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Gas wird billiger – aber nicht für alle

Der Rohstoff ist am Weltmarkt günstiger zu haben. Doch viele Kunden in Bautzen zahlen deshalb nicht weniger.

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© dpa

Sebastian Kositz

Um rund ein Drittel ist der Gaspreis in den vergangenen zwei Jahren an den Weltmärkten gesunken – doch bislang haben viele private Verbraucher in und um Bautzen davon kaum bis gar nicht profitiert. Zumindest für die Kunden der Enso gibt es jetzt eine gute Nachricht. Der regionale Versorger hat zum Jahresbeginn die Preise geringfügig nach unten korrigiert. Anders als die Energie- und Wasserwerke Bautzen (EWB). Das Unternehmen will ungeachtet der aktuellen Entwicklungen zunächst am bisherigen Tarif festhalten.

© SZ-Grafik: Pit Konczak

Erst kürzlich hatten Fachleute massive Kritik an den Gasversorgern geübt. Weil es auf dem Weltmarkt derzeit ein deutliches Überangebot gebe, sei der Preis für den Rohstoff erheblich gesunken. Doch dieser Vorteil sei an private Kunden nicht weitergegeben worden. Die Unternehmen hätten demnach allein im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro zusätzlich eingenommen, heißt es in der Untersuchung des Hamburger Energiefachmanns Steffen Bukold im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen. Einem üblichen deutschen Haushalt seien so im Schnitt 132 Euro Ersparnis entgangen. Die Endkunden hätten 2015 im Schnitt etwa ein Zehntel des Preises zu viel bezahlt, heißt es laut Studie. – Mit der jetzt bei der Enso vorgenommen Preissenkung wird laut Unternehmenssprecherin Claudia Kuba eine durchschnittliche Familie mit einem angenommenen Jahresverbrauch von 23 000 Kilowattstunden in 2016 um etwa 55 Euro entlastet. So gelte ab sofort etwa für den Vario-Gaspreis eine Senkung von 0,24 Cent brutto je Kilowattstunde. Bisher kostete die Kilowattstunde 6,57 Cent – jetzt 6,33 Cent.

Bei den Energie- und Wasserwerken in Bautzen verweisen die Verantwortlichen indes auf die nach ihren Aussagen ohnehin bereits vergleichsweise günstigen Tarife. Dort waren die Preise fürs Gas zuletzt 2012 verändert worden. „Wir sind bereits sehr günstig, liegen jetzt nach der Preissenkung bei der Enso in etwa gleich auf“, erklärt EWB-Sprecherin Kerstin Juraß. Zwar sei je nach Tarif der Preis für die Kilowattstunde etwas höher als bei der Enso – dafür der Grundpreis hingegen günstiger.

Gegen Pauschal-Kritik

Bis zu 1 000 Euro Vorteil durch neuen Anbieter

Für wen lohnt sich der Wechsel des Gasversorgers überhaupt?

Laut Katja Hentschel von der Verbraucherzentrale Sachsen sind viele Haushalte noch immer Kunden in der Grundversorgung. „Hier lohnt sich der Wechsel in jedem Fall“, sagt die Expertin. Für die, die bereits Sonderkunden sind, ist es ratsam, immer wieder Preise zu vergleichen.

Wie sind die Fristen für den Wechsel des Gasversorgers?

Das ist abhängig vom Vertrag. Wer sich in der Grundversorgung befindet, kann jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Fachleute raten, sich bei Abschluss eines Vertrags grundsätzlich nur auf vier bis sechs Wochen Kündigungsfrist einzulassen.

Was ist beim Abschluss eines neuen Vertrages zu beachten?

Oft übernimmt der neue Anbieter die Kündigung des alten Vertrags. Der Verbraucherzentrale Bundesverband rät jedoch, dies bei Sonderverträgen und sehr kurzen Kündigungsfristen selbst zu übernehmen. Am Wechseltag sollte man den Zählerstand ablesen und diese Angaben dem alten und neuen Lieferanten weitergeben.

Wie viel Geld lässt sich durch den Wechsel des Anbieters sparen?

Bei einem unterstellten Jahresverbrauch von 20000 Kilowattstunden liegen aktuell nahezu 1000 Euro zwischen günstigstem und teuerstem Anbieter. Für einen Durchschnittshaushalt von 80 bis 120 Quadratmeter Wohnfläche ist das aus Sicht von Katja Henschel von der Verbraucherzentrale Sachsen allerdings ein sehr hoher Gesamtverbrauch. Realistisch seien daher Einsparungen von bis zu 500 Euro, sagt die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale.

Wo sind die Einsparmöglichkeiten am höchsten?

Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest lohnt sich der Wechsel vor allem mit Blick auf Boni: Besonders hoch seien die Einsparmöglichkeiten für Kunden, die bereit sind, ihren Tarif jährlich zu wechseln. Boni werden Neukunden in der Regel im ersten Jahr gewährt. Wer im Blick hat, wann das erste Jahr im neuen Tarif um ist, kann mit einem Wechsel zu einem anderen Anbieter wieder aufs Neue Bonuszahlungen kassieren. Grundsätzlich raten Experten zu einer höchstens einjährigen Laufzeit der Verträge. (SZ/sko, dpa)

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Zugleich wehren sich die Vertreter beider regionalen Versorger aber gegen die pauschale Kritik der Studie. Enso-Sprecherin Claudia Kuba verweist darauf, dass sich die Untersuchung auf den sogenannten Spotmarkt beziehe, an dem ein geringer Preis erzielt werde, indem tagesaktuell Gas eingekauft wird. Das sei allerdings für eine stabile Gasversorgung viel zu risikobehaftet. „Wir können doch nicht am Vortag einkaufen und darauf bauen, dass es am nächsten Tag für alle Kunden ausreicht“, so die Enso-Sprecherin. Insofern sei der Bezug in der Studie nicht korrekt. Die regionalen Versorger setzen mit Blick auf die Versorgungssicherheit auf langfristige Einkäufe.