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Gartenbahn wartet aufs Abfahrtssignal

Zweimal wurde das Modelleisenbahnland Oderwitz geflutet, zweimal wurde es wieder aufgebaut. Nun sogar mit Schutz.

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© Matthias Weber

Von Mario Sefrin

Noch ist Baustelle im Eisenbahnland. Doch schon am ersten Oktoberwochenende sollen die Spur 1-Bahnen wieder durch den Garten von Holger Gottschlich in Niederoderwitz fahren – ganz so wie in den Jahren vor 2010. Bis zu dem Tag im August jenes Jahres, als das Oderwitzer Flüsschen Landwasser zum ersten Mal in Gottschlichs Eisenbahnwelt einbrach. „Das war ein derber Nackenschlag“, sagt Holger Gottschlich. Einen halben Meter hoch habe das Wasser in seinem Grundstück gestanden und dabei auch die Gartenbahnanlage total überflutet.

Gottschlich konnte zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wissen, dass sich die traurige Geschichte im Eisenbahnland wiederholt. Im Sommer 2013, als bei der Gartenbahn alle Signale wieder auf Grün standen, überflutete das Landwasser erneut die angrenzenden Grundstücke in Oderwitz. Auch das Grundstück des Modelleisenbahnlandes. „Haben wir nach dem ersten Hochwasser die Elektronik halbwegs wieder in Ordnung bringen können, sodass sie fahren konnte, war nach dem zweiten Hochwasser im Jahr 2013 nichts mehr zu retten“, sagt Holger Gottschlich. „Alles war voller Schlamm und Dreck, da war nichts mehr zu machen.“

Da Holger Gottschlich keine Versicherung gegen Elementarschäden hatte, blieb nach dem zweiten Hochwasser allein an der Gartenbahn ein Schaden in Höhe von circa 20 000 Euro zurück. Aufgeben kam aber auch nach dem zweiten Hochwasser nicht infrage. Dafür liegt den Mitgliedern des kleinen Vereins um Holger Gottschlich das Niederoderwitzer Modelleisenbahnland zu sehr am Herzen. Also hieß es zum dritten Mal in die Hände spucken: „Ende 2013 haben wir die gesamte Gartenbahnanlage abgerissen und Mitte 2014 mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Ausmaße der neuen Anlage unterscheiden sich dabei nicht allzu sehr von der alten. „Die Beton-trassen, auf denen die Gleise liegen, haben das Hochwasser ja überstanden“, sagt Holger Gottschlich. Andererseits habe der Neustart nach dem Hochwasser 2013 auch etwas Gutes hervorgebracht: „Wir konnten wieder bei Null beginnen und die ganze Fläche neu planen“, so der Oderwitzer Modelleisenbahner. Das führte dazu, dass die neue Modellbahn in Gottschlichs Garten im Vergleich zur alten doch einige Veränderungen vorweisen kann. So gibt es nun zwei Gleise statt früher nur einem, was den Fahrbetrieb auf der neuen Anlage deutlich erhöht. Außerdem schmücken nun eine Burg, Berge sowie ein umlaufender Wasserkanal samt Hafen die Gartenbahnanlage. Und auch an mögliche künftige Hochwasser haben die Vereinsmitglieder bei der Neuplanung der Anlage gedacht: „Die Gartenbahn ist nun von einer Schutzwand umgeben, die künftige Hochwasser abhalten soll“, sagt Holger Gottschlich. „Und das nächste Hochwasser kommt bestimmt.“

Auch wenn sein Garten derzeit in großen Teilen noch einer Baustelle gleicht: Holger Gottschlich freut sich auf die Einweihung der neuen Gartenbahn am 1. und 2. Oktober. Ein Höhepunkt dieser Einweihung soll eine Lokparade sein, die mehrmals am Eröffnungswochenende auf der Anlage unterwegs ist. „Das gibt bestimmt ganz tolle Motive für Fotografen“, ist Gottschlich überzeugt.

Mit dem Niederoderwitzer Modellbahnland hat sich Holger Gottschlich einen Kindheitstraum erfüllt – auch dank der anderen Vereinsmitglieder. An der Kirchstraße in Niederoderwitz steht nun Sachsens größte H 0-Digitalmodelleisenbahnanlage mit einer Fläche von knapp 110 Quadratmetern und einer Gleislänge von circa 850 Metern, eine H 0-Modulanlage, die von Schülern aus vier Schulen gebaut wird und in wenigen Tagen die ebenfalls computergesteuerte Spur 1-Gartenbahnanlage mit einer Gesamtfläche von knapp 560 Quadratmetern. Alle Anlagen sind zum Festwochenende am 1. und 2. Oktober in Betrieb. Die Gartenbahn soll dann noch einmal in den bevorstehenden Herbstferien in Sachsen ihre Runden drehen sowie an Wochenenden, wenn es das Wetter zulässt. „Im nächsten Jahr wird dann eine Ampel auf unserer Homepage tagaktuell darüber Auskunft geben, ob die Gartenbahn fährt oder nicht“, sagt Holger Gottschlich.

Ist die neue Gartenbahnanlage eingeweiht, haben die Vereinsmitglieder erst einmal keine neuen Pläne – jedenfalls keine großen. „Dann steht die Vervollständigung unserer Anlagen auf dem Programm“, so Holger Gottschlich. Ein geflügeltes Wort unter Modelleisenbahnern sei schließlich: „Eine Anlage wird nie fertig.“

Zur Webseite des Modelleisenbahnland-Oderwitz geht es hier.