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Görlitz

Gewerkschaft NGG beklagt Überstunden

In Hotels und Gaststätten haben alle Beschäftigten im Kreis 2018 insgesamt 437.000 Euro Lohn verschenkt. Dagegen startet der Verband nun eine Kampagne.

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Symbolbild © NGG

Rund 3,4 Millionen Arbeitsstunden haben die Beschäftigten im Landkreis Görlitz im vergangenen Jahr zusätzlich geleistet. Davon 1,8 Millionen Überstunden zum Nulltarif – ohne Bezahlung. Das geht aus dem „Überstunden-Monitor“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat. Danach haben alle Beschäftigten den Unternehmen im Kreis Görlitz 46 Millionen Euro „geschenkt“, teilt der NGG in einer Pressemeldung mit.

Allein in Hotels und Gaststätten leisteten die Beschäftigten hier im vergangenen Jahr rund 82.000 Überstunden. Das hat das Pestel-Institut auf Basis einer kleinen Volkszählung berechnet. Die Wissenschaftler sind von bundesweiten Durchschnittswerten ausgegangen. Demnach waren 44 Prozent aller im Landkreis Görlitz geleisteten Überstunden im Gastgewerbe unbezahlt. Für 2018 bedeutet das – bei 12 Euro Lohnkosten pro Stunde für den Arbeitgeber – ein „Lohn-Geschenk“ von 437.000 Euro.

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„Von der Küchenhilfe im Hotel bis zum Kellner im Biergarten: Wer im Gastgewerbe arbeitet, ist auf jeden Euro angewiesen. Dabei sind 36 Prozent dieser Arbeitsplätze im Kreis Görlitz Minijobs“, sagt Volkmar Heinrich, NGG-Geschäftsführer für die Region Dresden-Chemnitz. Das Problem der 450-Euro-Kräfte: Sie dürfen keinen Euro hinzuverdienen. „Also werden die Überstunden entweder gar nicht oder schwarz bezahlt – bar auf die Hand. Statt Minijobber mit 450 Euro abzuspeisen, sollte das Gastgewerbe endlich mehr Menschen regulär beschäftigen und ordentlich bezahlen“, sagt Heinrich.

Die NGG stellt sich deswegen mit der Gastgewerbe-Kampagne „#fairdient“ hinter die rund 4.300 Beschäftigten in den Hotels, Restaurants und Gaststätten im Kreis Görlitz. Denn ihnen drohe – über den verlorenen Lohn bei Umsonst-Überstunden hinaus – noch ein anderes Problem: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dränge die Bundesregierung, die Arbeitszeiten noch flexibler zu machen. „Es geht darum, das Arbeitszeitgesetz zu durchlöchern. Ziel der Arbeitgeber ist es, die Höchstarbeitszeit auf bis zu 13 Stunden pro Tag auszuweiten“, kritisiert Heinrich.

Der Dehoga werde sich mit seinem Vorstoß „ein Eigentor schießen“, so die NGG. Denn das Hotel- und Gaststättengewerbe könnte durch eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit an Attraktivität einbüßen. „Gerade junge Menschen werden dadurch verschreckt. Und das bei der – im Branchenvergleich – ohnehin schon besonders niedrigen Ausbildungsquote“, sagt Heinrich.

Der Gewerkschafter warnt: Mehr arbeiten zu müssen, bedeute immer auch ein höheres Gesundheitsrisiko. „Schlafstörungen, Erschöpfung, Rückenschmerzen und sogar Arbeitsunfälle können die Folge sein.“ Die bestehende Regelung der Arbeitszeit sei deshalb ein wichtiger Schutz der Beschäftigten.

Im Gastgewerbe sei es bereits heute gang und gäbe, überdurchschnittlich oft an Wochenenden und Feiertagen, spätabends und auf Abruf zu arbeiten. "Dazu kommt ein guter ‚Flex-Faktor‘ durch Arbeitszeitkonten. In Tarifverträgen hat die NGG mit dem Dehoga vielfältige Arbeitszeitmodelle vereinbart", sagt Gewerkschafter Heinrich. Zu viele Betriebe setzen diese aber laut NGG gar nicht in der Praxis um, sondern wollen einen Freifahrtschein. Der Verband fordere die Unternehmen auf, sich an diese Regelungen zu halten und die Dienstpläne frühzeitig und verlässlich zu schreiben. (SZ)

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