveilchen.(5) Chinesischer Scheinbleiwurz. (6) Rebhuhnbeere.
(1) Zierkohl Brassica. 2) dunkelpinken Besenheide. (3) gelb-grün gesteiften Segge. (4) Outdoor-Alpenveilchen.(5) Chinesischer Scheinbleiwurz. (6) Rebhuhnbeere. © Thomas Kretschel

Die Bäume putzen sich heraus: Gelb, orange, grün leuchtet ihr Laub. Mit jedem Herbsttag wird es bunter – und weniger. Es ist Zeit, den Garten winterfest zu machen. Und auch für den Balkon stehen nun Arbeiten an, die das Ende der Draußen-Saison besiegeln. Möbel sind einzuräumen, frostempfindliche Gewächse zu sichern und die Balkonkästen neu zu bepflanzen. Nur weil es kalt wird, müssen sie ja nicht leer stehen.

Gartenfachmärkte und Baumärkte bieten dafür eine Vielzahl an Pflanzen an, denen kühlere Temperaturen und Regenschauer nicht so schnell die Pracht vermasseln. Sie schmücken sich mit Blüten in satten Herbstfarben, bunten Beeren oder besonderen Blattformen. „Ein Klassiker der Herbstbepflanzung ist die Calluna. Sie gibt es in unzähligen Farben“, sagt Claudia Forkert. Seit 37 Jahren arbeitet die Gärtnerin bei der Firma Gartenbau Rülcker in Dresden. Besen- oder Knospenheiden, wie die Calluna auch genannt wird, füllen hier ganze Tische.

Egal ob weiß, rosa, pink, bläulich schimmernd, ins Schwarz gehend, ein-, zwei-, oder dreifarbig: Callunas sollten sich vollsaugen dürfen, bevor sie gepflanzt werden. „Sie sind durstige Gesellen und müssen getaucht werden“, sagt Forkert und greift ein dunkelpinkes Exemplar. Warm leuchten die winzigen Blütentrauben. Der chinesische Scheinbleiwurz knallt das tiefe Blau seiner radförmigen Blüten dagegen. Andere Qualitäten entfaltet er später: Je älter der Herbst, desto bunter das Laub der Staude. Es färbt sich weinrot ein.

Für einen etwa einen Meter langen Balkonkasten sucht die Gärtnerin acht Pflanzen zusammen. „Im Herbst darf man sie dicht pflanzen, weil sie kaum noch wachsen“, erklärt sie. Ihre Auswahl bleibt sogar auch den Winter über schön. Wer mag, kann den Kasten im Herbst zusätzlich mit Zierkürbissen, Ziermais oder Kastanien und Eicheln schmücken. In der Adventszeit bieten sich Fichtenzweige, Zapfen, kleine Weihnachtsbaumkugeln und Lichterketten an.

Ziergräser können Kälte aushalten

Aber erst einmal müssen die Pflanzen in die Erde. Auf eine drei bis vier Zentimeter dicke Schicht Pflanzsubstrat setzt die Gärtnerin neben Heide und Scheinbleiwurz einen glamourösen Zierkohl. Elfenbeinfarbene Adern durchziehen die tiefgrünen Blätter dieses Brassica. „Wenn der Raureif sich darauf absetzt, schillert er in der Morgensonne“, sagt Forkert. Und zwar immer wieder. Denn der Zierkohl verträgt höhere Minusgrade, ohne in sich zusammenzufallen. Die beiden kleinen Alpenveilchen, die sie dazu gesucht hat, machen etwas eher schlapp. Sie halten nur geringen Minusgraden bis zwei Grad minus stand, auch wenn sie extra für den Außenbereich gezüchtet wurden. Der Namensbestandteil „outdoor“ weist deutlich darauf hin. „Aber auf dem Balkon oder auf der Fensterbank stehen die Kästen meist geschützt und bekommen nicht so viel Kälte ab. Sie können sich dort lange halten“, sagt Forkert.

In der Natur wachsen Alpenveilchen vor allem im Mittelmeerraum. In den Alpen gibt es jedoch nur eine einzige Art. Die gezüchteten Freilandminis schmücken mit ihren oft mehrfarbigen Blüten und Blättern schon seit einigen Jahren viele Balkonkästen. Bei Zimmertemperatur würden sie beides hängen lassen. „Alpenveilchen mögen es generell eher etwas kühler. Pralle Sonne und Wohnzimmerwärme bekommt ihnen nicht so gut“, sagt Forkert.

Kälte kann auch die Segge vertragen. Die immergrünen Ziergräser gibt es in enormer Auswahl. Mehr als 2.000 verschiedene Arten gehören der Gattung an. Claudia Forkert hat sich für eine gelb-grün gestreifte, niedrig wachsende Variante entschieden. Mit ihren langen Blättern füllt sie den Platz zwischen den Blühpflanzen fröhlich aus. Auch die Rebhuhnbeere lockt mit anderen Reizen als Blüten. Sie wird sehr gern wegen ihrer korallenroten Scheinbeeren gepflanzt, die den ganzen Winter über die Farbe behalten. Ist alles in normale Pflanzerde gesetzt, muss ordentlich gewässert werden. „Immer von oben gießen und Vorsicht bei Wasserspeicherkästen“, rät die Gärtnerin. Bei Frost könnte das Wasser im Speicher gefrieren und den Kasten sprengen. Gegossen wird an frostfreien Tagen, aber regelmäßig. „Viele vergessen das und denken, ihre Pflanzen wären erfroren. Dabei sind sie oft vertrocknet“, so Forkert. Gedüngt werden die Gewächse hingegen nicht mehr.

Große Pflanzen beim Gärner überwintern lassen

Die Nächte können schon jetzt frostig werden. Bei kälteempfindlichen Topfpflanzen, die im Frühjahr und Sommer Balkon oder Terrasse geschmückt haben, ist daher Eile geboten. Oleander, Zitruspflanzen oder Wandelröschen sollten nun schnell in helle, frostfreie Räume geholt werden. Zu warm wollen sie es aber auch nicht haben. Zitrusgewächse benötigen sechs bis zwölf Grad Celsius. Den Schmucklilien, Olivenbäumchen oder Hortensien reichen fünf Grad aus. „Davor sucht man sie am besten nach Schnecken und Pflanzenschädlingen ab“, rät Forkert. Werden Läuse oder Milben entdeckt, halten Fachmärkte die richtigen Mittelchen bereit. Bei großen Töpfen kann es reichen, sie in Vlies einzuhüllen, die Erde mit Fichtenzweigen zu bedecken und die Töpfe in windgeschützte, hauswandnahe Balkonecken zu ziehen. Aber auch dann ist es wichtig, die Stöcke an frostfreien Tagen mäßig zu gießen.

Sind die Pflanzen im Lauf der Jahre zu groß geworden, um sie zu Hause überwintern zu lassen, kann es sich lohnen, in der Gärtnerei nach einem Stellplatz zu fragen. Einen sogenannten Überwinterungsservice bieten inzwischen etliche Betriebe an. Manche holen die Wintergäste sogar ab und bringen sie im Frühjahr zurück.

Claudia Forkert füllt Erde auf und drückt die Pflanzen fest. Kohl und Alpenveilchen vergehen spätestens im zeitigen Frühjahr. Der Rest ihres bunten Herbstkastens kann aber durchaus ein Leben nach dem Winter führen. „Ich pflanze das im Frühling alles in den Garten“, sagt sie. Die Besenheide zum Beispiel ist ein Zwergstrauch. Bei richtiger Pflege kann sie bis zu 40 Jahre alt werden. Der Scheinbleiwurz findet Anschlussverwendung als sonnenliebender Bodendecker. Auch Segge und Rebhuhnbeere machen sich im Staudenbeet gut.