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Gastgewerbe geht in den Kulturkampf

Laut Dehoga sorgt der Mindestlohn für höhere Preise, gefährdet Jobs und sächsisches Kulturgut.

© dpa

Dresden. In kleinerer Münze hatte es Helmut Apitzsch gestern nicht. Der Präsident des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sieht ein „Kulturgut“ in Gefahr. Der ab Januar 2015 geplante Mindestlohn von 8,50 pro Stunde werde der Branche nicht nur „erhebliche Schwierigkeiten und Probleme“ bereiten. Er werde auch dazu führen, dass insbesondere kleinere Pensionen und Gasthöfe auf dem Land in eine existenzbedrohende Situation gerieten.

Durch die Einführung des Mindestlohns rechnet der Branchenverband mit Lohnsteigerungen von bis zu 30 Prozent. „Da geht es nicht nur um die 8,50 Euro“, betonte Apitzsch gestern in Dresden. Die Betriebe müssten als Folge der Einführung ihre gesamte Lohnstruktur anpassen – und zwar nach oben. Für große Hotels oder Ketten-Betriebe sei das nicht das Problem. Aber der Großteil der sächsischen Gastronomie und Hotellerie sei eben von Kleinunternehmern und Mittelständlern geprägt, betonte Apitzsch.

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Die würden in einen „Teufelskreis“ gezwungen: Um die Mindestlöhne zahlen zu können, seien „massive Preiserhöhungen“ betriebswirtschaftlich unumgänglich. Diese wiederum könnten gerade in strukturschwachen Regionen weitere Umsatzeinbußen zur Folge haben.

Die Folge: Entweder eine Reduzierung des Angebotes – etwa eingeschränkte Öffnungszeiten – oder der Abbau von Personal. „Wir sind als Gastronomen das letzte Glied in der Kette“, klagte Apitzsch. Denn auch Lieferanten oder Service-Partner wie Wäschereien müssten mit der Mindestlohn-Einführung ihre Preise erhöhen. Diese Spirale würde für etliche Betriebe kurz- oder mittelfristig das Aus bedeuten.

Bereits in den vergangenen fünf Jahren, so Apitzsch, sei die Zahl der Gastgewerbe-Betriebe in Sachsen von mehr als 10.000 auf derzeit 9.100 gesunken. Der Verbands-Präsident rechnet damit, dass der Mindestlohn noch einmal „in dieser Größenordnung“ Existenzen kosten könne. „Deshalb lehnen wir das Gesetz in der jetzigen Fassung vehement ab“, betonte Apitzsch.

Unter anderem fordert der Dehoga, dass der Mindestlohn nicht wie geplant ab dem 18. Lebensjahr, sondern frühestens ab 23 Jahren greift. Das gleiche sollte für Minijobber und ungelernte Hilfskräfte gelten. Zudem sollten die in einigen Bereichen mit der Gewerkschaft Nahrung, Genussmittel, Gaststätten (NGG) ausgehandelten Flächentarifverträge beibehalten werden und von einer Übergangsfrist bis Jahresende 2016 profitieren. In ihnen gelten noch Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro. (SZ/rad)