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Gastbeitrag: Gemeinsam reden hilft

Bürgermeisterin Heike Böhm äußert sich zum geplanten Bau von Behältern für Gärreste in Rothenburger Orten.

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Gastbeitrag von Heike Böhm

Wie bereits bekannt, sollen in der Rothenburger Ortschaft Neusorge vier weitere Gärrestebehälter mit einem Fassungsvermögen von 20000 Kubikmetern in den Ort gebaut werden. Das Unternehmen Heim Rinderfarm Neiße GmbH hat in einer Informationsveranstaltung über das Vorhaben informiert. Es wurden Fragen gestellt und beantwortet.

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Die Sichtweise des Unternehmens konnte dargestellt werden. Doch reicht diese Art der Zusammenarbeit aus, die bis zum jetzigen Zeitpunkt sehr einseitig geprägt ist?

Nein! In der Moderne wächst der Anspruch auf gemeinwohlorientierte Unternehmen.

Die Gemeinwohlökonomie gleicht selbstverpflichtend die Unternehmensinteressen mit den Gemeinwohlinteressen ab. Für ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen sind Unternehmensgewinn und Gemeinwohlgewinn gleichermaßen wichtig. Das Ziel des unternehmerischen Gewinns wird ergänzt durch das Ziel, das Leben in der Region besser zu machen, als es ohne sein Unternehmen wäre.

Das Problem bei dem Bau von weiteren Gärrestebehältern in dieser Dimension und noch einer zusätzlichen Güllegrube – wie inzwischen bekannt wurde – besteht darin, dass diese Veränderungen stark in die natürlichen Lebensbedingungen der Ortschaft eingreifen. Wenn wie bisher nicht mehr nur ein Güllebehälter, sondern noch weitere 20000 Kubikmeter (!) Gärreste mit Lkw hin und her transportiert werden, wenn sich der Lkw-Verkehr und die Lagerung von Biomasse auf engstem Raum mindestens verfünffachen, dann verfünffachen sich ebenso in engster Nachbarschaft zu unseren Einwohnern – nicht nur – die Geräuschimmissionen, Abgasimmissionen und Geruchsimmissionen! Es geht um eine Überlastung unserer natürlichen Ressourcen. Die Zumutbarkeitsgrenze für unsere Einwohner, die statt frühzeitiger Einbeziehung vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, ist überschritten. Die Beeinträchtigung der natürlichen Lebensqualität ist offensichtlich.

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Schon alleine dieser Umstand – mag er auch in keinem Gesetzbuch definiert sein – gibt uns das moralische Recht auf Anhörung, Einbeziehung und Mitsprache. Doch leider wurden die Bedürfnisse und Interessen des Gemeinwohls bei der Betrachtung der ökonomischen Interessen bisher nicht ernst genommen. Das fordert uns geradezu zum Widerstand heraus. Alle ringen um eine bessere Lösung. Alle hoffen, dass das Unternehmen einlenkt, es noch Gespräche auf Augenhöhe gibt, zum Beispiel mit den Ortschaftsräten. Mit Respekt, Empathie und Offenheit wollen wir Vertrauen aufbauen. Eine Win-win-Situation würde ganz Neusorge nachhaltig stärken.